Lokalsport Mannheim

Radsport RRC-Endspurt-Größe Jürgen Walter wird 80 Jahre alt

Mannheimer „Seemann“

Archivartikel

Mannheim.Echte Matrosen sind in der Kurpfalz mangels Meer bekanntermaßen eher die Ausnahme, doch wenn in der regionalen Radsport-Szene vom „Seemann“ die Rede ist, wissen die Experten, um wen es geht. Gemeint ist natürlich Jürgen Walter (Bild), der 1967 im Trikot des RV Hamburg deutscher Straßen-Meister wurde und 1968 mit dem Straßen-Vierer des RRC Endspurt Mannheim einen weiteren nationalen Titel einheimste.

Seinen Spitznamen verdankt das RRC-Ehrenmitglied, das am Donnerstag seinen 80. Geburtstag feiert, seiner maritimen Vergangenheit, während der er als junger Mann auf einem Erzfrachter über die Weltmeere schipperte. Doch der Liebe wegen zog es ihn 1964 in Hamburg wieder an Land und dann parallel zu einer Ausbildung zum Kfz-Meister auch wieder in den Rennrad-Sattel. Auf dem hatte er bereits vor der Flucht in den Westen (1958) als Jugendlicher in Schwerin großes Talent gezeigt. Entsprechend schnell war Walter wieder in Tritt, drei Jahre später schnappte er sich im saarländischen Lebach dann einigermaßen überraschend den wichtigsten deutschen Einzel-Titel.

Triumphfahrt mit dem Vierer

Spätestens da geriet das Nordlicht ins Visier des damaligen Endspurt-Trainers Karl Ziegler, der auf der Suche nach zwei Spitzenfahrern war. Neben Algis Oleknavicius und Jürgen Tschan waren schließlich zwei Planstellen im Straßen-Vierer frei und neben Dieter Leitner (Dortmund) zog es dann auch Jürgen Walter in die Kurpfalz. Die Rechnung ging auf, der RRC-Vierer war 1968 über die 100-Kilometer-Distanz in der Rekordzeit von 2:09,32 Stunden nicht zu schlagen. Allerdings zahlten Leitner und Walter einen hohen Preis: Für die Olympischen Spiele 1968 in Mexiko wurden beide nicht für den Vierer nominiert, da die verschiedenen Landesverbände ausreichend repräsentiert sein sollten und die Konzentration beim RRC ein Problem darstellte. Wegen der Nicht-Nominierung zog sich Walter von der Nationalmannschaft und dem aktiven Radsport zurück und gab erst 1970 als 30-Jähriger nochmals für knapp zwei Jahre ein Comeback. Am Ende seiner Karriere, die er letztlich auch zugunsten der Familie beendete, standen rund 70 Siege.

Beruflich etablierte sich Walter danach als Kfz-Gutachter. Noch heute ist er dem RRC Endspurt eng verbunden und trotz norddeutschen Genen schon lange ein echter Mannheimer. Als Hobby gab der Jubilar das Radfahren übrigens nie auf und hält sich entsprechend fit: 500 bis 600 Kilometer pro Monat im Rennradsattel sind für den „Seemann“ keine Seltenheit. th (Bild: RRC)

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