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Triathlon Laura Philipp vom TSV Mannheim über Platz vier beim Ironman auf Hawaii, die Strapazen des Rennens und ihre Ziele bei der Weltmeisterschaft 2020

„Ich konnte stark bleiben“

Mannheim.Bei ihrer Ironman-Premiere auf Hawaii am 12. Oktober überzeugte Laura Philipp vom Soprema Team des TSV Mannheim auf ganzer Linie. Nicht nur den extremen physischen Strapazen, sondern auch den psychischen Belastungen war die 32-Jährige gewachsen und verpasste das Podest letztlich nur um dreieinhalb Minuten. Nach 3,8 km Schwimmen hatte sich Philipp bereits einen zehnminütigen Rückstand eingehandelt.

Auf der 180 km langen Radstrecke schlug dann ihre Stunde. Philipp fuhr die beste Zeit aller Teilnehmerinnen und kämpfte sich bis zum Wechsel auf die Laufstrecke in die siebenköpfige Verfolgergruppe vor. Schon früh auf der Marathonstrecke verlor Philipp allerdings die spätere Siegerin Anne Haug aus den Augen und musste sichtlich leiden. Mit Rang vier bei der Ironman-WM und einer Endzeit von 8:51:42 Stunden stand dennoch ein herausragendes Ergebnis zu Buche. Im Gespräch mit dieser Zeitung lässt Philipp ihre Hawaii-Erlebnisse Revue passieren.

Frau Philipp, wie fällt Ihr Hawaii-Fazit aus?

Laura Philipp: Der vierte Platz war eine Überraschung. Ich habe so viele Athletinnen hinter mir gelassen, die eine perfekte Saison hatten, die ich vor mir erwartet hätte. Das war ein tolles Gefühl und etwas, worauf ich sehr stolz bin und mir gleichzeitig Zuversicht gibt, mit einer guten Vorbereitung im nächsten Jahr, ein noch besseres Rennen zu haben. Der Wermutstropfen von Platz vier ist, dass ich für die erneute Hawaii-Qualifikation nächstes Jahr einen Ironman gewinnen muss.

Wurde der Ironman Hawaii seinem Ruf gerecht? War es das härteste Rennen Ihrer Karriere?

Philipp: Im Vergleich zur Langdistanz in Barcelona war Hawaii doppelt so hart. Zum einen wegen den Bedingungen mit Wind und Hitze, zum anderen, weil das Teilnehmerfeld so hochklassig und eng beisammen war, was zu einer anderen Renndynamik geführt hat.

Wie war die Situation nach Ihrer bravourösen Aufholjagd mit Bestzeit auf dem Rad?

Philipp: Das Radfahren hat schon viele Körner gekostet. Ich bin mit großem Bammel vom Rad gestiegen und habe schnell gemerkt, dass die Beine sich deutlich früher müde anfühlen, als ich es sonst von anderen Rennen kenne. Da war mir schon klar, dass es eine Willensleistung wird, das durchzubringen. Um am Ende im Marathon noch mal zuzulegen und Platz drei anzugreifen, dafür hätte ich eine solide Marathonvorbereitung gebraucht. Das wäre das Höchste gewesen, war für mich aber nicht realistisch.

Wie haben Sie es dennoch geschafft, das Tempo zu halten und nicht noch abgefangen zu werden? Wann sind Sie an Ihre Grenzen gestoßen?

Philipp: Geholfen hat mir die Euphorie, dass Rennen das erste Mal zu absolvieren und die extreme Begeisterung der Zuschauer auf den ersten 20 Kilometern. Danach fängt das Zuschauerverbot an und man ist nur noch mit sich selbst beschäftigt. Da beginnt dann die Prüfung im Kopf: Wie sehr möchtest du das? Der Moment, in dem viele anfangen, Entschuldigungen zuzulassen, anfangen zu gehen und das Rennen eine Wendung nimmt. Ich konnte stark bleiben.

Hatten Sie nach dem Rennen noch Kräfte übrig für eine ausgelassene Party mit ihrem Trainingspartner und Drittplatzierten bei den Herren, Sebastian Kienle?

Philipp: An dem Rennabend ist keiner mehr so richtig in Feierlaune. Danach gab es noch eine Pressekonferenz und ein gemütliches Essen von einem Sponsor.

Auf was hatten Sie am meisten Appetit nach knapp neun Stunden anstrengendem Wettkampf?

Philipp: Ich hatte richtig Lust auf Pizza. Im Umkreis, der für mich noch fußläufig zu erreichen war, war allerdings keine aufzutreiben. Ich wurde dann mit einem vegetarischem Burger versorgt. Hauptsache etwas Deftiges, weil ich mich das ganze Rennen nur von einer Zuckerlösung ernährt habe.

Was nehmen Sie aus Ihrer Premiere auf Hawaii mit?

Philipp: Der Rennverlauf hat mir gezeigt, dass ich noch besser abschneiden kann. Ich freue mich sehr für Anne Haug, dass sie die erste Deutsche war, die dort gewinnen konnte und hoffe, dass ich eines Tages nachziehen kann.

Waren danach noch eine paar Tage Urlaub auf Hawaii drin?

Philipp: Mein Mann Philipp Seipp und ich wollten vor allem nach Hause. Jeder der als Sportler so viel unterwegs ist, würde immer die gleiche Antwort geben. Zeit zuhause zu genießen, kommt über die Saison viel zu kurz.

Das Interview wurde telefonisch geführt. Laura Philipp verzichtete auf eine Autorisierung.

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