Lindenhof

Lindenhof Bezirksbeiräte stimmt bei öffentlicher Sitzung in der Lanz-Kapelle Bebauungsplan-Entwurf für „Schwarzwaldviertel“ zu

„Gebiets-Charakter soll erhalten bleiben“

Archivartikel

Es ist ein Wohngebiet, das von seiner lockeren Villen- und Bungalowbebauung geprägt ist, von Gebäuden, die zumeist aus den 50er- und frühen 60er-Jahren stammen, sowie großen Grundstücken mit vielen Bäumen, Wiesen und Blumenbeeten. Doch durch nachfolgende Erben oder Käufer werden immer mehr Anwesen im „Schwarzwaldviertel“ umgebaut oder abgerissen und durch Mehrfamilienhäuser ersetzt. „Es besteht daher die Befürchtung“, so Jochen Tölk vom Fachbereich Stadtplanung, „dass dieses Quartier seinen eigentlichen Charakter verliert“.

Ein neuer Bebauungsplan für das knapp 20 Hektar große Areal zwischen Speyerer- und Belchenstraße, sowie Waldpark und Rheinhochwasserdamm war jetzt Thema bei der Sitzung des Bezirksbeirates Lindenhof unter Vorsitz von Grünen–Stadträtin Elke Zimmer. Städtebauliches Ziel des Vorhabens soll zwar laut Tölk sein, die Möglichkeiten für eine „angemessene bauliche Weiterentwicklung“ zu schaffen. Schließlich lebe ein Wohnviertel auch vom Wandel. Zudem müssten die Planer auch bereits bestehende Anwesen berücksichtigen.

Erhöhte Verkehrsbelastung

Dennoch, so Tölk: „Der Gebiets-Charakter soll erhalten bleiben.“ Das heiße konkret, dass Doppelhäuser nur auf großen Grundstücken mit einer Tiefe von 12 bis 30 Metern sowie Reihenhäuser gar nicht erlaubt sind. Zudem dürfen sie nur bis zu zwei Stockwerke hoch und mit maximal zwei Wohnungen ausgestattet sein.

Doch durch „den sich vollziehenden Generationenwechsel“, so Tölk, sei es in der Vergangenheit häufig zum Abriss von Gebäuden und Grundstücksteilungen samt dem Neubau von Doppel- oder Mehrfamilienhäusern mit vier und mehr Wohneinheiten gekommen. Hinzu komme eine erhöhte Verkehrsbelastung und ein vermehrter Parkdrucks in den Straßen durch die Nachverdichtung. Weiterhin klagte der Stadtplaner über den Ausbau von Dachgeschossen mit massiven Aufbauten, über das Parken in Vorgärten sowie über veränderte Proportionen der Fassadenelemente.

Wolf Engelen (FDP) begrüßte, dass nach rund sieben Jahrzehnten, die das „Schwarzwaldviertel“ nun schon bestehe, endlich ein Bebauungsplan erarbeitet werde. Auch CDU-Stadträtin Adelheid Weis bezeichnete dieses Vorhaben als „längst überfällig“. Und Stadtrat Wolfgang Taubert (MfM) sowie Ingeborg Dörr (CDU) wiesen auf die hohe Zahl der rund 60 Bauplätze hin, für die es im Schwarzwaldviertel bislang nur ein Planungsrecht aber keinen Bebauungsplan gibt.

Engelen wollte dennoch wissen, wie die von Tölk genannten Formulierungen „Abwägungstoleranz“ auch in Bezug auf eine „Nachverdichtung“ zu verstehen seien. „Bestandsbauten, die heute schon über das Baufenster hinaus gehen“, so Tölk, „die haben Bestandsschutz.“ Eine Erweiterung von zwei auf beispielsweise drei oder vier Wohneinheiten werde jedoch nicht gestattet.

Marcus Butz (SPD) wies darauf hin, dass die Schaffung von mehr Wohnraum sicherlich begrüßenswert sei. Es aus seiner Sicht jedoch geeignetere Gebiete dafür gebe.

Vorgaben aus dem Jahre 1960

Dennoch befürworteten die Bezirksbeiräte generell den Entwurf des neuen Bebauungsplans und stimmten einstimmig für ihn ab.

Er ist auch Thema im Ausschuss für Umwelt und Technik, morgen, am Donnerstag, 27. September, um 16 Uhr, im Raum Swansea im Stadthaus N 1. Nach seinem Inkrafttreten würde er den „Plan zur Änderung und Feststellung von Baut- und Straßenfluchten „im Grüngewann südlich der Speyerer Straße“ aus dem Jahre 1960, sowie den Bebauungsplan „für das Sport- und Erholungsgebiet südlich der Schauinslandstraße“ von1976 ersetzen.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/lindenhof