Leserbrief

Zu viele Jahre im Elfenbeinturm

Zum Artikel „Die Gesellschaft ist rauer geworden“ vom 16. Juni:

Im Interview Ihrer Zeitung am 16. Juni mit Margarete Jäger, Leiterin des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung, äußert die Wissenschaftlerin die Ansicht, dass die gegenwärtige emotionale Asyldebatte lediglich eine Stellvertreterdebatte sei, mit der die eigentlichen Probleme, nämlich die von der Agenda 2010 hervorgebrachten Probleme wie die zunehmende Schere zwischen reich und arm und die prekären Arbeitsverhältnisse, überdeckt würden.

Beim Lesen dieser Zeilen traut man seinen Augen nicht – die Wissenschaftlerin scheint die letzten Jahre in einem akademischen Elfenbeinturm verbracht zu haben. Tatsache ist doch, dass nach Merkels auf weltweiter Bühne selbstgefällig zelebrierter Grenzöffnung die verantwortlichen Politiker von dem jede vernünftige Vorstellung sprengenden großen Ansturm der Millionen Flüchtlinge regelrecht überrannt worden sind und – angesichts der von dem Gros der Medien inszenierten Willkommenseuphorie – anfangs lieber die Köpfe in den Sand steckten, als sich als Spielverderber im Sommermärchen zu positionieren.

So hielt es der Bundestag bis heute nicht für erforderlich, über diese Grenzöffnung zu debattieren – über eine politische Entscheidung der Kanzlerin, die uns jährlich etwa 40 Milliarden Euro an Steuergelder kostet. Die Kanzlerin hielt es danach nicht für nötig, sich frühzeitig die Genehmigung für diese Kostenlawine geben zu lassen und stellte den Bundestag vor vollendete Tatsachen, und dieser ließ sich das gefallen und verzichtete auf die Wahrnehmung seines vornehmsten Rechts, nämlich die Haushaltskontrolle.

Die von Margarete Jäger missbilligten falschen Debatten fanden unter den Politikern zunächst also gar nicht statt. Es waren schließlich die langsam anschwellende Missstimmung und Ängste in der Bevölkerung, genährt durch die massenhafte Zunahme der Straßen- und Gewaltkriminalität und die hohen Kosten der massiven Einwanderung sowie die Sorge vor einer ungewissen Zukunft unserer Gesellschaft, insbesondere aber die Wahlerfolge der AfD, die schließlich die Verantwortlichern auf Trab brachten.

Dann wurde endlich debattiert – die Demokratie funktioniert! Heute ist es bei den Politikern angekommen, dass nicht reich und arm, prekäre Arbeitsverhältnisse, Pflegenotstand oder Wohnungsknappheit große Teile der Bevölkerung umtreiben, sondern eben die anhaltende Migration.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2yhmqY4