Lifestyle

Mein Auto und ich

Besucher können sich von heute an bis 24. September auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt Luxusmodelle anschauen. Redaktionsmitglieder dieser Zeitung erinnern sich ihrer fahrbaren Untersetzer - und daran, was sie bedeuten.

Geschenkte Liebe

"Wer will einen Käfer geschenkt?" Auf die Frage, die vor Jahren in das Stimmengewirr der Max-Bar am Heidelberger Marktplatz geworfen wird, schießt mein Finger in die Höhe. Ohne Nachzudenken. Ein eigenes Auto - noch dazu ein seit Kindertagen heiß geliebter VW Käfer -, ein "Nein" ist hier keine Option. Zumal ich die Anbieterin, sie ist Altstadt-Kneipenbesitzerin, kenne. Kurze Zeit später stehe ich mit den Papieren in der Hand vor dem 80er-Jahre-Käfer in einer undefinierbaren Farbe irgendwo zwischen Beige und Gelb. Was folgt, ist eine Hassliebe: Morgens überwiegt der Groll, wenn der Motor keine Lust hat und die Heizung im Winter erst in die Gänge kommt, wenn ich steifgefrorene Finger habe. Sobald aber das Blubbern des Motors ertönt, ist alles vergessen. Dann ist es Liebe pur zwischen uns. Nach zwei Jahren trennt uns die anstehende TÜV-Untersuchung. Die anfallenden Reparaturen hätten das finanzielle Limit überschritten. Noch heute denke ich oft an die große Liebe - den blubbernden "Herbie". Heike Rentsch

Kasten zum Kuscheln

"Sahara-Beige": So umschrieb der VW-Konzern damals, Mitte der 70er Jahre, die Farbe des 1600 TL Variant, den ich von meinem Vater übernommen hatte. Das ist der Ton, den Rentner angeblich bei der Schuhwahl bevorzugen. "Pflegeleicht", nannte man das in der Familie, wohlwissend, dass er bei mir nur höchst selten gewaschen wurde. Ein Kombi, Doppelvergaser. Wenn ich mit 140 Sachen über die A5 Richtung Süden raste, liefen da schon mal 13, 14 Liter durch. Ansonsten war der Kasten unverwüstlich, er sprang selbst in der größten Kälte an, kaum, dass er nach mehr verlangte als nach Sprit und Getriebeöl. Man konnte, wenn man die Rückbank und alle Sitze umlegte, zu zweit - eng aneinandergekuschelt - drin übernachten. Irgendwann trat ich den TL an einen Cousin ab, der ein Haus baute und dankbar war für die große Ladefläche. Sein Nachfolger, ein quietschgelber Golf I, kam nicht an seine Robustheit und sein zuverlässiges Wesen heran, sondern rostete schneller als er fuhr. Und mit Kuscheln war da drin schon gar nix! Roger Scholl

Ankommen statt Status

Autos sind praktisch, keine Frage. Bei Regen, Umzügen oder Wochenendtrips würde ich meinen kleinen Renault vermissen. Doch während andere am Samstag mit einer Zahnbürste die Felgen putzen, fahre ich lieber mit meinem in die Jahre gekommenen Auto an den See. Auch wenn er dabei staubig wird und danach die Sitze von der Sonnenmilch-Haut etwas kleben. Wie mein Auto aussieht, welcher Hersteller es produziert hat oder aus welchem Material die Sitze sind, das ist mir herzlich egal: Nur aufs Ankommen kommt's an. Schick muss es nicht sein, Hauptsache die Freunde passen rein und der Verbrauch ist nicht so hoch. Man könnte sogar sagen: je oller, desto doller. Denn dann ist auch die erste Schramme nicht ganz so ärgerlich. Und in der Stadt kommt man auch ohne Auto überall an. Deshalb spare ich ganz bestimmt nicht für den ersten eigenen Mercedes, um dafür auf Reisen, Konzerte oder andere Ausflüge zu verzichten. Mein Auto ist kein Statussymbol, sondern einfach ein praktischer Gebrauchsgegenstand. Julia Wadle

