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Fußball Den Wechsel von Offenbach zum Waldhof nahmen ihm einige OFC-Fans übel, doch der Neuzugang lässt sich nicht beirren

Marx schaut nur nach vorn

Archivartikel

Mannheim.„Da fehlt ja der Marx auf dem Bild.“ Solche und ähnliche Frotzeleien muss sich Waldhofs Neuzugang Jan-Hendrik Marx ab und an schon noch gefallen lassen, wenn seine neuen Mitspieler in der Kabine mit dem Finger auf das Foto deuten, auf dem die im Frühjahr mit 4:0 auf dem Bieberer Berg erfolgreiche Waldhof-Elf vor der eigenen Fankurve posiert. Schlimmer war da schon, was auf ihn einprasselte, als am 30. April sein Wechsel vom Erzrivalen aus Offenbach zum SVW bekanntgegeben wurde. „Danach habe ich ja noch einmal gespielt. In diesem Heimspiel gegen den VfB Stuttgart II musste ich mir schon einiges von den Fans anhören“, erinnert sich der gebürtige Bad Sodener nur ungern an diesen Nachmittag.

Doch nun geht der Blick nach vorne. Schließlich, so betont er, stehe er für Vereinstreue und habe sich nicht für einen Wechsel innerhalb einer Liga entschieden, „weil ich vielleicht woanders mehr Geld verdiene, sondern ich will nun in der 3. Liga den nächsten Schritt in meiner Karriere gehen.“

Die Vorfreude auf attraktive Gegner in der neuen Liga ist ihm anzusehen. Zu seinen bisherigen sportlichen Highlights zählt ein Benefizspiel des OFC gegen Bayern München, als er gegen die Bundesliga-Topstars auflaufen durfte. Und der nächste Höhepunkt steht schon vor der Tür, denn in der 1. Runde des DFB-Pokals heißt der Mannheimer Gegner am 11. August Eintracht Frankfurt. Jener Club also, bei dem Marx bis einschließlich zur U 17 alle Jugendmannschaften durchlief. Ab der A-Jugend trat Marx dann für den OFC an und holte in dieser Zeit das Fachabitur nach und schloss eine Lehre zum Bankkaufmann ab.

Leistungsträger am Bieberer Berg

Unter OFC-Coach Daniel Steuernagel und dessen Vorgänger Oliver Reck zählte Marx zu den Leistungsträgern und absolvierte 92 Pflichtspiele. Erst eine Verletzung im Frühjahr warf ihn zurück. Eine angerissene Sehne an der Fußunterseite machte dem 24-jährigen das Laufen zur Qual. „Hätte ich die Saison zu Ende gespielt, wäre ich jetzt noch zwei Wochen länger ausgefallen“, war für ihn das vorzeitige Ende der Spielzeit im Nachhinein die richtige Entscheidung. Mittels einer Eigenbluttherapie ließ sich die Genesung sogar beschleunigen. Ohne vorher mit der Mannschaft trainiert zu haben, stand er beim ersten Testspiel beim SV Harmonia Waldhof wie auch jetzt am Donnerstag in Pirmasens für jeweils eine Halbzeit auf dem Feld. „So früh habe ich nicht unbedingt mit ihm gerechnet“, sieht Trainer Bernhard Trares mit Freude, wie da einer nach seiner Zwangspause richtig durchstartet.

Jan-Hendrik Marx wird auch dringend gebraucht – denn mit Marco Meyerhöfer hat der SVW einen absoluten Leistungsträger verloren. Die entstandene Lücke auf der rechten Abwehrseite schließen soll nun eben jener Marx. „Ich mag das Spiel nach vorne und komme über meine Schnelligkeit“, sieht sich der 24-Jährige auf dieser Position bestens aufgehoben und kann sich über Vorschusslorbeeren freuen. „Wir sind überzeugt, dass er uns weiterhelfen wird“, hält nicht nur Waldhofs Sportlicher Leiter Jochen Kientz große Stücke auf den Neuzugang.

Kurios ist, dass die letzten drei Rechtsverteidiger beim SVW jeweils mit ihrem Vorgänger auf dieser Position in der Eintracht-Jugend zusammengespielt haben – also Marx mit Meyerhöfer und Meyerhöfer mit Marco Müller.

Noch hat der Waldhöfer Neuzugang „sturmfreie Bude“. „Meine Freundin macht erst noch ihre Ausbildung zu Ende. Geplant ist, dass wir dann in sechs Monaten zusammenziehen“, berichtet Marx. Bis dahin nutzt er trainingsfreie Tage zur kurzen Fahrt in die alte Heimat, auch um alte Freundschaften weiter zu pflegen. Denn diese haben durch den Wechsel zum Offenbacher Erzrivalen nicht gelitten.