Lokalsport Mannheim

Spieler der Woche Normalerweise hilft Schlussmann Hamdi Koc dem FC Türkspor mit seinen Paraden – gegen Ziegelhausen-Peterstal besorgt er auch noch das 3:3

Helden-Tor statt Helden-Tat

Archivartikel

Mannheim.„Das war eine Szene, die kannte ich bisher eigentlich nur von Hans-Jörg Butt oder irgendwelchen Best-of-Szenen der Fußballwelt“, kann Hamdi Koc seine Tat immer noch nicht so ganz fassen.

Vergangener Sonntag, es läuft die 93. Spielminute in der Landesliga-Partie zwischen Ziegelhausen-Peterstal und dem FC Türkspor Mannheim. Der FC kam nach der Halbzeit stark zurück in die Partie, machte aus einem 0:3 Rückstand ein 2:3, der Ausgleich wäre jetzt die Krönung. FC-Torhüter Hamdi Koc verlässt zum letzten Eckball der Partie sein Gehäuse. „Wir waren alle total unter Anspannung und wollten den Ausgleich. Als ich im gegnerischen Sechzehner war, kam unser Stürmer zu mir und sagte, dass ich das Ding jetzt mit dem Kopf reinmachen soll“, erinnert sich der 32-Jährige, der mit seinen 1,85-Metern zu den Größten im Team gehört.

„Verrückter Tag“

Der Eckball kommt. „Die Kugel ist erst einmal über mich geflogen und ich dachte schon, das war es jetzt“, hatte der Keeper die Hoffnung schon aufgegeben: „Dann kam der Ball irgendwie zu mir auf meinen linken, schwächeren Fuß. Ich habe einfach volley abgezogen, dann weiß ich nur noch, dass der Ball im Netz zappelte.“ Das Tor besiegelte den umjubelten 3:3-Endstand, Hamdi Koc war der Held des Tages. „Es kamen alle auf mich zugerannt und haben mit mir gefeiert. Ich habe wahnsinnig viele Nachrichten auch von ehemaligen Weggefährten bekommen, die alle mitbekommen haben, was da los war. Ein wahnsinnig verrückter Tag.“

Der gebürtige Türke tritt an normalen Spieltagen als zuverlässiger Rückhalt auf. Zuletzt spielte der Keeper in Speyer in der Verbandsliga, wechselte dann im Sommer zu Türkspor. „Das hatte arbeitsbedingte Gründe, außerdem kenne ich im Verein viele, auch mein Bruder spielt hier“, erklärt Koc seinen Schritt zu Türkspor und stellt klar: „Ich habe in meiner Karriere eigentlich meistens vermieden, in einem türkischen Verein zu spielen, die haben auch nicht immer den besten Ruf. Bei Türkspor ist das anders. Die Struktur des Vereins, das Engagement der Menschen hier, das Trainerteam – alles höchst vorbildlich. Wie hier alle positiv für den Verein leben, so etwas habe ich noch nicht erlebt.“

Als Aufsteiger spielt Türkspor bisher eine solide Runde und festigt sich immer mehr im sicheren Mittelfeld der Tabelle. Laut Koc ist der Klassenerhalt auch das primäre Ziel, in der nächsten Saison darf dann auch gerne höher gedacht werden. „Ganz viele Spieler im Team sind definitiv zu gut für die Landesliga, hier herrscht ein enormes Potenzial, daher kann hier definitiv bald schon mehr erreicht werden als nur der Klassenerhalt“, weiß der geborene Ludwigshafener, der wie so viele seiner Zunft nur per Zufall zu seiner Berufung fand. „Ich war bis zur C-Jugend eigentlich Stürmer, war für mein Alter damals aber auch extrem hochgewachsen. Ich weiß noch, wie dann bei einer Partie unser Torhüter nicht erschienen ist“, erinnert sich Koc, der prompt zwischen die Pfosten beordert wurde. „Auch im Spiel darauf stand ich wieder im Tor und hielt einen Elfmeter. Wir haben das Spiel damals zwar verloren, ich habe mich da aber schon in die Position verliebt. Du bist als Torhüter entweder der Depp oder der Held, das reizt mich sehr.“

Hamdi Koc ist ein stolzer Türke, daher gehen die Geschehnisse der letzten Tage an dem 32-Jährigen nicht spurlos vorbei. Aus dem Fußball wurde ein Politikum. Nach der türkischen Offensive in Syrien solidarisierten sich viele Mannschaften mit der türkischen Armee und zeigten beim Torjubel einen militärischen Gruß – die Kritik ist nach wie vor gewaltig. „Ich bin bei meinem Jubel in Richtung Eckfahne gerannt, ich selbst würde nie auf die Idee kommen, diesen Militärgruß zu zeigen. Wir sind bei Türkspor eine internationale Truppe, hier spielen Deutsche mit Syrern, Türken oder Albaner zusammen und es funktioniert“, lobt Koc und stellt klar: „Wie in den letzten Tagen dieser Militärgruß allerdings negativ dargestellt wird, ist ein Unding. Dieser Gruß ist bei uns in der Türkei ganz normal. Den zeigt dir der Opa auf der Straße beim Vorbeigehen. Das hat in meinen Augen überhaupt nichts mit Politik zu tun, es ist keine Solidarisierung für eine Seite, sondern lediglich ein Gruß an unsere Soldaten. Viele fühlen sich davon natürlich provoziert, ich würde aber eher vorschlagen: Ball flach halten.“ bah

Zum Thema