Lokalsport Mannheim

Leichtathletik MTG-Speerwerfer reist nach Rang drei im Diamond-League-Finale zum ISTAF

Hofmann freut sich auf Herausforderungen

Archivartikel

Zürich.Die drei deutschen Speer-Musketiere Johannes Vetter (LG Offenburg), Thomas Röhler (LC Jena) und Andreas Hofmann (MTG Mannheim) sahen nicht wirklich glücklich aus, als sie am späten Donnerstagabend den mit 25 000 Zuschauern prall gefüllten Züricher Letzigrund verließen. Vier deutsche Speerwerfen unter den neun weltbesten Finalisten, das hatte es aus deutscher Sicht noch nie gegeben in der Geschichte der Diamond League. Am Ende durfte allein Hofmann mit seinem dritten Platz und 87,49 Metern zufrieden sein. Vetter (84,46) wurde Fünfter, Röhler (82,91) Siebter und Bernhard Seifart (75,88) Achter.

„Ich hatte beim Einwerfen einen Wurf auf 87 Meter und dachte, ich könnte im Wettkampf da anknüpfen“, stellte der Mannheimer am Morgen danach fest. Doch während er im Vorjahr als Diamond-League-Sieger eine überragende Vorstellung mit einer Siegesweite von 91,44 Meter abliefern konnte, kam er diesmal nicht richtig in den Wettkampf. „Immerhin ist mir im vierten Versuch ein ganz guter Wurf gelungen“, war er mit seinem dritten Platz zufrieden. Und kassierte dafür zudem ein Preisgeld von 10 000 Dollar. „Schön zu haben“, sagt der Modellathlet – aber das Geld sei nicht die Antriebsfeder für seinen Sport.

Am Freitag kam er in den Letzigrund zurück, um ein lockeres Training zu absolvieren, da am Sonntag beim ISTAF im Berliner Olympiastadion die nächste Bewährungsprobe ansteht. Da wollen die deutschen Speerwurf-Asse den Spieß umdrehen, und den estnischen DiamondLeague-Sieger Magnus Kirt (89,13) schlagen. „Kirt war im Schnitt der beste Werfer der Saison und hat deshalb den Sieg in Zürich verdient“, erkannte Hofmann die Leistung des Konkurrenten neidlos an.

Ein bodenständiger Typ

Die Rückkehr ins Olympiastadion ist für Hofmann besonders emotional. Hier erlebte er im Sommer 2018 als Vize-Europameister sein Sommermärchen. Der 27-Jährige ist ein bodenständiger, authentischer Typ, wie ihn Bundestrainer Boris Ober-gföll charakterisiert. Speerwerfen ist für ihn keine Show, sondern Wettkampf – dennoch präsentiert er dabei einen gestählten Körper wie auf einer Body-Builder-Bühne: 1,95 Meter groß und 105 Kilo schwer, muskelbepackt mit beeindruckendem Bizeps – ein Modellathlet.

Die Fröhlichkeit in seinem Gesicht kommt aus seinem Inneren. „Ich habe ein sehr harmonisches Umfeld bei Familie, Freunden und im Sport“, beschreibt er sein Gleichgewicht, „meine Grundeinstellung ist zu 100 Prozent positiv und ich sehe das Gute im Menschen“. Ob auf der Kunststoffbahn im Stadion oder im Smoking auf dem roten Teppich einer Sportlerehrung: Hofmann gibt immer eine glänzende Figur ab.

Ob 2019 so erfolgreich wird wie 2018, muss sich in den nächsten vier Wochen zeigen. In Berlin verteidigte er Anfang August seinen DM-Titel, jetzt steht noch die ganz große Herausforderung an. Vom 27. September bis 6. Oktober geht es im Wüstenstaat Katar um WM-Medaillen. Hofmann will sich nicht unter Druck setzen, bekennt sich aber zu seinen Möglichkeiten: „Natürlich will ich vorn mitmischen.“

Mit Hofmann kann man auch über die Disziplin Speerwerfen ganz allgemein und deren Grenzen reden. Mit seiner Bestleistung (92,06 Meter) ist er achtbester Speerwerfer aller Zeiten. Weltmeister Johannes Vetter hält den Deutschen Rekord (94,44). 2,38 Meter fehlen noch zum Rekord, zum ganz großen Wurf. „Der kommt ganz bestimmt“, gibt sich Hofmann selbstbewusst.

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