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Leichtathletik Hürden-Bundestrainer und MTG-Leistungssportchef Rüdiger Harksen hat Geburtstag und blickt bereits auf Tokio 2020

Noch viel Ideen für die Zukunft

Archivartikel

Mannheim.Hürden-Bundestrainer Rüdiger Harksen wird die Leichtathletik-WM in Doha (27. September bis 6. Oktober) zu Hause im Fernsehen verfolgen – und freut sich richtig darauf. Da von seinen Schützlingen nur Cindy Roleder an den Start geht, überlässt er die Betreuung vor Ort ihrem „sehr erfahrenen und guten“ Hallenser Heimtrainer. So kann er am Montag, 23. September, seinen 65. Geburtstag mit seiner Frau in einem kurzen Urlaub in Tirol feiern.

„Aber mit Beginn der WM bin ich zurück“, lässt er sich von dem „gigantischen Ereignis“ keine Minute entgehen und fiebert vor allem den Sprint-, Hürden- und Staffel-Wettbewerben entgegen – oder dem Speerwurf der Männer. Mit Patrick Domogala, Jessica-Bianca Wessolly, Lisa Nippgen und Andreas Hofmann – Schützlinge seiner Trainerkollegen Michael Manke-Reimers, Valerij Bauer und Lutz Klemm – kann er immerhin einem Quartett von der MTG die Daumen drücken. Als Leichtathletik-Verantwortlicher des Olympiastützpunktes hat auch Weitspringerin Malaika Mihambo seine besondere Aufmerksamkeit.

Neuaufbau Richtung Olympia

Die kurze Enttäuschung, dass sich keine seiner eigenen MTG-Athletinnen für die Titelkämpfe in Katar qualifizierte, ist längst der Energie für den Neuaufbau in Richtung Olympische Spiele in Tokio gewichen. „In meiner Trainer-Karriere seit 1980 habe ich so gebündelte Ausfälle noch nicht erlebt“, sagt er zur Verletzungsmisere von Nadine Gonska, Ricarda Lobe, Hannah Mergenthaler und Lisa Mayer. „Die Enttäuschung ist der Einsicht gewichen, dass Hochleistungssport nur mit einem völlig gesunden Körper funktioniert. Natürlich haben wir zusammen mit Ärzten und Physiotherapeuten auch analysiert, was schief gelaufen ist und eine Reihe von möglichen Ursachen gefunden. Wir können nicht ausschließen, dass es noch Nachwirkungen der EM 2018 in Berlin waren, da die gesamte Nationalmannschaft von Ausfällen betroffen ist. Auch unsere harte Bahn im Michael-Hoffmann-Stadion ist für Sehnen- und Muskelverletzungen nicht förderlich. Und die brauchen Zeit, um auszuheilen. Das ist geschehen, Anfang der Woche haben wir mit dem Wintertraining begonnen.“

Tokio 2020 (24. Juli bis 9. August) sollen Harksens achte Olympische Spiele werden, bei denen er selbst dabei ist. Dass er ab Mai 2020 offiziell Pensionär ist, spielt bei der gezielten Vorbereitung keine Rolle. Doch auch danach hängt der inzwischen zweifache Großvater seinen Beruf nicht an den Nagel. „Ich bin mit Leib und Seele Trainer, es ist nach wie vor eine faszinierende Aufgabe, junge, leistungswillige Leute aufzubauen. Ich werde mich verstärkt in der MTG engagieren, mich dort einbringen, wo ich gebraucht werde, weiterhin international bei Kurzzeitprojekten und als Referent auftreten“, fühlt er sich körperlich und geistig noch viel zu fit für den Ruhestand. Außerdem gehört er seit ein paar Wochen zu den Sachkundigen Einwohnern im Mannheimer Sportausschuss.

„Ich habe kürzlich eine Aussage von Reinhold Messner gehört, die auch zu mir passt: ‚Meine Kraft schöpfe ich aus den Ideen für die Zukunft, nicht aus den Leistungen, die hinter mir liegen‘.‘‘

Unvergessliche Momente

Gleichwohl können die sich sehen lassen: Sieben Olympische Spiele, jeweils elf Europa- und Weltmeisterschaften im Freien und nochmals so viele in der Halle. 18 internationale Medaillen, seine MTG-Asse gewannen zudem rund 75 deutsche Titel. In seinen knapp 40 Trainerjahren gab es ein paar unvergessliche Momente: 1981 DM-Gold seines Zehnkämpfers Andreas Rizzi, 1988 die erste olympische Hürden-Medaille von Claudia Zaczkiewicz (Bronze), die sechs EM-Medaillen von Kirsten Bolm und Carolin Nytra.

„Der emotionalste Moment aber war Bronze der von mir betreuten Staffel-Mädels bei der WM 2009 in Berlin. Der hat sich in meine sportliche Seele eingebrannt.“

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