Lindenhof

Neckarau Bundestagsabgeordneter Nikolas Löbel diskutiert mit Bürgern über Rheindammsanierung

„Ein fataler Eingriff in die grüne Lunge Mannheims“

Archivartikel

Wie kann man die Politik und die Behörden dazu bringen, den Rheindamm so zu sanieren, dass nicht Hunderte von Bäumen im Waldpark geopfert werden? Urteilt man nach einer von der Bürger-Interessen-Gemeinschaft (BIG) Lindenhof initiierten Unterschriftenaktion, so bewegt diese Frage mehrere Tausend Mannheimer. 22 000 Signaturen hatte die BIG nach eigenen Angaben dem Oberbürgermeister überreicht. Es ist also eine breite Bewegung. Grund genug für Nikolas Löbel zu einem Bürgergespräch einzuladen.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete verbrachte einen ganzen Tag in Neckarau, informierte sich unter anderem über den Stand der Neuordnung der Schullandschaft im Stadtteil, den geforderten Kompaktbahnhof, die geplante Umgestaltung des Neckarauer Markplatzes und die Situation der Sportvereine. Den Abend verbrachte er schließlich in der Gaststätte Estragon mit interessierten Bürgern bei der Diskussion über den Rheindamm. „Es ist ein engagiertes Handeln der Stadtverwaltung nötig“, forderte Löbel zu Beginn. Doch davon sei wenig zu sehen, monierten die Zuhörer und auch Ulrich Holl. Der BIG-Vorsitzende berichtete erbost über die Pläne des Regierungspräsidiums. Das sehe einen Erddamm vor, mit gravierenden Einschnitten in die Natur des Waldparks: eine 30 bis 40 Meter breite Schneise ohne Bäume. Rund sieben Prozent des Waldparks sollten abgeholzt werden, rechnete Holl vor: „Ein fataler Eingriff in die grüne Lunge Mannheims, aber auch Ludwigshafens.“

Dass der Damm saniert werden muss, davon ist Holl überzeugt, es gehe aber auch anders. Und „dass ein paar Bäume fallen müssen ist uns auch klar, wir können nicht alle halten, aber viele.“ Es gebe schließlich Alternativen, etwa eine Dichtwand. Dabei verweist Holl auf Dammsanierungen an der Stör-Wasserstraße bei Schwerin, den Landwehrkanal bei Berlin oder den Rheindeich bei Neuss.

Schonende Alternativen

Auch dort habe es zunächst geheißen, dass zahlreiche Bäume gefällt werden müssen. Nach Gutachten von Experten hätten die Gemeinden schonende Alternativen durchsetzen können. Das müsse auch in Mannheim möglich sein, sind der BIG-Vorsitzende und seine Mitstreiter überzeugt. Das würde vielleicht etwas mehr kosten als die vom Regierungspräsidium Karlsruhe veranschlagten 16 Millionen Euro. Sicher sei es aber nicht, jedenfalls traut Holl den Berechnungen der Behörde nicht recht.

Wie soll man aber eine Alternative zu der geplanten Sanierung durchsetzen? Den Bundestagsabgeordneten haben die Initiatoren schon mal auf ihrer Seite. „Wir brauchen einen politischen Auftrag vom Souverän“, erklärte Löbl. Man müsse die Landesregierung mit den Varianten konfrontieren. Wichtig sei aber auch politischer Druck aus der Bürgerschaft.

Aus dem Kreis der Zuhörer wurde ein klares Wort der kommunalen Entscheider – wie Oberbürgermeister Peter Kurz oder Umweltbürgermeisterin Felicitas Kubala – vermisst. „Wenn es zur Planfeststellung kommt, dann sollen die Anwohner klagen, wir müssen sie an den Tisch holen“, war ein weiterer Vorschlag aus den Zuhörerreihen. Ulrich Hall informierte darüber, dass am Donnerstag, 4. Juli, um 16 Uhr der Ausschuss für Umwelt und Technik im Raum Swansea im Stadthaus N1 tagt. Dort stellen Sachverständige der BIG ihre Expertisen zum Rheindamm vor. Die Sitzung ist öffentlich.

„Je mehr Bürger als Zuhörer kommen, desto mehr können wir unserem Anliegen Nachdruck verleihen“, wünscht sich Holl. „Irgendwann muss die Stadt Position beziehen“, erklärte schließlich Löbel.