Lindenhof

Lindenhof Ulrike Höfer spielt in der Johanniskirche Mozart-Sonaten

Träumerische Momente voller sprühender Energie

Er war wohl das umfassendste Genie seiner Zeit und schuf in seinem nur 35 Jahre währenden Leben unzählige Meisterwerke auf allen musikalischen Gebieten. Wolfgang Amadeus Mozart schrieb Sinfonien, Opern, Konzerte, Lieder, Messen, Serenaden, Divertimenti von hoher Vollendung. Eher als unbedeutend wurden in damaligen Fachkreisen seine Sonaten abgetan, vielleicht weil Mozart sie größtenteils für seine Klavierschüler verfasste. Dabei strahlen diese dreisätzigen Werke einen enormen Einfallsreichtum aus, werden Zeugen seiner sprühenden Energie und seines genialen kompositorischen Könnens.

Auf ganz wunderbare Weise wurde das nun in der Lindenhöfer Johanniskirche deutlich: Die weithin anerkannte und in großen philharmonischen Orchestern konzertierende Mannheimer Pianistin Ulrike Höfer spielte drei Sonaten von Mozart und erheiterte durch die zwölf neckischen Variationen zu einem alten französischen Volkslied: „Ah, vous dirai-je , maman“.

Es war im Jahre 1777, als der junge Mozart nach Mannheim kam und sich Hoffnung auf eine Festanstellung am Hofe Carl Theodors machte. Die hier vom Prager Komponisten Johann Stamitz gegründete Mannheimer Schule zog den wissbegierigen 21-Jährigen an. Doch er wurde abgewiesen, lediglich als Musiklehrer akzeptiert.

Seine C-Dur-Sonate Nr. 7 widmete er der Familie Cannabich, speziell seiner Schülerin Rose. Und darin setzte er alles kompositorisch um, was er von der Mannheimer Schule gelernt hatte: Die Seufzer und Schleifer, die Bebung, Walze und Rakete – eine Sonate, die zwischen tänzerischem Übermut und ernsthafter Nachdenklichkeit pendelt.

Ulrike Höfer braucht kein Notenblatt. Sie hat alles im Kopf, und das macht ihre Interpretation der Mozart-Sonaten zu innig beseelten Hörerlebnissen. Die D-Dur-Sonate Nummer 8 drückt bereits Mozarts Enttäuschung von Mannheim aus und seine träumerische Vorfreude auf Paris, das er 1778 in Begleitung seiner Mutter besuchte.

Doch während dieses Aufenthalts starb seine Mutter und seine wohl dunkelste 9. A-Moll-Sonate wird mit diesem traurigen Ereignis erklärt. Ulrike Höfer formt sie zu einem „Seelengemälde“ voller unerbittlich hämmernder und mit nachdenklichen Pausen versehenen Momenten. Zurück in Wien löst sich Mozart bald von Auftragswerken, macht sich selbstständig und muss mit bedrückenden Lebensverhältnissen fertig werden. Dennoch verliert er nicht seine Schaffensfreude und seinen unvergleichlichen Übermut, der sich auch in den Variationen des französischen Volksliedes widerspiegelt. „Ah, vous dirai-je, maman“– ein bereicherndes Konzert, das die vielen Besucher trotz Sturmböen nicht von einem Kommen abhielt.