Lokalsport Mannheim

Leichtathletik Mit einem furiosen Finale sichert Hannah Mergenthaler der deutschen 400-Meter-Staffel Silber bei der U-23-EM

In der letzten Kurve die Lücke gefunden

Bydgoszcz.Die deutsche Fahne wollte Hannah Mergenthaler gar nicht mehr loslassen. Völlig erschöpft lag sie am Sonntagabend auf der blauen Laufbahn des Stadions im polnischen Bydgoszcz. Wenige Minuten zuvor hatte die Langsprinterin der MTG Mannheim in einem furiosen Finale der deutschen 4x400-Meter-Staffel die Silbermedaille bei der U-23-EM gesichert. Abgezockt wie ein alter Hase wartete die 20-Jährige auf der Schlussrunde ab. Und als die Britin und die Ukrainerin auf der Zielgeraden nach außen zogen, schlüpfte Hannah Mergenthaler innen durch und rang die Konkurrentinnen nieder. Hinter den beim Heimspiel vielumjubelten Polinnen (3:29,66 min) sicherte sich die deutsche Staffel in 3:30,18 Minuten Silber. Bronze ging an die Ukraine.

Pechvogel Jessica Wessoly

"Ich wusste, dass die beiden nach außen ziehen würden", jubelte Hannah Mergenthaler, als sie wieder zu Luft gekommen war. Für den Schützling von Michael Manke-Reimers war es die erste internationale Medaille. "Ich habe immer an meine Chance geglaubt, die Medaille noch zu sichern", sagte die Studentin.

Als Startläuferin hatte Hendrikje Richter (SCC Berlin) den Staffelstab an Laura Müller (LC Rehlingen) übergeben. Die EM-Zweite über 400 Meter führte die Staffel deutlich nach vorn. "In der Staffel gibt man immer noch ein Prozent mehr", sagte die deutsche 200-Meter-Meisterin. Den Stab hatte sie an Nelly Schmidt (LT DSHS Köln) übergeben. Diese schickte Hannah Mergenthaler auf die Reise, die in der letzten Kurve die Lücke suchte und fand.

Für die MTG-Sprinterin ist die Saison nun aber noch lange nicht vorbei. Die WM in London als Saisonhöhepunkt steht in drei Wochen an. Dort ist Hannah Mergenthaler ebenfalls über 4x400 Meter dabei, genauso wie Laura Müller. Dass sie in Zukunft ein fester Bestandteil der Nationalstaffel werden kann, hat die 20-Jährige mit ihrem taktischen Coup in Bydgoszcz jedenfalls eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Zu gern hätte auch Hannah Mergenthalers Vereinskameradin Jessica-Bianca Wessolly Edelmetall mit nach Hause genommen. Doch die MTG-Sprinterin lief bei ihrer internationalen Premiere keinen einzigen Wettkampf-Meter. Der Grund: Im 4x100-Meter-Vorlauf am Sonntag ging schon der erste Wechsel von Sina Mayer (LAZ Zweibrücken) auf Lisa Marie Kwayie (Neuköllner SF) komplett daneben. Jessica-Bianca Wessolly sollte an Position drei folgen. "Ich habe noch langsam, langsam gerufen. Aber da war es schon zu spät", sagte Sina Mayer, die am Freitag im 100-Meter-Finale Bronze gewonnen hatte.

Als die deutschen Sprinterinnen unverrichteter Dinge ins Ziel marschierten, war der Frust verständlicherweise groß. Schließlich war die Staffel Titelaspirant. Dennoch: Jessica-Bianca Wessolly wird die EM-Tage von Bydgoszcz in guter Erinnerung behalten. "Für mich war es wichtig, überhaupt einmal international dabei zu sein. Klar ist das Aus schade, zumal es ja auch nicht mit dem Einzelstart über die 200 Meter geklappt hat. Trotzdem war es ein tolles Gefühl, im Nationaltrikot auf der Bahn zu stehen", sagte die 20-Jährige.

Insgesamt darf die Athletin von Michael Manke-Reimers auf eine starke Saison zurückblicken. Mit einer neuen 200-Meter-Bestzeit von 23,26 Sekunden ist sie in der nationalen Spitze angekommen. Und vielleicht darf auch sie bald in die deutsche Fahne gehüllt über eine internationale Medaille jubeln - wie ihre Vereinskameradin Hannah Mergenthaler am Sonntagabend.