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Albert-Schweitzer-Turnier Albert-Schweitzer-Turnier: Die Stimmung in der Mannheimer GBG Halle ist beim 86:85-Auftaktsieg der DBB-Jungs gegen Israel gleich auf dem Siedepunkt / Zuschauer heben internationalen Charakter hervor

Bundestrainer: "Für solche Spiele sind wir hier"

Archivartikel

Mannheim.Es hat ein wenig Anlaufzeit gebraucht – doch spätestens mit dem knappen 86:85-Sieg der deutschen U-18-Basketballer im Auftaktspiel gegen Israel hatte die 29. Auflage des Albert-Schweitzer-Turniers (AST) die knapp 700 Zuschauer in der GBG Halle am Herzogenried in ihren Bann gezogen. Auf eine Zitterpartie mit mehreren Führungswechseln bis zur finalen Schlusssirene hatten sich allerdings wohl die wenigsten Anhänger am Samstagabend eingestellt.

Die physisch, aber auch technisch starken Israelis verlangten dem Titelverteidiger der inoffiziellen U-18-Weltmeisterschaft alles ab. Den feinen Unterschied machte letztendlich auch die Trefferquote von DBB-Kapitän Jonas Mattisseck. Der 18-jährige Point Guard von Alba Berlin sammelte insgesamt 26 Punkte und brachte sechs seiner acht Drei-Punkte-Würfe im gegnerischen Korb unter. Darunter waren die wichtigen „Dreier“ im Schlussviertel zum 75:75, 78:75 sowie zum vorentscheidenden 84:81 – sehr zur Freude der deutschen Fans und von U-18-Bundestrainer Alan Ibrahimagic.

Bundestrainer Ibrahimagic: "Schöner Auftakt"

„Es war ein schöner Auftakt. Für solche Spiele, in denen die Jungs internationale Erfahrung auf höchstem Niveau sammeln können, sind wir ja hier. Wenn man dann den einen Punkt mehr holt als der Gegner, umso besser“, erklärte der 40-Jährige hinterher. Ob es auch ein schöner Samstagabend geworden wäre, wenn der besagte Punkt mehr am Ende gefehlt hätte? „Gute Frage“, schmunzelte der Coach der DBB-Talente. „Dann hätten wir trotzdem viele gute Sachen gesehen, vor allem offensiv. Defensiv hatten wir noch einige Abschirmungsprobleme. Natürlich macht das Ergebnis am Ende sehr viel aus.“

Sonntagabend gegen Japan

Für das zweite Vorrundenmatch gegen Japan am Ostersonntag (19:30 Uhr, GBG Halle) stellt sich Ibrahimagic auf ein „ganz anderes Spiel“ ein. „Kleiner, aber ungemein schnell“ – so sieht der Bundestrainer die Japaner, die Mitfavorit Türkei im AST-Eröffnungsspiel nur knapp mit 67:73 unterlagen.

Die nachvollziehbaren Abstimmungsfehler – das deutsche Team etwa kam erst am Montag im Olympiastützpunkt Heidelberg zusammen – taten der Punkteausbeute (22:21/26:17/17:23/21:24) keinen Abbruch. Zumal viele Fehler auf beiden Seiten mit guter gegnerischer Zonenarbeit zu erklären waren. Rasch entwickelte sich so ein flottes Hin und Her. Das Duell zwischen den DBB-Talenten und Israel war die qualitativ beste Partie, die die Zuschauer am Herzogenried am Samstag zu sehen bekamen.

Cheerleader und Trommler heizen ein

Der größte Teil der 700 Zuschauer kam erst zum Deutschland-Spiel – und nahm auf der Haupttribüne in der Halle am Herzogenried Platz. Aber auch auf den anderen Rängen kam die Stimmung nicht zu kurz: Hinter einem der beiden Körbe heizte Trommler „Bolle“ aus München den DBB-Jungs ein. Während der Auszeiten in den Pausen stürmten die Pfitzenmeier Cheerdancers das Hallenparkett.

Im Publikum befanden sich Eltern, Freunde und Geschwister der Spieler – aber auch viele Basketball-Freunde aus der Region. „Mein Sohn ist 15 und spielt Basketball in Schwetzingen, also sind wir als ganze Familie gekommen. Wir sind heute zum ersten Mal da, werden aber sicher wiederkommen“, erklärte Andrea Fritzmann (32). Wem die vierköpfige Familie aus Brühl die Daumen drückt? „Natürlich Deutschland – aber auch Frankreich, die mögen wir.“

"Turnier soll die Länder verbinden"

Auf Frankreich setzt auf dem Cem Ali (17), wobei er beim Anblick der gleichaltrigen U-18-Sportler aus dem Nachbarland leichte Zweifel bekommt. „Die sehen alle älter aus – das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen“, scherzte er. Sein Kumpel Kerem (14) drückt der Türkei die Daumen und hofft, dass sich die internationale Botschaft des AST herumspricht. „Es sind schwierige Zeiten. Das Turnier soll die Länder verbinden“, meinte er.

Das Auftaktmatch zwischen Deutschland und Israel war für Majid Khoshlessan, den ersten Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Mannheim, und für seine Frau, die SPD-Stadträtin Dr. Heidrun Kämper, ein besonderer Anlass. Zum Pessach-Fest hatten sie Gäste aus Tel Aviv empfangen – und gleich mit in die Halle genommen, an deren Bau Khoshlessan als früherer MWS-Geschäftsführer einst federführend beteiligt war. „Das Albert-Schweitzer-Turnier ist ein schöner Anlass, Offenheit und Internationalität zu leben“, erklärte Kämper. „Jugendliche aus verschiedenen Ländern, Religionen und Kulturen lernen sich hier kennen, treten miteinander in Kontakt. Im Prinzip spielen sie nicht gegen-, sondern miteinander“, betonte Khoshlessan.

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