Poser und Rindvieh

Es war ein schöner, sonniger Spätsommertag. Mein Cousin hatte voller Stolz seinen neuen Gebrauchten gewaschen und poliert: einen knallroten VW Polo I Facelift. In seinem Heimatdorf, idyllisch-ländliche Gegend, gehörte er damit zu den angesagten Youngsters. Und wie sich das so gehört, geht's mit der glänzenden Karre auf Tour - heute würde man wohl sagen: auf Poserrunde. Der knallrote glänzende Polo zog natürlich die Blicke auf sich - nicht nur die der Menschen. Als mein Cousin just auf einen landwirtschaftlich genutzten Weg einbog, um dort wieder zu seinem Haus zu gelangen, querte eine Kuhherde die Straße. Er wartete, um die Tiere vorbeiziehen zu lassen. Doch das rote Auto gefiel einem Rindvieh derart gut, das es auf das Fahrzeug zusteuerte, sich umdrehte und mitten auf die Kühlerhaube setzte. Mein Cousin war derart perplex, dass er erst mit Verzögerung hupte und so das Tier wieder aufscheuchte. Die Delle in der schön polierten Kühlerhaube erinnerte ihn aber noch eine ganze Zeit an diese Begebenheit, die sich rasend schnell im Dorf verbreitete. Katja Bauroth

Nichts für den Schrottplatz

Vor über drei Jahren wäre es zwischen meinem heiß geliebten Vierer-Golf und mir fast Aus gewesen. Bei einem Unfall knallte uns ein anderes Auto in die Seite. Nichts Wildes, aber mein 75-PS-Ungetüm mit der brachialen 1,4 Liter-Maschine ist seither geprägt - eher: deformiert. Die Fahrertür ziert eine riesige Delle. "Schrottplatz", so meine Befürchtung. Er fuhr aber noch, und bei der Tüv-Abnahme im Mai 2015 würde sowieso Schluss sein - dachte ich. Nichts da: Mein Golf durfte weiter fahren. Auf Freude folgte Größenwahn: Alpenpässe, Nord-und Ostsee, insgesamt 40 000 Kilometer in zwei Jahren. Wer so treu ist, hat es verdient, die Welt zu sehen. Seit einem Jahr gehören neben optischen Highlights auch technische Effekte, wie eine launische Wegfahrsperre, dazu. Wöchentlich bringt er mich zur Weißglut. Dennoch meisterte er im Mai 2017 erneut die Tüv-Prüfung. Und er fährt noch immer wie eine Eins Minus. Trotz aller optischen und elektrischen Mängel, den Schrottplatz hat mein treuer Begleiter nicht verdient. Tobias Törkott

Der Bulli, der schweigt

Das erste Auto vergisst man nie. Bei mir war es ein VW Bulli T3. Diesel. Viergang-Getriebe. Bergab mit Rückenwind schaffte man ein wenig mehr als 100 Stundenkilometer. Egal. Auf der Habenseite standen eine ordentliche Musikanlage, reichlich Platz - und ein magisches Forst-Schild. Das hatte mein Vater an der Windschutzscheibe hinterlassen, als er einen Dienstwagen bekam. Es war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, Land- und Forststraßen wurden unser Zuhause. Im Winter drifteten wir mit dem Heckantrieb vogelwild durch die Kurven, im Sommer zogen wir begeistert lange Staubwolken hinter uns her. Wir brachten unserer Umgebung Bands wie die Red Hot Chili Peppers oder Pearl Jam näher. Dank der ausgebauten Rückbank wurden mein Schlagzeug und ich mobil. Kaputte Zylinderkopfdichtungen ließen uns getrennte Wege gehen. Noch heute bin ich dem VW-Bus dankbar: Er schwieg beharrlich über alles, was wir erlebten. Hoffentlich tuckert er durch den T3-Himmel - ohne Ölverlust. Daniel Kraft

Kratzer im Lack

Was sollte einem noch heiliger sein als das eigene Auto? Richtig - das Auto des Vaters. Mir war das bewusst, als ich mir das väterliche Auto - einen sportlichen Alfa Romeo - auslieh, um zu einem Termin nach Schwetzingen zu fahren. Weil ich so in Eile war, versuchte ich mich im Parkhaus in eine enge Lücke direkt im Erdgeschoss zu quetschen. Hinter mir drängelten die anderen Fahrer, und es kam, wie es kommen musste: Mit einem hässlich knirschenden Geräusch berührte ich den Pfeiler. Weiße Streifen im schwarzen Lack. Ich machte mich auf die Beichte und ein Donnerwetter gefasst - und zitterte innerlich. Mein Vater runzelte verärgert die Stirn. Doch als er hörte, was genau passiert war und in welchem Parkhaus, da musste er schlucken: "Da kann ich dir jetzt keinen Vorwurf machen. Genau dasselbe ist mir in eben diesem Parkhaus auch schon passiert!" Das gefürchtete Donnerwetter blieb also aus. Trotzdem bin ich bis dato nicht mehr in das besagte Parkhaus gefahren. Saskia Grössl

