Lokalsport Mannheim

Selbsterfahrung „MM“-Mitarbeiter stellt sich erfolgreich der vollen Marathon-Distanz

Am Wasserturm geht es endlich von alleine

Mannheim.Der erste Tiefpunkt kommt bei Kilometer 23. Nicht, weil es von der Konrad-Adenauer-Brücke bergab geht, und auch nicht, weil wir jetzt nach Ludwigshafen reinlaufen. Aber langsam werden meine Beine schwerer. Die letzten beiden Kilometer bin ich zusammen mit Alexander gelaufen. Der erste Läufer kam uns bereits entgegen. „Krass“, meinte Alexander. „Ich wäre jetzt gerne auch schon so weit“, sagte ich.

Zum Glück ist der nächste Wasserstand in Sicht, zum ersten Mal an diesem Abend greife ich zur Magnesium-Mischung. Das gibt neue Kraft. Zwei Stunden zwanzig bin ich zu diesem Zeitpunkt unterwegs.

Bis dahin war es ein solider Lauf. Die Stimmung am Start um 19.10 Uhr war bombastisch, euphorisch geht es Richtung Seckenheim. Dort wartet das erste Highlight der Strecke: Die Straßen sind voll mit Leuten, es hat Volksfestcharakter- Viele rufen einen beim Namen, der auf der Startnummer steht. Unzählige Arme warten ausgestreckt auf einen Handschlag, aus den Boxen quillt Musik. Gänsehautstimmung.

Von der Party am Wasserturm bekommen wir hingegen nur am Rande etwas mit, vorher biegen wir in die Fressgasse ein. Die Halbmarathonis drehen ab zum Ziel, und auf der zweiten Streckenhälfte wird es leerer. Dann treffe ich Alex und wir teilen uns die nächsten Kilometer.

Auf dem Weg nach Rheingönheim freue ich mich jedes Mal, wenn ich eine Wasserstelle sehe: endlich Energienachschub. Als es an der Tankstelle am Stadtteileingang vorbei geht, bekomme ich zum zweiten Mal Gänsehaut: Wir werden begrüßt mit „Highway To Hell“, der Autobahn zu Hölle von AC/DC. Selten war der Song passender. Hunderte Zuschauer tragen mich jetzt über die Straßen, ich kann mir ein breites Lächeln nicht verkneifen. Das Laufen geht wie von selbst. Danach wird es aber hart. In Mundenheim sind die Straßen leerer, Meine Beine werden schwächer. Bei Kilometer 33 muss ich ihnen eine Pause gönnen. Kurz stehen bleiben, weitergehen, ausruhen. So geht es den ganzen Weg über der Parkinsel. „Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen“, ist die Devise. Ich wünsche mir die Unterstützung aus Rheingönheim zurück.

Aber weiter geht’s. Auf der Konrad-Adenauer-Brücke überholt mich Heiko. Er ist einen Startblock hinter mir auf die Strecke gegangen und zieht mich jetzt. „Ich warte auf den Moment, wo man sich so sehr auf das Ziel freut, dass man wie von selbst läuft“, sagt er. Auch bei ihm schwinden die Kräfte. Gemeinsam laufen wir über den roten Teppich durchs Schloss und durch die Quadrate, die letzten Kilometer zum Ziel. Am Wasserturm geht es dann endlich wie von allein, die Beine wollen nur noch über die Zeitnahme. Die Uhr bleibt bei etwas über vier Stunden und elf Minuten stehen, knapp zwei Stunden nach dem Sieger. Mein Ziel von unter vier Stunden habe ich zwar verpasst, ich bin aber froh, durchgehalten zu haben. Endgültige Regeneration gibt es auf den Massageliegen.

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