Leserbrief

Zu sorgloser Umgang Europas mit China und Huawei

Zum Kommentar „In Geiselhaft“ vom 31. Mai:

Aus dem Kommentar „In Geiselhaft“, bezüglich der Auswirkungen der US-Sanktionen gegen Huawei, die auch uns in Deutschland betreffen, spricht meiner Meinung nach eine erschreckende Naivität und Sorglosigkeit gegenüber dem Überwachungsstaat China.

Die Volksrepublik China unter der eisernen Herrschaft der KP ist gerade dabei, Orwells „1984“ in die Realität umzusetzen: Überwachungskameras mit Gesichtserkennung überall, Kontrolle der Bürger auf Schritt und Tritt, Verhaftung schon bei kleinsten Anzeichen „nonkonformen“ Verhaltens, Einrichtung eines „Sozialkreditkontos“ für jeden einzelnen Bürger, um ihn zum perfekten kommunistischen Untertanen zu dressieren, Umerziehungslager für Muslime, die dem Pauschalverdacht ausgesetzt werden, Terroristen zu sein, Kontrolle des Internets und Leugnung von geschichtlichen Tatsachen wie dem Massaker auf dem Tiananmen-Platz vor genau 30 Jahren ... – die Liste ließe sich noch ewig fortsetzen.

Und ausgerechnet eine Firma aus dieser Volksrepublik soll in Deutschland Netzwerke ausrüsten und Handys verkaufen? Sind wir wirklich so naiv zu glauben, Huawei stehe nicht unter dem Einfluss der chinesischen Regierung? Selbst wenn die Leiter von Huawei dies beteuern – in einer Diktatur wie China gibt es keine Firma, die sich der Kontrolle durch die Regierung entziehen kann.

Wollen wir der chinesischen KP Einfluss auf unsere Kommunikationsinfrastruktur geben? Will eine Weltfirma wie die SAP sensibles Daten-Know-how ausgerechnet in ein Land geben, in dem diese Daten zu einem ganz wesentlichen Teil zur Überwachung der eigenen Bevölkerung eingesetzt werden?

Man kann dem unsäglichen Donald Trump zu Recht sehr vieles vorwerfen, aber in diesem einen Punkt, nämlich den Sicherheitsbedenken gegenüber der Kommunikationstechnik aus China, hat er meiner Meinung nach ausnahmsweise einmal Recht. Europa sollte das zum Anlass nehmen, seinen bisher allzu sorglosen Umgang mit chinesischen Firmen kritisch zu überprüfen. (Anja Rigi-Lupert, Mannheim)

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2WkqNrY

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