Lokalsport Mannheim

Handball-Badenliga Angesichts der Viernheimer Verletztenmisere bietet sich Friedrichsfeld im Derby plötzlich eine dicke Chance

„Jetzt hat sich eine Tür geöffnet“

Viernheim.Die Stimmung beim TSV Amicitia Viernheim ist vor dem Derby gegen den TV Friedrichsfeld kurz vor dem Nullpunkt. Die Badenliga-Handballer haben aufgrund von unglaublichem Verletzungspech einen in dieser Form nie erwarteten Saisonstart hingelegt, sind nach vier Spielen als einziges Team noch ohne Punkt am Tabellenende. Und ausgerechnet jetzt kommt auch noch Friedrichsfeld, das am vergangenen Wochenende mit einem überzeugenden 29:24-Erfolg in Stutensee kräftig Selbstvertrauen getankt hat.

TVF-Sprecher Florian Kuhn bringt es vor der Partie heute Abend um 19.30 Uhr in der Rudolf-Harbig-Halle auf den Punkt: „Vor der Saison hätte niemand damit gerechnet, dass wir in Viernheim eine Chance haben könnten. Aber jetzt hat sich eine Tür geöffnet. Wir fahren dorthin, um etwas zu holen. Die Ausfälle des TSV Amicitia wiegen schon sehr schwer.“

TVF ohne Eberlein

Doch die Friedrichsfelder, die ohne den Außenspieler Tim Eberlein (Sprunggelenksverletzung) antreten, lassen dabei nicht den nötigen Respekt vermissen: „Wir wissen alle, wie schwer es gerade in Viernheim ist. Und der Kader hat immer noch großes Potenzial“, warnt Kuhn davor, die Gastgeber zu unterschätzen. Friedrichsfelds Trainer Marco Dubois legt das Augenmerk insbesondere auf den torgefährlichen Sebastian Knierim, Dymal Kernaja und Tobias Seel: „Da haben sie schon Qualität, auch im Zusammenspiel mit dem Kreis.“ Dass mit Holger Hubert der Denker und Lenker des Angriffsspiels des TSV Amicitia wegen eines Bandscheibenvorfalls noch fehlt, sei zwar ein herber Verlust meint Kuhn, der sich aber auch vorstellen kann, dass der Routinier schon heute wieder mitwirkt.

Dies wollte Viernheims Trainer Frank Herbert nicht bestätigen. Definitiv fehlen werden aber Trainersohn Julius und Martin König. „Damit fällt weiterhin unser eigentlich gesetzter Mittelblock aus“, so der Coach. Längerfristig passen muss auch Torhüter Dennis Hoffmann, der sich einen Meniskusriss zuzog und bereits am nächsten Dienstag operiert wird.

Mit Patrick Koch und Raul Lazaro Garcia haben die Südhessen zwar noch ein gutes Duo in der Hinterhand, aber Hoffmann war zuletzt die Nummer eins und hat dem gebeutelten Team noch einigen Rückhalt gegeben. Ein Fragezeichen steht zudem hinter Dominik Seib, der wegen eine Grippe nicht trainieren konnte.

„Durch unsere Ausfälle ist leider die Sicherheit und die Stabilität, die wir in der Vorbereitung schon nach kurzer Zeit entwickelt hatten, völlig verlorengegangen“, hadert Frank Herbert, der einräumt, dass diese Niederlagen natürlich für Frust sorgen. „Bei der Mannschaft und auch bei mir. Aber da müssen wir jetzt durch.“

Auch sein Abteilungsleiter Ralf Schaal fordert Geduld mit Mannschaft und Trainer: „Wir hatten in den letzten Jahren immer Glück, blieben von vielen und auch langen Ausfällen verschont. Jetzt hat es uns knüppeldick erwischt. Das ist so im Sport. Wir müssen die Zeit überbrücken, bis wir wieder möglichst vollzählig sind und in dieser Zeit versuchen, ein paar Punkte zu sammeln.“

Den TV Friedrichsfeld schätzt Trainer Herbert als „sehr routinierte, gute Mannschaft“ ein. „Sie haben sich gut verstärkt, mit Julian Doppler einen richtig guten Akteur dazubekommen. Für mich ist überraschend, dass sie erst zwei Punkte geholt haben“, hat er beobachtet. Viermal hat er den TVF bereits gesehen, „weil sie bislang immer gegen unseren nächsten Gegner gespielt haben“, erklärt der erfahrene Trainer, der sich trotz der Personalmisere im Heimspiel etwas ausrechnet: „Wir müssen an uns glauben.“