Lokalsport Mannheim

Talentförderung Seit über 50 Jahren bietet „Jugend trainiert für Olympia“ Spitzensportlern erste wertvolle Wettkampferfahrungen / Spuren auch in der Region

Große Karrieren beginnen in der Schule

Archivartikel

Mannheim.Boris Becker war dabei, die Olympiasieger Heike Henkel und Robert Harting, der große Dirk Nowitzki und auch die Schwimm-Ikonen Franziska van Almsick oder Michael Groß. Sie und viele andere Sportstars haben auf dem Weg zu Olympia am Schulsportwettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“ teilgenommen und dort ihre ersten Erfahrungen mit dem Wettkampfsport gemacht.

1969 wurde der Wettbewerb gegründet und damit eine Erfolgsgeschichte angestoßen. Am Anfang stand eine Privatinitiative. Als Reaktion auf das schlechte Abschneiden der bundesdeutschen Olympiamannschaft 1968 in Mexiko und im Vorausblick auf die Sommerspiele 1972 in München initiierte Stern-Verleger Henri Nannen 1969 den neuen Schulsportwettbewerb. In systemgerechter Abwandlung zum erfolgreichen Spartakiade-Wettbewerb der ehemaligen DDR sollte bei „Jugend trainiert für Olympia“ der Schulsport und der freie Sport näher aneinander gebracht werden.

Von Becker bis Bischof

Dort wo 1969 alles begann, im Olympiastadion in Berlin, erfolgte im September vergangenen Jahres der Startschuss für das Jubiläumsjahr durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. „Der Wettbewerb zeigt, dass Leistung Spaß machen kann“, hob Steinmeier die Jugend-trainiert-Philosophie hervor, zu der auch die Nachwuchsförderung und die Verbindung von Breiten- und Leistungssport gehört.

„Jugend trainiert ist eine Schule fürs Leben“, sagt Siggi Wentz, Vize-Weltmeister im Zehnkampf 1987 in Rom, der davor mit seiner Schule, dem Parler-Gymnasium Schwäbisch Gmünd, in Berlin Bundessieger wurde. „Jugend trainiert für Olympia fördert Teamgeist und Ehrgeiz – also die Grundgedanken der Olympischen Spiele“, ist Wentz vom pädagogischen Wert des Wettbewerbs überzeugt. Sein Traum von den Olympischen Spielen, der 1976 in der Schule reifte, wurde 1984 in Los Angeles wahr und mit Bronze belohnt.

Nach anfangs 16 500 Teilnehmern in lediglich zwei Sportarten (Leichtathletik und Schwimmen) nahmen die Zahlen in der Folge rasant zu. Nach der Wiedervereinigung stiegen sie dann sogar auf jährlich mehr als 800 000 Teilnehmer in 16 Sportarten – Baden-Württemberg nimmt mit 125 000 Schülerinnen und Schülern eine führende Rolle ein.

Der Reutlinger Judoka Ole Bischof ist ein Beispiel für den Weg „Von Jugend trainiert für Olympia zum Olympiasieger“. Und auch wenn Bischof den Namen des Wettbewerbs zum persönlichen Programm machte, lautet die Philosophie für Millionen junger Sportler „die Teilnahme auf der untersten Ebene ist das Ziel, nicht die Teilnahme beim Bundesfinale“. Nur ein geringer Teil schafft den Sprung in die Bundeshauptstadt. Für Bischof war die Teilnahme mit seiner Schule in Reutlingen bei „Jugend trainiert für Olympia“ die Initialzündung. „Was wäre aus mir ohne Jugend trainiert geworden?“ lautet seine Frage. „Vermutlich kein Olympiasieger.“

Mit der Gründung des Vereins „Bundeswettbewerb der Schulen Jugend trainiert für Olympia“ 1992 und der Gründung der Deutschen Schulsportstiftung 1999 konnte die finanzielle Krise zwischenzeitlich überwunden werden – auch dank des Einstiegs von Sponsoren.

„Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“, war ebenfalls für viele Mannheimer Schüler und Lehrer die große Motivationsspritze. Auch für Michael Manke-Reimers, Sprinttrainer bei der MTG Mannheim, liegen die sportlichen Wurzeln bei „Jugend trainiert“. Er war seit 1974 mehrere Jahre im Team des Ludwig-Frank-Gymnasiums sowie mit dem Internat Bad Sooden-Allendorf dabei und mehrfach beim Bundesfinale in Berlin. „Jugend trainiert hat mich zum Sport gebracht – und nie wieder losgelassen“, sagt der ehemalige deutsche 400 Meter-Jugendmeister, der inzwischen seine Erfahrungen erfolgreich weitergibt.

Den „Jugend-trainiert-Leidenschaft “ hat Manke-Reimers auch in der Familie weitergegeben. Sohn Fabian hat gleich in fünf Sportarten in „Jugend-trainiert-Teams“ des LFG gestanden. Die Fahrten zum Bundesfinale nach Berlin waren immer Höhepunkte“, sagt der Sprinter im Rückblick, und Vater Michael ergänzt: „Jugend trainiert hat einen besonderen Wert für die Teambildung junger Menschen im Sport.“

Besonderer Wert für Teambildung

Die Reihe prominenter Teilnehmer lässt sich fortsetzen. Auch die Olympiateilnehmerin Eli Seitz turnte fürs LFG, Handball-Nationalspieler Uwe Gensheimer von den Rhein-Neckar Löwen warf die Harzkugel. Längst hat sich das Mannheimer Ludwig-Frank-Gymnasium Mannheim zu einer Hochburg des traditionellen Schulsportwettbewerbs entwickelt.

Insgesamt 30 Millionen Teilnehmer bei Jugend trainiert für Olympia in 50 Jahren sind eine eindrucksvolle Bilanz für die weltweit größte Schulsportveranstaltung. „Jugend trainiert für Olympia und Paralympics“ ist ein starkes Stück deutsche (Schul)Sportgeschichte“, betont IOC-Präsident Thomas Bach. 2020 wurde der Wettbewerb durch die Corona-Pandemie in die Quarantäne geschickt, am Mittwoch gibt es aber einen großen Aktionstag.

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