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Fußball Rücktritt als Behinderten-Fanbetreuer

Mildenberger redet Klartext

Weinheim/Hoffenheim.Der am Wochenende erfolgte Re-Start der Fußball-Bundesliga sorgt für gesellschaftlichen Zündstoff und wird laut Umfragen von einer Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt. Ein klares Zeichen im Zusammenhang mit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs in 1. und 2. Bundesliga hat jetzt der Weinheimer Michael „Charly“ Mildenberger gesetzt. Der 54-Jährige legte sein Ehrenamt als Behindertenfanbetreuer beim Erstligisten TSG 1899 Hoffenheim mit sofortiger Wirkung nieder. Hintergrund ist seine Kritik am Verhalten des Vereins beim Neustart der Bundesliga.

Mildenberger rief das Projekt Behindertenfanbetreuung vor rund zwölf Jahren noch zu Hoffenheimer Zweitligazeiten ins Leben und betreute es seitdem im Auftrag des Vereins. Damit ist jetzt Schluss. Auslöser für den Rücktritt des Weinheimers war die Wiederaufnahme des Bundesliga-Spielbetriebs mit Hoffenheimer Beteiligung.

Seit zwölf Jahren bei 1899

„Wenn man wie ich im sogenannten ,systemrelevanten‘ Bereich arbeitet, pflegebedürftige, geistig Behinderte und/oder psychisch erkrankte Menschen betreuen darf und dabei unmittelbar die Folgen und Konsequenzen der sogenannten Corona-Krise erlebt, dann ist es für mich nicht nachvollziehbar, wie ein Verein und die Funktionäre der TSG dieser Wiederaufnahme des Spielbetriebs tatenlos zustimmen und mitwirken“, erklärte der gelernte Heilerziehungspfleger, der als Bereichsleiter Behindertenhilfe für das Pilgerhaus Weinheim arbeitet.

„Begriffe der ,TSG-Familie‘ wie ,soziale Verantwortung, Bildung und Gesundheit, Vorbildfunktion für Jugend und Gesellschaft, Innovation und Weitblick, Fürsorge und Inklusion‘ haben mich all die Jahre mitbegleitet und sind Werte, auf die man stolz sein darf. Leider kommen diese hier nicht oder nur bedingt zum Tragen. Vielmehr hätte ich mir eine klare Positionierung, Haltung und Vertretung dieser Werte gewünscht, um sich gegen eine Wiederaufnahme zum jetzigen Zeitpunkt zu stellen“, führt Mildenberger aus. 

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