Lindenhof

Lindenhof Autorenehepaar Anu und Friedbert Stohner stellen Kinderroman „Die Blaubeerdetektive“ in Diesterweg-Grundschule vor

„Habt den Mut, euch eine eigene Geschichte auszudenken“

Wer ist Pertti Kivinen? Es handelt sich dabei nicht um einen neuen Formel-1-Piloten oder einen fußballerischen Neuzugang beim FC Bayern München. Hinter diesem skandinavischen Pseudonym verbirgt sich das Autorenehepaar Anu und Friedbert Stohner. „Wenn viele reden, kann man wenige nicht mehr verstehen“, bat Schriftsteller Friedbert Stohner die lärmig Platz nehmenden Mädchen und Jungs um ungeteilte Aufmerksamkeit. In der Diesterweg-Grundschule im Lindenhof las das schreibende Ehepaar Stohner aus dem jüngsten Band „Gefahr für den Inselwald!“ seiner Kinderbuchreihe „Die Blaubeerdetektive“ vor. Und zwar im voll besetzten Musikraum im Untergeschoss.

In dem neuen Roman, der bei der dtv Verlagsgesellschaft erschienen ist, unternehmen die vier kindlichen Blaubeerdetektive um Ich-Erzähler Samu den verwegenen Versuch, die umweltschädlichen Pläne eines arroganten Sägewerkbesitzers zu durchkreuzen, der aus Profitgier eine idyllisch mit Bäumen bewachsene Naturoase abholzen will.

Das Hauptquartier der aufgeweckten Blaubeerdetektive, die literarisch an die alte Jugendbuchreihe „Ein Fall für TKKG“ aus den 1980er Jahren erinnern, befindet sich auf einer abgelegenen Insel, die man über einen steinernen Pfad durch das Wasser balancierend erreichen kann.

Zwischendurch erklärte Gastautor Friedbert Stohner seinen Zuhörern, was man sich unter einem Sägewerk vorzustellen hat. „Da kommen vorne Holzstämme rein und hinten kommen Bretter heraus“, erläuterte der 68-Jährige. Von der Handlung her, die in Finnland spielt, befasst sich der 160 Seiten starke Kinderroman zwischen den Zeilen mit sozialpolitischen Themen wie Streben nach Rendite, Naturschutz und kommunaler Besitz.

Kann ein Geschäftsmann eine grüne Insel für sich alleine beanspruchen? Oder gehört diese öffentlich zugängliche Insel zugunsten des Gemeinwohls allen Menschen gleichermaßen? Mit diesen hintergründigen Fragen konfrontierte Schriftsteller Friedbert Stohner die Heranwachsenden in der Diesterweg-Schule. Nachdem das in Altlußheim lebende Ehepaar weitere ausgewählte Bücher seines Gesamtwerks vorgestellt hatte, durften die Sprösslinge mehrere Fragen stellen. Zum Beispiel wollte ein Schüller wissen, wie lange die beiden Autoren an einem Buch bis zur Veröffentlichung arbeiten.

Bestseller mit Millionenauflage

„So ein Buch geht uns manchmal ein halbes Jahr im Kopf herum, bis wir es schreiben. Dann dauert es zwei bis drei Monate“, schilderte Friedbert Stohner, der Mitbegründer der Kinderbuchreihe im Münchner Hanser-Verlag und Entdecker des ins Deutsche übersetzten Manuskripts für den Roman „Sofies Welt“ des philosophischen Schriftstellers Jostein Gaarder war, eine bedeutende Lektüre, die als Bestseller eine Millionenauflage erlebte.

„Das Manuskript zu Sofies Welt bekam ich 1993 auf der Kinderbuchmesse im italienischen Bologna angeboten, damals für einen Appel und ein Ei“, erzählte Branchenkenner Stohner nicht ohne Stolz.

Oftmals würden die meisten Bücher nicht fertig, wenn man sie nicht anfängt. Mit diesem anregenden Satz ermutigte Gastredner Friedbert Stohner die jungen Grundschüler, selbst etwas zu Papier zu bringen: „Habt den Mut, euch eine eigene Geschichte auszudenken.“ Vielleicht wird ja irgendwann ein Buch daraus.