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Judo 18-jähriger Mannheimer gewinnt Bronze bei der Junioren-WM in Marokko / Vertrauen des Bundestrainers zahlt sich aus

Louis Mai überrascht sich selbst

Archivartikel

Marrakesch.Louis Mai vom 1. Mannheimer Judoclub tauchte blitzschnell ab, drehte seinen Gegner Kosuke Mashijama einmal kräftig durch und auf den Rücken. Ippon, vorzeitiger Sieg und Bronze bei der Junioren-WM in Marokko. Damit war die kleine Sensation perfekt und Mai schlug deshalb fast etwas ungläubig die Hände vors Gesicht, bevor er befreit über die Matte hüpfte. In seinem ersten Jahr in der U 21 überraschte der 18-Jährige mit Platz drei beim Vergleich der weltbesten Nachwuchskämpfer.

„Ich hätte nicht gedacht, dass es so gut läuft, aber heute war ein überragender Tag. Mit einer Medaille habe ich überhaupt nicht gerechnet“, wollte er seinen Erfolg im kleinen Finale gegen Mashijama, den WM-Dritten des Vorjahres und Asia-Pacific-Meister mit dem japanischen Team, erst gar nicht glauben. „Ich war kein Favorit und konnte so freier kämpfen“, erklärte er in einem Online-Interview mit dem Deutschen Judobund den möglichen Schlüssel zum Erfolg.

Schwieriger Start ins Jahr

Dabei lief das Jahr nicht ganz wie geplant, denn im Frühling fühlte sich Mai noch in einem Leistungsloch. Doch dank Silber bei der U-21-DM, Platz zwei bei den German Open und Rang fünf beim Europa-Cup in Paks (Ungarn) qualifizierte er sich auf den letzten Drücker für die EM im finnischen Vantaa und wurde dort ebenfalls Fünfter. Diese Platzierung überzeugte Bundestrainer Pedro Guedes, ihn trotz einer extrem kurzen Vorbereitungszeit mit einem Lehrgang in Kienbaum und dem Olympic Training Camp in Rom auch für die WM zu nominieren. Ein Vertrauen, das Louis Mai, der auf dem Weg zum Treppchen einige Favoriten von der Matte fegte, mehr als rechtfertigte.

Nach einem Freilos besiegte der Mannheimer in der Klasse bis 90 kg den dreifachen EC-Medaillengewinner Francis Damier (Frankreich) nach zweieinhalb Minuten vorzeitig mit Ippon. Gar nur 13 Sekunden benötigte er gegen den Tschechen Martin Bezdek, der zuvor den an Platz drei gesetzten Afrikameister aus dem Turnier geworfen hatte. Doch dann machte der spätere Vizeweltmeister Roland Goz (Ungarn) kurzem Prozess mit Mai.

Der kämpfte danach also in der Trostrunde weiter und zog nach einem klaren Ippon-Erfolg über den Brasilianer Igor Morishigue (Zweiter der Panamerika-Meisterschaften) in die Bronze-Runde ein. Zunächst wurde er dort von Mashijama mächtig unter Druck gesetzt, doch der konnte keine Technik durchbringen. Nach fast drei Minuten setzte Mai dann blitzschnell eine große Abtauchtechnik (Kata Guruma) und warf den Japaner Ippon. Was folgte, war riesiger Jubel über die völlig unerwartete Medaille.

Mit dem DJB- Mixed-Team wurde Mai zudem Fünfter, insgesamt holten die deutschen Judoka bei der Junioren-WM dreimal Bronze und einmal Silber.

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