Lindenhof

Lindenhof Bahn AG stellt Pläne für Erneuerung der Eisenbahnüberführung in der Tunnelstraße vor / Arbeiten bei laufendem Zugverkehr

Der Bau – „Operation am offenen Herzen“

Die Bürger werden Umleitungen und Baulärm in Kauf nehmen müssen. Und auch ganz ohne Eingriff in die Umwelt wird sie nicht vonstatten gehen, die geplante Erneuerung der Eisenbahnüberführung in der Tunnelstraße. Schließlich soll nach Plänen der Bahn AG in den Jahren 2022 bis 2024 ein Komplettabriss samt Neubau der Überführungen von Gleis 9 bis zum Empfangsgebäude am Willy-Brandt-Platz erfolgen. Der untere Teil des sogenannten Suezkanals ist mehr als 100 Jahre alt und dringend sanierungsbedürftig, wie die Ingenieure Menes Khalil-Meister und Daniel Pieper von der DB Netz AG versichern. Bei der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirates Lindenhof stellten sie die Pläne für die Maßnahme vor, die bei laufendem Zugverkehr erfolgen werden.

„Das heißt, das ist wie eine Operation am offenen Herzen“, betont Pieper. Damit das alte und bereits mehrfach veränderte Bauwerk aus dem Jahre 1917 abgerissen werden kann, werden darüber zunächst Hilfsbrücken und Bahnsteigelemente als Provisorium errichtet. Darunter erfolgt dann die eigentliche Baumaßnahme. Ist sie abgeschlossen, können die Hilfskonstruktionen wieder abgebaut werden.

Dass es während der Arbeiten zu Lärmbelästigungen kommen wird, daraus macht Pieper keinen Hehl. Ob es so laut werden könnte, dass Anwohner in Ausweichquartiere umgesiedelt werden müssten, werde sich noch zeigen. Deshalb soll auch ein Baulärm- und Erschütterungsgutachten erstellt werden.

Lärm- und Naturschutz

Und wie sieht es mit Baulärm an Wochenenden sowie Nachtarbeit aus? Es werde ohnehin sogenannte „Sperrpausen“ geben. Das heißt, wegen des häufigen und dichten Bahnverkehrs muss bei bestimmten Arbeiten der Zugverkehr sowohl tagsüber als auch nachts teilweise gesperrt oder umgeleitet werden. Dennoch, so Pieper, gebe es Arbeiten, die nachts, wenn weniger Verkehr sei, durchgeführt werden könnten. Natürlich sei die Bahn bemüht, möglichst wenig Lärmbelästigung zu produzieren: „Deshalb werden Arbeiten außerhalb der Gleisanlage auch generell tagsüber gemacht.“

Es seien zu diesem Themenkomplex, so Pieper, Infoveranstaltungen geplant. Zudem würden die Betroffenen angeschrieben und über die Ergebnisse der Gutachten in Kenntnis gesetzt. Diskutiert wurde in dem Stadtteil-Gremium die – vor allem in den Jahren 2022, 2023 und 2024 anstehenden – Sperrungen der Tunnelstraße. Für Autofahrer, so die Vertreter der Bahn AG vor den Bezirksbeiräten, werde der Suezkanal vom Januar 2022 an gesperrt. Von November 2022 bis Oktober 2023 werden auch Fußgänger und Radfahrer Umleitungen benutzen müssen. Mit der Baugenehmigung rechnen die Projektingenieure der Bahn AG bereits im Herbst 2020. Etwa ein Jahr später – angepeilt ist Oktober 2021 – sollen die Vorarbeiten wie die Gestaltung von Ausgleichsflächen, Kabel- und Signalarbeiten starten.

Umgesiedelt werden müsse, so Pieper, die geschützte Mauereidechse. Für sie werde die Bahn Ausgleichsflächen vorbereiten sowie die sogenannte Vergrämung der Tiere starten. Das zur Klasse der Kriechtiere zählende Tier wurde 2011 von der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde zum Reptil des Jahres 2011 ausgerufen. „Es ist streng geschützt“, wie Mannheims Naturkundebeauftragter Gerhard Rietschel versichert: „Und kommt seit einigen Jahren nicht nur im Bereich der Eisenbahnbrücke in Neuostheim, sondern fast überall vor, wo Gleisanlagen sind.“ Das liege an den idealen Lebensbedingungen, die sich für eine „Podarcis muralis“ im Schotterbett zwischen den Gleisen auftue: „Die Steine erwärmen sich bei Sonnenschein schnell und bieten jede Menge unterschlupfmöglichkeiten.“