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Den Fliegern auf der Spur

Archivartikel

Wie hoch fliegt das Flugzeug? Wohin ist es unterwegs und wie lange wird es dauern, bis es landet? Das kann im Internet nachverfolgt werden. Auch die Strecken von Zügen und Schiffen sind abrufbar.

Papa, wo fliegt der Flieger da oben hin? Seit einigen Jahren müssen Eltern bei solchen Fragen ihrer Kinder nicht mehr passen. Sie können darauf sogar fast so präzise antworten wie ein Fluglotse. Möglich machen dies Internetdienste. Sie liefern Positionsdarstellungen in Echtzeit – nicht nur für Flugzeuge, sondern auch für Schiffe und Züge. In vielen Ballungsräumen kann man sogar live verfolgen, wo Stadtbus und Straßenbahn gerade entlang fahren.

Mithilfe dieser Dienstleister kann jeder Infos über die Maschinen einholen, die gerade oben am Himmel ihre Bahnen ziehen. Vielleicht sind Familienangehörige oder Freunde, gerade in der Luft sind und man will wissen, wie lange sie noch fliegen. Und wer Verwandte vom Flughafen abholen muss, kann schon während des Flugs erfahren, ob sie Verspätung haben oder nicht.

Die Verfolgung von Flugzeugen wird immer beliebter. So wird beispielsweise das Internet-Angebot von Flightradar24 an einem durchschnittlichen Tag von zwei Millionen Besuchern angesteuert. Bei Unglücken verdoppelt sich die Resonanz noch einmal. Damit schafft es die Webseite unter die 1000 meistgeklickten Seiten der Welt.

Es wundert daher nicht, dass der Online-Dienst unumstrittener Marktführer ist, wenn es um das Nachverfolgen von Flugzeugdaten geht. Denn Flightradar24 ist nicht nur etwas für Amateure, sondern wird auch professionell eingesetzt. Denn die Daten des schwedischen Unternehmens sind so zuverlässig, dass auch Airlines den Dienst nutzen, um ihre Flugzeuge im Blick zu behalten. Die Schweden bieten dafür die entsprechenden Tools: mit Statistiken, Filtern, der Suche und den diversen Informationen zu Fluggesellschaften, Flugzeugen und Flugplätzen.

Permanente Ortung möglich

Doch wie kommt diese Firma an Daten, die sonst nur der Flugsicherung zur Verfügung stehen? Wichtigste Quelle dafür ist der Automatic Dependent Surveillance-Broadcast (ADS-B). Diese Technik berechnet die aktuelle Position unabhängig von den Radarantennen am Boden im Flugzeug selbst, stattdessen anhand des GPS-Satellitensignals. Dadurch kann es auch bei der Überquerung einsamer Regionen, in denen es kaum Radarüberwachung gibt, permanent geortet werden.

ADS-B ist eine noch recht neue Technologie, die von vielen, aber nicht allen kommerziellen Flugzeugen verwendet wird. Das im Sekundentakt gesendete Datenpaket der Flugzeuge enthält neben der Position und Höhe auch Flugnummer, Flugzeugtyp, Geschwindigkeit und geplante Flugrichtung. Und: Das eigentlich für Piloten und Flugsicherung gedachte Signal auf der Frequenz 1090 Megahertz ist ungerichtet, so dass es von jedermann und völlig legal empfangen werden kann.

Mikael Robertson, der Mitbegründer von Flightradar24, installierte 2007 seinen ersten Empfänger auf dem Dach seines Hauses im Süden von Stockholm. Ein Freund einen weiteren im Norden der schwedischen Hauptstadt. Nach kurzer Zeit kamen weitere dazu, verteilt quer durch das Land. Schnell wuchs das Netz über die Grenzen hinaus nach Norwegen und Polen. Eine Software packte die Daten in eine Karte, deren Screenshots minütlich neu hochgeladen wurde – die Geburtsstunde von Flightradar24.

Heute erstreckt sich das Netzwerk mit mehr als 10 000 Empfängern von Argentinien bis Zimbabwe. Jede Woche kommen 40 bis 50 Stück hinzu. Die Hälfte sind Privatanschaffungen, der Rest kommt direkt von Flightradar24. Ein Empfänger kostet gut 600 Euro, aber freiwillige Unterstützer bekommen sie umsonst geschickt und erhalten im Gegenzug zum Daten-Upload freien Zugriff auf sonst kostenpflichtige Angebote der Seite.

Denn: Gespeichert werden zwar alle Flugverbindungen der vergangenen 30 Tage, einsehbar sind diese jedoch nur für Premium-Abonnenten. Nutzer der kostenlosen Variante können immerhin die Flüge der letzten sieben Tage abrufen – und das in verschiedenen Ansichten. So kann man etwa nur die vergangenen Flüge bestimmter Airlines nachverfolgen, oder sich den „historischen“ Flugverkehr um einen einzelnen Flughafen herum anzeigen lassen.

Die Live-Flugverfolgung ist kostenlos. Jeder einzelne Flug ist bei Flightradar24 auf einer Google- Maps-Karte verzeichnet, die alle paar Sekunden aktualisiert wird. Durch einen Klick auf eines der Flugzeug-Symbole blendet der Webdienst umfangreiche Informationen zum angewählten Flug ein – darunter etwa Start- und Ziel-Flughafen, Kurs, Flugzeugtyp, Flugnummer, Abflugszeit, geschätzte Flugdauer und Ankunftszeit, Flughöhe, Fluggeschwindigkeit sowie Längen- und Breitengrad. Auch diese Infos aktualisieren sich alle paar Sekunden so wie auch Transpondercode und Infos zum verwendeten Radar. Hat man das Browser-Plug-In von Google-Earth installiert, kann man sogar einen 3D-Blick aus dem virtuellen Cockpit der Flugzeuge werfen.

Es gibt viele Seiten im Netz, die nach demselben Prinzip funktionieren, aber Flightradar24 hat seine größten Konkurrenten Flightaware und Flightstats in Bezug auf Nutzer und Kunden überflügelt. Flightstats war der erste ähnlich funktionierende Dienst im Internet mit Schwerpunkt Amerika. Dort arbeitet Flightradar24 gerade daran, den einzigen Nachteil gegenüber den anderen zu beseitigen: Alle Flüge waren nur fünf Minuten verzögert zu sehen, denn die Daten kamen von der örtlichen Zivilluftfahrtbehörde (FAA). Jetzt baut die FAA selbst ein Empfänger-Netzwerk auf, und die Schweden unterstützen die Behörde mit ihrer Expertise. Flightradar24 lässt sich im Browser als Webseite aufrufen und nutzen. Für Mobilgeräte wie iPhone und iPad mit iOS sowie Smartphones und Tablets mit Android als Betriebssystem gibt es ergänzend Apps zum Herunterladen. Wer sich die kostenpflichtige App installiert, braucht das Handy nur in Richtung des Flugzeugs zu halten, und auf der Kamera zeigt es die gewünschten Informationen an.