Lindenhof

Lindenhof Ehrenamtliche der Johannis-Gemeinde organisieren Fahrradtraining für geflüchtete Frauen

Grundregeln lernen – und Spaß haben

Archivartikel

Die ehrenamtliche Aktion „Willkommen an Johannis“ der Johanniskirche Lindenhof setzt sich für Geflüchtete ein, die in der Landeserstaufnahme (LEA) in der Industriestraße auf die Genehmigung ihres Asylantrages warten. Dazu gehört zum Beispiel das „Internationale Café“, bei dem Mitglieder der Gemeinde die Menschen in der LEA besuchen, um sich bei einer Tasse Kaffee zu unterhalten und Sorgen und Nöte zu besprechen. Auch außerhalb der Erstaufnahme gibt es Aktionen, wie zum Beispiel das Fahrradtraining in der Jugendverkehrsschule im Käfertaler Industriegebiet.

„Bisher haben wir das Training für Männer angeboten, nun auch für Frauen“, sagte Tanja Ambacher, Polizeihauptkommissarin und Leiterin der Jugendverkehrsschule. „Die Frauen trauten sich zuerst nicht, wollten es aber trotzdem mal ausprobieren. Hier auf dem Gelände sind sie unter Frauen, in einem geschützten Raum. Das Radfahren macht sie mobiler und selbstbewusster.“ Von den Frauen der Johannisgemeinde mit dabei war Mareile Schmitz: „Unsere Pfarrerin Susanne Komorowski ist sehr offen für Projekte mit Geflüchteten, unser Hauptprojekt ist das Café, das kommt so gut an, dass manchmal bis zu 100 Leute teilnehmen.“ Das Problem bei Leuten aus Nigeria oder nordafrikanischen Ländern sei, dass ihre Chancen auf Asyl gering seien: „Und sie kurz vor der Abschiebung stehen“, so Schmitz: „Das Wort Flüchtling ist nebulös, man sollte daran denken, dass ein Mensch dahintersteht.“

Vier erwachsene Frauen und ein zwölfjähriges Mädchen hatten sich für den Fahrradkurs gemeldet. Sie wurden von den Johannis-Frauen abgeholt und fuhren gemeinsam mit der Bahn zur Jugendverkehrsschule. Dort wurden sie in einem Schulungsraum begrüßt von Tanja Ambacher, die auch Helme in verschiedenen Größen bereithielt.

Nachdem jeder Kopf den passenden Helm gefunden hatte, ging die Damengruppe das Fahrradgelände zu Fuß ab, dabei erklärte Ambacher ein paar Grundregeln. Die Betreuung der Menschen in der LEA teilen sich der Caritasverband und das Diakonische Werk.

Für die Diakonie arbeitet dort Yvonne Eschenbacher, Sozialarbeiterin in Verfahrens- und Sozialbetreuung: „Die Johannisgemeinde hat uns gefragt, ob ein solcher Kurs möglich wäre. Wir sind gestern durch die Einrichtung gegangen und haben Frauen gesucht, die mitmachen möchten. Wir ermutigen sie, etwas Neues auszuprobieren, denn man sieht, dass sie neugierig sind. Außerdem sehen sie hier eine Frau in Polizeiuniform und haben einen positiven Kontakt mit der Polizei, das nimmt ihnen die Angst, das finde ich wichtig.“

Ab durch die Mitte

Von den fünf Frauen konnten bereits drei sicher Radfahren. Sie setzten den Helm auf, ließen sich ein passendes Fahrrad aus der Garage reichen und los ging‘s – wenn auch nicht immer auf der rechten Straßenseite, sondern ab durch die Mitte. Und vor allem konnten die Frauen einen Nachmittag lang die Sorgen vergessen und Spaß haben.