Lokalsport Mannheim

Kanu Olympia-Hoffnung sieht in Brandenburg bessere Trainingsbedingungen / Kritik am baden-württembergischen Landesverband

Lemke begründet Potsdam-Wechsel

Mannheim.Silber bei den European Games in Minsk gewann der Kanute Max Lemke noch für den WSV Mannheim-Sandhofen, bei der WM im August in Szeged wird der Vierer-Weltmeister für den KC Potsdam starten. Nun gab der Sportsoldat den sofortigen Wechsel bekannt und wird in Zukunft auch in Brandenburg leben (wir berichteten bereits kurz). Der 22-Jährige geht keineswegs im Groll vom Club am Altrhein, dem er alles verdankt und in dem er 2009 unter den Fittichen des 2016 verstorbenen Trainers Gerd „Charly“ Riffel eine große Karriere startete, die bis jetzt in zwei WM-Goldmedaillen 2017 und 2018 mündete. Die Titelverteidigung 2019 ist das nächste Ziel, über allem aber steht die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio.

In Rio 2016 war der damals 18-Jährige zwar schon Ersatz, musste die Wettkämpfe aber von zu Hause aus beobachten. Um für Tokio im nächsten Jahr nichts dem Zufall zu überlassen, hat sich der gebürtige Heppenheimer, der in Lampertheim aufwuchs und in Mannheim Abitur machte, zum Wechsel nach Potsdam entschlossen. „Dort ist mein Bundestrainer Arndt Hanisch, dort habe ich mit vielen meiner Kollegen aus der A-Nationalmannschaft eine starke Trainingsgruppe“, erhofft er sich neue Anreize.

Das sportliche Umfeld in Brandenburg kennt er aus vielen Trainingslagern, deshalb „kam auch nur Potsdam als Alternative zu Sandhofen in Frage.“ Abgeworben wurde er nicht, auch finanziell stellt er sich nicht besser. „Ich habe mich zwei Jahre lang bemüht, in der Metropolregion wieder bessere Bedingungen für Hochleistungstraining zu schaffen“, fand Lemke sogar regionale Mitstreiter wie Thomas Sommer, den „Vize“ des hessischen Kanuverbandes, oder Rolf Driehorst vom LLZ an der Riedspitze. „Auch mit dem Olympiastützpunkt war im Grunde klar gemacht, dass ein zusätzlicher Coach nach Sandhofen kommt. Dann wäre das LLZ auch wieder attraktiv für andere Top-Athleten geworden. Ich hätte sicher neue Trainingspartner gefunden“, erklärt Lemke. Doch die Pläne wurden vom Bundesstützpunkt Karlsruhe und dem dort verantwortlichen Bundestrainer durchkreuzt. Auch vom baden-württembergischen Verband fühlte sich Lemke nicht unterstützt. „Mir ist es in den Strukturen des Kanu-Verbandes Baden-Württemberg nicht mehr möglich, meinen Sport in professioneller Art und Weise weiterzuführen. Mein großes Ziel Olympia in Tokio kann ich nur erreichen, wenn auch die Rahmenbedingungen stimmen und mir nicht ständig neue Steine in den Weg gelegt werden. Ich bin in diesem Jahr schon das dritte Bundeskadermitglied, das den Verband verlässt“, gab der Lampertheimer in einem Statement bekannt, hob darin aber die positive Zusammenarbeit mit Landestrainer Ralf Straub hervor.

Lemke verlässt seine Heimat mit einem lachenden, aber auch einem weinenden Auge. „Ich möchte mich vor allem bei meinem Team Tokio vom OSP Metropolregion Rhein-Neckar bedanken, das hier für mich den Löwenanteil gestemmt hat. Dem WSV bleibe ich als Vereinsmitglied natürlich treu“, betont Lemke. sd