Lindenhof

Lindenhof Anwohner feiern auf dem Pfalzplatz Genussmeile

Genießen mit allen Sinnen

Zum Auftakt hatte es zeitweise wie aus Kübeln geschüttet. Dunkle, schwarze Wolken verhießen nichts Gutes. Am zweiten Veranstaltungstag begrüßte dagegen warmes Frühlingswetter die Gäste der Genussmeile auf dem Pfalzplatz auf dem Lindenhof. Dementsprechend verhielten sich auch die Besucher. „Am Samstag war nichts los“, beschrieb es eine Veranstalterin. „Jetzt hoffen wir mal, dass heute mehr Betrieb herrscht“, ergänzte sie.

Sie musste nicht lange warten, bis die Ersten ihren Stand umringten und die schönen Waren bewunderten und auch kauften. Dabei besticht die kleine aber feine Genussmeile weniger durch die Menge als viel mehr durch die Qualität.

Mittagsgebet zum Auftakt

Das begründete Veranstalter Jens Flamann: „Natürlich geht es um das Genießen. Doch ist das Besondere an der Genussmeile, dass die Leute wieder zum Hin-Schmecken eingeladen sind. Die Genussmeile ist also alles andere als ein Sauf- und Fressfest“, erklärt Initiator Flammann: „Es geht darum, wie wir Lebensluxus durch echten Genuss erleben und gestalten können.“

Da passte es ganz gut, dass Pfarrerin Martina Egenlauf-Linner zur Eröffnung der Genussmeile zum Mittagsgebet eingeladen hatte. Schon in der Bibel habe Brot und Salz als Willkommensgeschenk Bedeutung gewonnen. Christen dürften gerade an einem Sonntag, dem Tag an dem die Arbeit ruhe, genießen. Schmecken, Genießen und Innehalten gehöre zu einem solchen Tag dazu, so die Pfarrerin. Sie riet den Besuchern auch einmal zu genießen, was sie nicht kennen würden. Erstmals dabei war beispielsweise ein Käseanbieter, der ausschließlich Käse aus der Schweiz anbot. Die Käsesorten, die da Mutschli, Magoth, Grüzzer oder Emmentaler hießen, wurden reichlich genossen. Da griffen auch die Besucher Vivien und Jonas zu. Ihnen schmeckte vor allem der Mutschli, weil er nicht ganz so hart war, wie die anderen Sorten. Da kauften sie auch sogleich ein Stück.

„Wir sind große Anhänger von Streetfoodfesten. Da wollten wir auch hier unbedingt vorbeischauen. Das ist ein kleines , aber schönes Gelände unter schattigen Bäumen“, stellten die Zwei fest, die erst vor Kurzem in die Quadratestadt gezogen sind.

Aber es gab auch Ausgefalleneres. Da gab es Burag mit Spinat und Käse, pikanten Hummus, vegetarische oder vegane Falafel. Diese arabischen Spezialitäten waren alle nach einem syrischen Rezept hergestellt, wie die Anbieterin von Hayat Catering erläuterte.

Nur wenige Schritte weiter gab es Kaffeespezialitäten, die an diesem Morgen gefragt waren. Ob Espresso, Latte Machiato oder Americano – alles wurde frisch gebrüht und war im Nu fertig. Christian Schmidt erzählte: „Den Wagen haben wir aus einer ehemaligen Würstchenbude umgebaut und bemalt sowie etwas wohnlich gestaltet. Jede Woche stehen wir mittlerweile auf dem Wochenmarkt Lindenhof und bieten unsere Produkte an.“ Kein Wunder also, dass Franziska Schmidt und Lina Krenkler alle Hände voll zu tun hatten, um mit den zahlreichen Bestellungen nachzukommen.

Wer es etwas deftiger mochte, der versammelte sich um das Raclette Mobil von Käse Kücherer aus Heidelberg. Hier gab es die Schweizer Käsespezialität in verschiedensten Variationen – pur, mit Schinken oder mit Bündner Fleisch, erzählte Sabine Clormann in dem Stand. Das Käsefachgeschäft gebe es nun seit über 70 Jahren und werde inzwischen in der vierten Generation betrieben.

Beitrag für die Gemeinschaft

Bioweine und Sekte aus Rheinhessen bot das Weingut Bischmann dem Genießer. Merguez, Bratwurst oder Pulled Pork hielt das Restaurant Walter feil. Wahre Proteinbomben verkaufte die Rohkosteria Lindenhof. Studenten der Volkswirtschaftslehre der Universität nutzten die fünfte Genussmeile, um herauszufinden, ob Besucher bereit sind,einen Beitrag zu bezahlen, damit diese Veranstaltung auch künftig durchgeführt werden kann. Eintritt wurde ja keiner verlangt.

Die Studenten Daniel Hamm und Anastasiia Samsononowa gaben einen ersten Eindruck. „Die Besucher sind doch eher zurückhaltend“, so Hamm: „Viele wollen erst einmal sehen, was hier angeboten wird, um dann etwas in die Kasse zu geben und so einen Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten.“