Lindenhof

Lindenhof Bei der ab 2019 anstehenden Sanierung des Hochwasserschutzes sollen viele Bäume gefällt werden

Kahlschlag am Rheindamm?

Archivartikel

Der Rheinhochwasserdamm zwischen dem Großkraftwerk Mannheim (GKM) in Neckarau und dem Stadtteil Lindenhof ist stark sanierungsbedürftig. Das hat das zuständige Regierungspräsidium in Karlsruhe der Stadt Mannheim mitgeteilt. Geplant ist, den Hochwasserdamm auf einer Länge von 3,7 Kilometern zu erneuern – Beginn im Jahr 2019 mit sechs Bauabschnitten.

„Für den Waldpark bedeutet das einen massiven Eingriff, weil viele Bäume in einem breiten Streifen entlang des Damms gefällt werden sollen“, ist das Entsetzen bei Bezirksbeirat Wolf Engelen (FDP) und Wolf-Rainer Lowack vom Vorstand der Bürger- und Interessengemeinschaft (BIG) Lindenhof groß.

Weg für schwere Fahrzeuge

Wie angekündigt, soll der Hochwasserdamm zur Ertüchtigung nach neuesten technischen Anforderungen umgestaltet werden. Verändern wird sich dabei das Profil des Damms. Die Böschung zur Wasserseite hin wird abgeflacht. Hinter der Dammkrone kommt auf der Landseite eine sogenannte Berme (Aufschüttung), die den Damm stützt und auf der ein „Dammverteidigungsweg“ angelegt wird, der im Krisenfall für schwere Fahrzeuge befahrbar ist.

Für die Lindenhofer von besonderem Interesse sind die Abschnitte 5 und 6 – von der Schwarzwaldstraße bis zum Promenadenweg. „Die Schnittzeichnung für diese Bereiche bestätigt unsere schlimmsten Befürchtungen“, erklärten Engelen und Lowack. Mit Lübecker Hüten markierten sie das Ausmaß der geplanten baumfreien Zone – insgesamt 31,56 Meter Kahlschlag beiderseits des Damms soll dem Schutz vor Durchwurzelung und umstürzenden Bäumen dienen. Auf den landseitig gelegenen Grundstücken sollen alle Bäume im Bereich von 4,65 Metern ab Grundstücksgrenze gefällt werden. Ab Grundstücksgrenze bis zum Waldpark sollen im Bereich von 26,91 Metern ebenfalls sämtliche Bäume gefällt werden.

Engelen und Lowak schätzen, dass bis zu 1000 Bäume auf der Gesamtstrecke gefällt werden müssten: „Die Stadt Mannheim und das Regierungspräsidium Karlsruhe haben seit über 100 Jahren Baumanpflanzungen nicht nur zugelassen, sondern unterstützt, begrüßt und selbst ausgeführt – auch in Bereichen, in denen sie heute feststellen, dass sie angeblich nicht hätten ausgeführt werden sollen und deshalb rückgängig gemacht werden müssten“, so Engelen.

Beispielsweise am Promenadenweg, wo vor zwei bis drei Jahren zur Stabilisierung des Damms 30 neue Bäume gepflanzt wurden. Laut Regierungspräsidium müssten die Bäume gefällt werden, weil ein Umstürzen mit Herausreißen der Wurzeln große Löcher im Boden hinterlasse. Schon jetzt gebe es bei Hochwasser ein Problem mit Druckwasser in Gärten und Kellern der Schwarzwaldstraße. „Der einfache Bürger – und nicht nur der – stellt sich da schon berechtigte Fragen nach der fachlichen Kompetenz sowie nach verantwortungsvoll und sinnvoll ausgegebenen Steuergeldern“, so Engelen. Die beiden Stadtteilakteure betonten: „Wir werden um jeden Baum kämpfen.“

Naherholungsgebiet erhalten

BIG-Vorsitzender Ullrich Holl ahnt, dass bei dem Thema Hartnäckigkeit gefragt sein wird. Ende 2018 sollen die Planungen für einen neuen Rheinhochwasserdamm abgeschlossen sein. „Das beschäftigt uns sehr“, betont er. Derzeit sei beim Regierungspräsidium der baumfreie Damm „offenbar standardmäßig“ geplant. Holl: „Wir wollen diese Ecke aber als Naherholungsgebiet erhalten und suchen nach Alternativen mit Bäumen“. „Die gibt es“, ist er sich sicher,

Ende April (siehe Info-Kasten) möchte die BIG zusammen mit den Bezirksbeiräten die Bürger informieren, sagt Holl: „Wir hoffen, dass dann auch Vertreter des Regierungspräsidiums und der Stadt dazukommen und uns Auskunft geben über die konkreten Pläne.“ (mit abo)