Lokalsport Mannheim

Boxen Um bei den Sommerspielen 2020 in Tokio dabei zu sein, arbeitet die Viernheimerin hart

Kleinhans träumt von Olympia

Archivartikel

Heidelberg.Mit ihren zweifarbigen Trainingshandschuhen trägt Boxerin Maya Kleinhans bereits Gold auf dem schwarzen Leder um ihre Handgelenke. Edelmetall bei den Weltmeisterschaften ab 3. Oktober in Russland hat die dreifache Deutsche Meisterin des Box-Teams der Metropolregion Rhein-Neckar allerdings nicht im Visier – noch nicht. „Ich will unter die besten Acht kommen, um meine Perspektiven für Olympia zu verbessern“, schätzt die 25-jährige Sportsoldatin ihre Chancen realistisch ein.

„Mut und Kraft“, so Kleinhans, schöpfe sie bei ihrer Glaubensgemeinde in Mannheim. Viel Freizeit hat sie nicht, denn sechsmal wöchentlich arbeitet die Viernheimerin im Olympiastützpunkt (OSP) Rhein-Neckar in Heidelberg an ihrem Traum: Olympia 2020 in Tokio. Da Frauen bei den Spielen nur in fünf Limits antreten, hat sie ihr Kampfgewicht durch Umstellung der Ernährung um vier Kilogramm erfolgreich reduziert: In ihrem neuen Limit bis 60 Kilogramm gewann sie Anfang August den dritten nationalen Titel.

Ihr Vorbild ist die irische Rekordsiegerin Katie Taylor, die einst Eddie Bolger betreute. Neben ihm als heutigem Cheftrainer Deutschlands ist OSP-Trainer Vladimir Pletnev die wichtigste Bezugsperson im Boxen für Kleinhans.

Kickbox-Weltmeisterin 2014

„Er geht auf jeden individuell ein“, erklärt die nun für eine Leichtgewichtlerin vorteilhaft hochgewachsene Distanzboxerin mit langen Armen und schnellen Beinen. In der Kickboxschule von Ferdinand Mack in Mannheim hat für die Ausnahmeathletin mit rechter Führ- und linker Schlaghand vieles angefangen. 2014 wurde sie Weltmeisterin im Kickboxen. Ein erster Meilenstein. Erst vor drei Jahren wandte sie sich dem olympischen Boxen zu. Die Senkrechtstarterin wurde 2017 WM-Neunte. Bei der anstehenden WM werden entgegen der früheren Praxis bei vorolympischen Wettkämpfen keine Olympiastartplätze vergeben. Wie die Männer (WM vom 7. bis 21. September) qualifizieren sich die Frauen, darunter neben Kleinhans auch die WM-Starterinnen Azize Nimani und Irina Schönberger vom OSP, erst ab Februar bei zwei Turnieren für Tokio.

Hoffen auf Aufschwung

Dem krisengeschüttelten Box-Weltverband AIBA ist die Verantwortung für das olympische Turnier komplett entzogen worden. Bis alle Zweifel ausgeräumt sind, führt das Internationale Olympische Komitee (IOC) Regie bei den Boxern. „Unsere Zukunftsaussichten sehe ich trotzdem nicht schlecht“, sagt Kleinhans.

Durch die jüngsten Deutschen Meisterschaften habe das Boxen hierzulande Aufschwung erfahren. „Das war eine sehr gute Sache: Wir hatten die drittbeste Einschaltquote von allen“, freut sich Kleinhans über die mediale Aufmerksamkeit für die Titelkämpfe der Frauen und Männer bei „Die Finals“ von insgesamt zehn Sportarten in Berlin. Kleinhans’ Finalsieg im Fernsehen blieb nicht ohne Folgen: „Ich wurde kürzlich in Mannheim zum ersten Mal auf der Straße erkannt.“

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