Lokalsport Mannheim

Flutlicht-Cup Lokalmatadoren aus Wünschmichelbach gewinnen Turnier und besiegen dabei auch das Nationalteam

Faustball per Fernstudium

Archivartikel

Weinheim.Es ist das am besten besetzte Vereinsmannschafts-Turnier im Land: Einmal im Jahr wird der Rothaus-Flutlicht-Cup im Faustball ausgetragen, alle zwei Jahre auch beim Landesturnfestes – wenn es auf badischem Boden stattfindet. Am Mittwochabend eröffneten die Männer mit dem Wums im Arm die sportlichen Wettbewerbe in Weinheim, während bei der parallel laufenden Eröffnungsfeier Bülent Ceylan, die Cheerleader der TSG 1862 oder auch die Kunstradfahrer des AC 92 Weinheim die 5000 Besucher unterhielten.

Und gegen Mitternacht war die Überraschung perfekt: Die Lokalmatadoren des TV Wünschmichelbach sicherten sich den Sieg in diesem Turnier, zu dem fast alle badischen Bundesligisten gekommen waren. Der TVW schaltete Offenburg nach Verlängerung aus, nachdem die Weinheimer die deutsche Nationalmannschaft im Halbfinale mit 5:11, 11:3 und 3:1 im Halbfinale ausgeschaltet hatten.

Es war ein bisschen Wundenlecken für die bisher rabenschwarze Saison. „Es wird schwer für uns den Erstligaverbleib zu schaffen. Mit Nico Müller und Denis Gruber fallen wichtige Spieler langfristig aus“, sagt TVW-Akteur Markus Hermann. Schließlich ist der Bundesliga-Kader der Wünschmichelbacher nicht gerade üppig besetzt.

Breite fehlt

Und daran krankt es fast überall in Deutschland. „International hat der Faustball extreme Zuwächse, inzwischen wird unser Sport in 50 Ländern weltweit gespielt“ sagt Landesfachwart Jürgen Mitschele. „In Zeiten von Youtube verbreitet sich das Spiel einfacher.“ Die Japaner beispielsweise haben es sich so per Fernstudium beigebracht und nahmen sogar an der Europameisterschaft teil. „Das sah ein bisschen irrwitzig aus“, lacht Mitschele, der sich aber über jeden Neuzugang freut.

Hierzulande stagniert die Mitgliederstatistik. Umso bemerkenswerter, dass die deutschen Nationalmannschaften weltweit auch Titelträger sind. „In der Spitze sind wir super, aber die Breite fehlt. Wir sind darauf angewiesen, dass die Vereine weiterhin gute Jugendarbeit betreiben.“ Das ist eben in allen Sportarten der Schlüssel und gleichzeitig auch ein Problem.

Im Faustball versucht man, dem entgegenzuwirken, indem künftig in den U8-, U10- und U12-Altersklassen in Dreierteams auf verkleinerten Feldern gespielt wird. „Wir in Baden machen das schon“, sagt Mitschele.

Der Fachwart aus Linkenheim-Hochstetten zeichnete beim Flutlicht-Cup auch den „Trainer des Jahres“ aus. Der BTB-Fachausschuss entschied sich für Leo Goth vom TV Käfertal. „Er hat die Mannschaft 2010 übernommen und von der Verbandsliga in die 1. Bundesliga und im Winter sogar zum deutschen Vizetitel geführt. Und das mit einer unheimlich ruhigen Art“, sagt Mitschele und lobte auch Goths Verdienste in der Jugendarbeit.

Lehrgang in Käfertal

Beim Flutlicht-Cup scheiterten die Käfertaler erst im Halbfinale an Offenburg und mussten sich dann im Spiel um Platz drei dem Nationalteam, das derzeit einen Lehrgang in Käfertal abhält, geschlagen geben. Bei den Frauen setzte sich der TSV Pfungstadt durch, der im Verlängerungssatz den TV Lagen besiegte.

Die Faustball-Wettkämpfe werden heute mit Kleinfeldturnieren, morgen mit der baden-württembergischen Meisterschaft mit TV Reisen und TV Wünschmichelbach fortgesetzt. Um 18 Uhr spielt auf dem Hauptplatz des Sepp-Herberger-Stadions Deutschland A gegen Deutschland B ein Länderspiel. Und in der Kreissporthalle findet von 19 bis 1 Uhr ein Mitternachtsturnier im Rahmen der „Langen Nacht“ statt.

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