Lokalsport Mannheim

Stark im Sport (40) Die 13-jährige Ruth Hildebrand von der MTG will nach ihrer schweren Verletzung wieder durchstarten

„Ich liebe die Sprungdisziplinen“

Archivartikel

Mannheim.Der 6. Mai ist Leichtathletin Ruth Hildebrand in schmerzhafter Erinnerung. „Es war bei den Regionalmeisterschaften. Ich hatte meinen letzten Weitsprung vor mir, doch in meiner zweiten Disziplin Hochsprung hatten sich alle meine Konkurrentinnen schon eingesprungen. Also war ich zu hektisch, habe einen falschen Absprung erwischt, brach den Sprung ab und hörte bei der Landung, wie mein Bein brach.“ Die 13-Jährige kam sofort ins Krankenhaus, erfuhr erst später, dass sie mit neuer Bestmarke von 5,40 m gewonnen hatte, wurde tags darauf operiert und darf in zwei Wochen mit der Reha beginnen. „Es kribbelt, ich war ein paar mal im Stadion und hätte am liebsten mitgemacht.“ Doch auch wenn sie sich selbst als ungeduldigen Menschen bezeichnet, hört sie auf ihren Kopf. „Der sagt mir: langsam machen, Schritt für Schritt.“

Im Mai hatte sie nur auf ihr Bauchgefühl geachtet und den Rat ihrer Trainer beiseite geschoben: „Wir durften das erste Mal unser Programm selbst wählen. Meine Trainer haben mich vor zwei Starts so kurz hintereinander gewarnt oder mir zumindest geraten, auf den letzten Weitsprung zu verzichten. Jetzt bin ich um eine Erfahrung reicher.“

Die begeisterte Springerin, die im Dezember 2017 mit 16,89 m Silber bei den „Deutschen“ im Fünfsprung holte – das ist eine weniger belastende Variante des Dreisprungs für den Nachwuchs –, ist mit der Größe von jetzt schon 1,73 m geradezu prädestiniert für alle Sprungdisziplinen. „Die habe ich schon immer gemocht, aber früher habe ich auch die 800 Meter geliebt. Die sind jetzt ein Horror, weil ich mir beim Laufen meine Kraft nicht einteilen kann.“

Früher, das war vor 2015, als sie noch in Berlin lebte und als Siebenjährige beim VfL Fortuna Marzahn zur Leichtathletik kam. Dann wechselte 2014 der Vater aus beruflichen Gründen nach Mannheim. „Ich habe ihn in den Ferien besucht. Auf dem Weg zur Arbeit kamen wir immer am Stadion vorbei. Ich wollte dort unbedingt trainieren und dabei wurde ich von Cathleen Tschirch angesprochen.“ Dann ging alles schnell: Die Landestrainerin informierte über die Top-Bedingungen bei der MTG, im Sommer 2015 zog die ganze Familie Hildebrand nach Mannheim und „noch am selben Tag war ich im Stadion. Ich wurde sofort von allen ganz toll aufgenommen.“ Seither gilt Ruth, die später einmal Jura studieren will und deren Karriere einen olympischen Höhepunkt haben soll, als eines der größten Talente, das die MTG jemals hatte. Beispiel gefällig? Sie übersprang die Höhe von 1,60 m, ihr erster Dreisprungversuch lag bei 10,94 m.