Lifestyle

Die Angst, zu vergessen

Auf Zetteln sind die Namen von Filmgrößen wie Jean Gabin oder Billy Wilder zu finden – und die von Familienangehörigen. Karin Schulte hat alles gesammelt, was ihr demenzkranker Vater über mehrere Jahre hinweg aus Angst vor dem Vergessen handschriftlich festgehalten hat. Die Vitrine mit hunderten bunten Zetteln gehört zu den eindrucksvollsten Objekten einer Ausstellung in Frankfurt, die sich noch bis 14. Juli einem Thema widmet, das jeder Mensch kennt: dem Vergessen. Die Schau beschäftigt sich mit dem individuellen Prozess ebenso wie mit dem Gedächtnis von Gemeinschaften, die sich nach traumatischen Erfahrungen mit der Erinnerung schwer tun oder diese verweigern. Zu sehen ist aber auch der berühmte Spickzettel von Nationaltorwart Jens Lehmann aus dem Jahr 2006: Beim Elfmeterschießen im WM-Viertelfinale gegen Argentinien waren darauf die Torecken-Vorlieben der gegnerischen Schützen festgehalten. Für die Macher der Ausstellung sind Vergessen und Erinnern keine Gegensätze. Vergessen wird als notwendiger Filter des Gedächtnisses betrachtet. Am Rande geht es auch um Online-Konzerne wie Facebook oder Google, die alles für immer und ewig festhalten wollen – eine ganz neue Form von Erinnerungskultur. Mehr unter www.historisches-museum-frankfurt.de dpa/Bild: dpa