Lindenhof

Lindenhof Bezirksbeiräte über geplante Velo-Trasse vor Diesterwegschule uneinig / Antrag bei gleicher Stimmenzahl abgelehnt

„Diese Regelung bringt Radfahrer und Pkw in Gefahr“

Archivartikel

Die einen fänden es „genial“ wenn sie käme, die anderen halten sie für unnötig – und einige sogar für gefährlich: Die geplante Fahrradstraße im Bereich der Diesterwegschule hat bei der öffentlichen Sitzung des Bezirksbeirates Lindenhof unter Vorsitz von Grünen-Stadträtin Elke Zimmer die Gemüter von Bezirksbeiräten und Bürgern erhitzt. Der Antrag wurde schließlich bei ausgeglichenem Stimmergebnis abgelehnt. Die fünf Vertreter von CDU, FDP und ML sprachen sich in der Lanz-Kapelle gegen das Projekt aus, die fünf Vertreter von SPD, Grünen und der Linken dafür.

Die Kriterien für die Einrichtung einer Fahrradstraße in einem Teilbereich der Meerfeldstraße treffen laut Johanno Sauerwein vom Fachbereich Stadtplanung zu. Der Bereich muss überwiegend von Radfahrern genutzt werden und eine Zählung an einem Schultag zwischen 7 und 9 Uhr ergab 372 Fahrradfahrer und lediglich 152 Autos.

Die Verwaltung schlägt nun vor, zwischen Windeck- und Emil-Heckel-Straße in Fahrtrichtung Süden eine Velo-Trasse einzurichten sowie den bislang rötlich gepflasterten Radweg auf dem Bürgersteig zum Fußgängerbereich umzuwidmen. Fahrradstraße würde dann auch in Richtung Norden der Bereich Landteilstraße bis zur Windeckstraße werden, die Strecke Emil-Heckel- bis zur Landteilstraße bliebe – so wie bislang geregelt – verkehrsberuhigt.

Gewinn an Sicherheit

Der Autoverkehr samt Parken und Ansteuern von Geschäften ist, so der Vorschlag der Stadt, weiterhin erlaubt. Allerdings dürfen Radfahrer dann nebeneinander auf der Fahrbahn in die Pedale treten. Und haben bei Tempo 30 Vorrang vor Pkw.

Mit einem Kostenaufwand von einem „kleinen vierstelligen Betrag“ könne, so Sauerwein, die Beschilderung und Markierung für eine Fahrradstraße vor der Diesterwegschule bis 2019 umgesetzt werden: „Das wäre ein Gewinn an Sicherheit und Aufenthaltsqualität“, so Sauerwein, denn die Fußgänger könnten dann den Gehweg komplett nutzen.

„Es wäre genial, wenn die Fahrradstraße kommt“, findet der Lindenhöfer Ulrich Holl. Er erhofft sich von der Maßnahme mehr Sicherheit für die Schulkinder und eine größere Attraktivität für den Einzelhandel, etwa durch die Möglichkeit von Außenbestuhlungen.

„Ich binmindestens so oft mit dem Rad, wie mit dem Auto unterwegs und vermeide den Pkw so oft ich kann, aber die Meerfeldstraße kann durch die vielen Querstraßen nie reine Fahrradstraße werden und bleibt so mit ein Stückwerk“, betont Ingeborg Dörr (CDU). Und das sei „unfallträchtig“, denn Fahrradfahrer, vor allem eben auch Kinder, würden sich in trügerischer Sicherheit wiegen: „Und fahren beispielsweise von der Meerfeld- in die Windeckstraße rein, ohne richtig zu gucken.“

Marcus Butz, Sprecher der SPD-Fraktion im Bezirksbeirat, zeigte sich im Anschluss an die Sitzung enttäuscht von der Ablehnung des Antrags: „Ich kann nicht verstehen, dass eine Änderung der Verkehrsführung zu Gunsten der Kinder und der Umwelt abgelehnt wird. Offenbar greifen hier Reflexe aus einer Zeit, in der das Auto als Heiligtum angesehen wurde. Mir fehlen die Worte, wie wenig einige Bezirksbeiräte den Alltag von 350 Kindern der Diesterwegschule wahrnehmen.“

Junger Stadtteil

„Sehr schade“, findet auch Grünen-Stadträtin Elke Zimmer die Ablehnung: „Wo doch der Stadtteil Lindenhof gerade immer jünger wird und gar keine Parkplätze wegfallen würden.“ An die neue Verkehrsregelung auf einer Velo-Trasse, so Zimmer, würden sich die Fahrrad- und die Autofahrer genauso schnell gewöhnen, wie beispielsweise in der Mönchwörthstraße.

Weitere Fahrradstraßen sind seitens der Stadt im Bereich Luisenstraße und Fischerstraße in Neckarau vorgesehen, auf der Rheinauer Casterfeldstraße (Seitenstraße), in der Richard-Wagner-Straße in der Schwetzingerstadt sowie im Bereich zwischen G 3/H 3 und G 7/H 7.