Lokalsport Mannheim

Stark im Sport (Teil 33) Kunstturnerin Bea Fichtner von der TSG Ketsch/TG Mannheim auch nach Tiefschlägen mit Leidenschaft dabei

„Ich will mich durchbeißen“

Archivartikel

Mannheim.Bea Fichtner hatte in ihrem jungen Sportlerleben schon viele positive, aber auch einige negative Erlebnisse. Das tolle Gefühl, auf dem Podest zu stehen, genoss die Turnerin aus dem Mannheimer Leistungszentrum gerade bei den baden-württembergischen Meisterschaften, bei denen sie in der Altersklasse bis zwölf Jahre (AK 12) vier von fünf Titeln gewann. Gute Voraussetzungen für die deutschen Jugendmeisterschaften Ende April in Unterhaching, bei denen sie erstmals startberechtigt ist.

„Ich möchte ein Gerätefinale erreichen“, nennt sie ein vergleichsweise bescheidenes Ziel für die Meisterschaften. Das hat seinen Grund: Denn ihre Kunstturn-Karriere, die ab 2013 nur bergauf führte, wurde letztes Jahr jäh gestoppt. „Ich hatte plötzlich eine Blockade im Kopf und wollte bei der Akrobatik auf einmal keine Rückwärtsbewegungen mehr machen. Zumindest nicht im Training, denn in Wettkämpfen habe ich meine Übungen durchgezogen. Ich weiß, ich habe eine Macke“, sagt die Elfjährige selbstkritisch über sich selbst.

Geglückter Neuanfang

„Aber ich will mich Durchbeißen und aus dem Loch raus“, gab sie sich kürzlich selbst einen Ruck und wagte im Training aus eigenem Entschluss einige Elemente, die sie lange verweigert hatte.

Der Neuanfang, nach dem sie sich so sehnte, scheint nach dem vierfachen Goldcoup geglückt. Das war auch möglich, weil man ihr im Leistungszentrum (LZ) viel Zeit ließ, sie nie unter Druck setzte und Jürgen Kugler, ihr Heimtrainer bei der TSG Ketsch, in Sondereinheiten mit ihr an den Defiziten arbeitete. Kugler hatte sie im Kinderturnen der TSG Ketsch entdeckt und sie im Jahr 2013 zur Purzel-Olympiade nach Mannheim geschickt.

Sie gewann, durfte nach einem Probetraining im LZ bleiben und besucht deshalb seit 2016 die Feudenheim-Realschule, die eine Kooperation mit dem Teilzeitinternat des Bundesstützpunktes im Pfeifferswörth hat. „Mein Vater fährt Taxi und kann es meistens einrichten, mich morgens von unserem Wohnort Schwetzingen nach Mannheim zu bringen“, ist der Transport für sie kein Problem. Aufhören war für Bea nie ein Thema, nicht einmal, als im Training nur wenig funktionierte.

„Ohne Turnen würde mir in meinem Leben etwas fehlen, einen anderen Sport kann ich mir nicht vorstellen“, hat sie als Kind auch mal Fußball ausprobiert („aber ich habe Schiss vor Bällen“). Dass sie dem Talentkader des DTB/BTB angehört und sie bei der TG Mannheim in dieser Saison für das Bundesligateam gemeldet wurde, stärkt ihr zusätzlich den Rücken.

Den noch ausstehenden tatsächlichen Einsatz im Oberhaus bedauert sie nicht – ganz im Gegenteil: „Ich finde ich es gut, dass ich zur Zeit in der Oberliga turne. Dort bin ich im TGM-Team die erfahrenste und dort fühle ich mich wohl“, war sie zuletzt die Beste aller Starterinnen. Mit ihrer Riege ist sie sogar auf einem guten Weg, den Meistertitel von 2017 zu wiederholen.

Talente in Serie: In der Rubrik "Stark im Sport" stellen wir Talente in Sportarten vor, die sonst nicht so im Rampenlicht ste hen. Kennen Sie ein solches Talent, dann melden Sie sich unter 0621- 392-1354 oder sport@mamo.de 

Zum Thema