Lokalsport Mannheim

Fußball Trainer aus dem Kreis sind hin- und hergerissen / Christian Hofsäß übt Kritik, Giuliano Tondo befürwortet Entscheidung

Bundesliga-Restart spaltet Basis

Archivartikel

Mannheim.Wenn am Wochenende die Fußball-Bundesliga wieder ihren Betrieb aufnimmt, sehnen sich manche danach, nicht mehr Fußball aus der Konserve anschauen zu müssen, sondern aktuelle Live-Bilder. Andere empfinden die Fortsetzung des Profi-Spielbetriebs im Hinblick auf die sonstigen gesellschaftlichen Einschränkungen für unverantwortlich und nicht nachvollziehbar.

Auch die Fußball-Funktionäre aus dem Kreis, die eigentlich auch mit dem runden Leder verheiratet sind, stehen nicht uneingeschränkt hinter dieser Entscheidung. „Meiner Meinung nach wird hier mit allen Mitteln versucht, die Saison zu Ende zu spielen, um die ganzen Millionen von den Sponsoren zu erhalten“, sagt Christian Hofsäß, Trainer beim A-Ligisten SKV Sandhofen und argumentiert mit einem aktuellen Beispiel: „Bei Dynamo Dresden steht die komplette Mannschaft nun 14 Tage unter Quarantäne. Das ist für mich Wettbewerbsverzerrung, da die Spieler nun zwei Wochen lang nicht im Teamtraining sind.“

Zwei Herzen schlagen in der Brust

Gemischte Gefühle hat Josip Petrina, Trainer beim A-Ligisten SG Mannheim: „Einerseits ist es gut, dass wir allmählich zur Normalität zurückkehren, aber Fußball ohne Fans finde ich nicht gut.“ In die gleiche Kerbe schlägt Miguel de Mingo, Coach beim SC Pfingstberg/Hochstätt: „Auf der einen Seite finde ich es moralisch grenzwertig den Mitmenschen gegenüber. Als Sportler und Fußballer finde ich aber gut, dass der Ball wieder rollt.“ Irgendwann müsse es ja weitergehen, betont der Spanier. Wann er selbst mit seinem A-Klassen-Kader wieder auf den Platz gehen wird, ist indes noch unklar.

Dem Bundesliga-Re-Start grundsätzlich nicht abgeneigt zeigt sich Michael Wagner, der den Kreisliga-Dritten SpVgg Wallstadt trainiert: „Bei der Bundesliga stehen die wirtschaftlichen Aspekte im Vordergrund. Die Vereine haben ganz andere Möglichkeiten, die Hygienevorschriften zu erfüllen als Amateurclubs. Sollten dadurch die Vereine tatsächlich vor einer Insolvenz bewahrt werden und die gesundheitlichen Gefahren auf ein Minimum reduziert werden, ist es vielleicht ein erster Schritt zurück ins normale Leben. Das Ausschließen einer Ansteckungsgefahr zu 100 Prozent gibt es sowohl im täglichen Leben wie auch im Sport nicht.“

„Profis als Vorbilder gefragt“

Die Freude, an diesem Wochenende wieder Fußball sehen zu können – auch wenn es nur vor dem Fernseher ist –, überwiegt bei Matthias Starke, Trainer des TSV Neckarau: „Grundsätzlich ist es okay für mich, dass es unter diesen Bedingungen wieder los geht. Es entsteht dadurch ja kein Nachteil für andere. Einige Regelungen kann ich aber nicht vollends nachvollziehen.“ Den Vorfall, den sich Salomon Kalou in Berlin geleistet hat, animierte Starke dazu, die Profis verstärkt in die Pflicht zu nehmen. „Die Spieler sollten mit gutem Beispiel vorangehen, da sie mehr denn je Vorbilder sind“, so Starke.

Am meisten sehnt das Ende der Corona-Pause Giuliano Tondo herbei. Der 32-Jährige, derzeit Trainer beim Kreisligisten VfR Mannheim II und in der kommenden Saison verantwortlich beim Landesligisten Spvgg 06 Ketsch, arbeitet in der Spielerberater-Branche, die unmittelbar mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie konfrontiert war.

„Ich befürworte, dass der Fußball fortgesetzt wird. Es ist ein Beruf wie jeder andere auch und es hängen viele Jobs dran. Es ist besser, erst einmal unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu spielen, als gar nicht zu spielen. Das Risiko ist überschaubar, da die Spieler immer mit demselben Personenkreis zu tun haben. Wenn regelmäßig getestet wird, hat man das auch relativ gut im Griff“, meint Tondo.