KI mit eigener Sprache

Autos werden ja immer intelligenter. Mein kleiner silberner Golf, 16 Jahre alt, 260 000 Kilometer Erfahrung, auch. Festgestellt habe ich das im vergangenen Sommer, als ich mich über die immer größer werdenden Pfützen wunderte, die er, mal eben kurz geparkt, auf dem Boden hinterließ. Mir war da noch nicht klar, dass er mit mir kommuniziert - natürlich nicht mittels solcher Fähigkeiten, wie sie das Super-Automobil K.I.T.T. besaß. Aber auf seine eigene pflichtbewusste und rechtschaffene Art hatte der Golf ein Warnsystem eingeschaltet, das ich nicht kapierte. Was ich sah, hielt ich einfach für ein Leck. Der Weg führte uns also in die Werkstatt. Doch dort stellte man weder einen größeren Ölverlust fest noch fand man eine Dichtung, die ihrem Namen nicht mehr verdient hatte. Stattdessen fiel eine abgelaufene Tüv-Plakette auf. Die Prüfung bestand der Golf dann ohne Mängel. Er fährt heute noch. Aber getropft hat er seitdem nicht mehr. Eileen Blädel

Die inneren Werte sind es, die zählen

Er sieht knuffig aus, guckt mich mit großen Augen an und ich freue mich jeden Tag, ihn zu sehen: Ja, ich liebe meinen Smart Cabrio. Das muss ich zugeben. Dieses leidenschaftliche Gefühl hat er auch verdient. Die Liebe entsprang einer langgehegten Sehnsucht, der Sehnsucht nach Freiheit. Zuvor führte ich etliche Jahre eine Zweckehe mit Regionalzügen. Ich akzeptierte sie, ich brauchte sie, doch so richtig mochten wir uns nicht. Deshalb trennte ich mich. Den perfekten Partner fand ich im Internet. Zwar kam der kleine Flitzer gerade aus einer dreijährigen Partnerschaft und hatte noch kleinere Wunden, doch es war Liebe auf den ersten Blick. Aufgefallen war er mir durch seine Offenheit. Als wir dann zusammenkamen, merkte ich, dass er nicht nur das Faltdach, sondern auch gute innere Werte hat. Seit 21 Monaten und fast 40 000 Kilometern führen wir nun eine harmonische Beziehung. Ich bin tolerant, akzeptiere ihn so, wie er ist - auch dreckig. Dafür schenkt er mir jeden Tag Freiraum. Zugegeben, die Unabhängigkeit ist es, die ich wirklich liebe. Doch wer möchte dieses wunderbar freie Gefühl schon mit einem x-Beliebigen teilen? Deshalb: Augen auf bei der Autowahl. Es muss Liebe sein. Anne-Kathrin Doerr

Einparkhilfe

Niemals könnte ich so gut einparken, wenn mich nicht mein erster eigener Wagen - namens Orlando - damals zur absoluten Genauigkeit getrimmt hätte. So ganz ohne Servolenkung kostete jede Korrektur in einer Parklücke gefühlt so viel Kraft, wie 100 Kilo Bankdrücken im Fitnessstudio. Mit 18 Jahren hatte ich den Ford Fiesta Classic für 450 Euro vor der Schrottpresse gerettet, wahrscheinlich hatte ich ihm deshalb auch einen Namen verpasst - oder vielleicht auch, weil wir fast gleich alt waren (Baujahr: 1995). Dementsprechend mussten die Fenster von Hand gekurbelt werden, die Maximalgeschwindigkeit betrug 130 Kilometer pro Stunde und auf dem blauen Gehäuse machten sich schon vereinzelt Roststellen breit. Kurz vor der TÜV-Untersuchung musste ich mich von ihm trennen. Die vielen Tests hätte er auf keinen Fall bestanden, aber in puncto Zuverlässigkeit würde er vermutlich heute noch fahren. Janina Hardung