Lokalsport Mannheim

Bilanz DBB-Präsident Weiss verteidigt Modus / Leichter Zuschauerrückgang

Nicht nur Sonnenschein

Archivartikel

Mannheim/Viernheim.Etwas nachdenklich klang Ingo Weiss, der Präsident des Deutschen Basketball-Bundes (DBB), schon, als die Frage nach dem Fazit kam – und nach den Zuschauerzahlen bei der 29. Auflage des Albert-Schweitzer-Turniers (AST) in Mannheim und Viernheim. „Ich bin mit den Zahlen zufrieden, aber nicht sehr zufrieden“, hielt der 54-Jährige nach dem siebten und letzten Turniertag am Samstag fest.

Insgesamt 20 113 Zuschauer kamen nach DBB-Angaben in die GBG Halle am Herzogenried – wo die Spiele der deutschen Vorrundengruppe A, die Zwischenrunde und der Finaltag stiegen – und in die Waldsporthalle Viernheim, in der die Begegnungen der Vorrundengruppe B und zwei Platzierungsspiele zu sehen waren. Das sind 1251 Menschen weniger als beim AST 2016.

Weiss sprach von „ein paar Drumherum-Faktoren“, die zum leichten Rückgang beigetragen hätten: „Am Finaltag war es voll und gut. Aber wenn zum ersten Mal im Jahr strahlender Sonnenschein ist, kann ich verstehen, wenn viele Leute in den Park gehen. Wenn die Adler parallel hier in Mannheim spielen, zieht das natürlich auch Fans an.“

Der Turnierstart am Karsamstag, an dem die Eishockey-Adler auf den EHC München trafen, zählte mit knapp 700 Zuschauern zu den besucherschwächeren Tagen. „Die Zuschauerzahl war am ersten Tag wieder relativ gering. Warum das so ist, weiß ich nicht. In den folgenden Tagen sind die Zahlen kontinuierlich gestiegen“, betonte Weiss. Beim Türkei-Spiel am Ostermontag sei die GBG Halle „zu 85 Prozent ausverkauft“ gewesen: „Viel mehr können wir gar nicht verkaufen, weil wir bis zu 700 Akkreditierungen haben.“

„Das Glas halbvoll sehen“

Den Modus mit zwölf statt früher 16 Teams verteidigte Weiss – und auch die Devise, auf Teams von allen Kontinenten zu setzen. „Wir schweben immer zwischen sportlichen Höhepunkten und unserem Motto ‚Freundschaft durch Sport‘“, bekräftigte er. Auf den Hinweis, dass etwa das US-Team seine besten Talente nicht zur inoffiziellen Junioren-WM schickt und Top-Nationen wie Spanien oder Serbien fehlen, entgegnete er: „Man kann das Glas auch halbvoll betrachten. Die Russen haben extra ihren Ligabetrieb unterbrochen, weil sie das AST als ernsthafte Vorbereitung auf die EM sehen. Die Franzosen und Italiener haben das Gleiche gesagt. Die Spanier wären total gerne hier, haben nach einem Etateinbruch aber zurzeit kein Geld dafür. Wir haben in beiden Hallen sehr guten Basketball gesehen.“

Sehr zufrieden war der DBB-Präsident mit dem sportlichen Verlauf des Turniers. „Wenn die Jungs im Sommer bei der EM auftauchen, sind sie ein Kandidat für das Halbfinale. Das haben hier alle respektvoll gesehen. Unsere Nachwuchsarbeit gibt den Jungs ein breites Kreuz. Das ist wichtig, um am Ende des Tages so cool zu sein wie Luc van Slooten“, meinte Weiss. Der erst 15-jährige Small Forward von Zweitligist Rachta Vechta hatte Weiss mit einem vorentscheidenden Dreipunktewurf im Halbfinale gegen Russland (80:75) imponiert. „Er und Ariel Hukporti sind 2020 ja wieder dabei. Und die U 16, zu der sie noch gehören, ist auch nicht schlecht.“

Das Albert-Schweitzer-Turnier soll auch künftig ein Gradmesser für den deutschen Nachwuchs-Basketball bleiben – und zwar in der Region. Schon unter der Woche hatte Weiss Gespräche mit den Städten Mannheim und Viernheim angekündigt, um den 2022 auflaufenden Vertrag vorzeitig bis 2030 zu verlängern. Mannheims Bürgermeister Lothar Quast und Viernheims Stadtoberhaupt Matthias Baaß bestätigten bei der Siegerehrung ihre Gesprächsbereitschaft.

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