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Ich bin einsam.

Archivartikel

Einsamkeit ist eines der bestimmenden Themen bei der Telefonseelsorge – auch bei jungen Menschen. „Die sozialen Medien suggerieren zwar eine hohe Vernetzung, aber emotionale Stabilität, die bieten sie oft nicht“, erklärt die Leiterin der evangelischen Telefonseelsorge Stuttgart, Martina Rudolph-Zeller. „Ich zeig’ meine Schokoladenseite, ich berichte von meinen Erfolgen und wie toll das alles ist, aber wo geht man denn hin mit seiner Not?“Der Druck zur Selbstoptimierung steige – Platz für Ängste gebe es nicht. Zum Beispiel der Umzug in eine fremde Stadt: Für junge Menschen ist das zu Beginn von Studium oder Ausbildung eine Herausforderung, die nicht mühelos gelinge. Oft können sie über solche Krisen mit niemandem sprechen. Bern Müller, stellvertretender Leiter der katholischen Stelle Ruf und Rat, bestätigt das. Jeder fünfte von rund 37 000 Männern und Frauen habe 2018 angegeben: „Ich bin einsam“, wie aus den Jahresberichten der beiden Stuttgarter Stellen hervorgeht. Einsamkeit sei aber für viel mehr Anrufe der Grund: Auch hinter Heimweh, Liebeskummer oder Depression stecke oft das Gefühl, allein auf der Welt zu sein. Müller bezweifelt, dass der Austausch über soziale Medien mit echten Treffen vergleichbar ist: „Wie viele Likes brauche ich, um eine Umarmung zu ersetzen?“ dpa (Bild: iStock)