Leserbrief

Zerstörerische Kräfte am Werk

Zum Artikel „Symbol der Versöhnung“ vom 18. Juni:

In den Redebeiträgen des Bundespräsidenten, der baden-württembergischen Wissenschaftsministerin und des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland zum 40-jährigen Bestehen der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg wurde die herausragende Bedeutung dieser Einrichtung, der größten ihrer Art in Europa, vor 600 geladenen Gästen gewürdigt. Sie steht in der Tradition der vor 200 Jahren in Berlin begründeten Wissenschaft des Judentums. Mit ihren zehn Professuren, ebensovielen Assistentenstellen und etwa 130 überwiegend nicht-jüdischen, auch muslimischen, Studenten widmet sie sich der Vermittlung jüdischer Kulturgeschichte, Literatur, Kunst, Philosophie, Sprachen, Religion, Bibel, Talmud und anderen. Ihre Absolventen finden nicht nur in den Gemeinden oder als Religionslehrer, sondern auch auf vielen anderen Feldern der akademischen und außer-akademischen Welt lohnende Funktionen.

Getragen von stillem Interesse

Für alle Redner war die Veranstaltung auch Anlass, ihre Sorge über die zuletzt wieder starke Zunahme antisemitischer Aktivitäten auszudrücken. Vorbehalte gegenüber Juden, nur weil sie Juden sind, gibt es inzwischen nicht mehr nur an den radikalen Rändern, sondern auch wieder in der Mitte der Gesellschaft, wie der Bundespräsident feststellte. Wer zu extremistischen Positionen oder gar Aktionen neigt, darf sich getragen fühlen von dem zumindest stillen Interesse, aber oft auch von der gar nicht einmal nur klammheimlichen Sympathie auch aus sogenannten besseren Kreisen, die sich in ihren Klubs, Vereinen oder Abendgesellschaften versammeln und in denen Antisemitismus gleich auch noch mit Ausländerfeindlichkeit vermischt abgehandelt werden.

Das sind keine Kavaliersdelikte. Hier sind unverantwortliche, zerstörerische Kräfte am Werk. Feinde unseres liberalen Rechtsstaats, der die Achtung der Würde des Menschen garantiert. Die Würde aller Menschen. Wir müssen diesem Gedankengut entgegentreten, wo und wie auch immer es sich zeigt. (Manfred K. Nagler, Mannheim)

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/2IucDAQ