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Leichtathletik Organisator Frank Kowalski äußert sich zu den Neuerungen bei der EM in Berlin

„Pro Tag eine deutsche Goldmedaille möglich“

Berlin.Frank Kowalski (54) ist als Geschäftsführer der Organisations-GmbH „Berlin 2018“ mit einem 55-köpfigen Team für die Vorbereitung und Durchführung der 24. Leichtathletik-EM im Berliner Olympiastadion verantwortlich. Kowalski, der von 2008 bis 2015 Veranstaltungsdirektor im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) war, spricht im Interview über die Neuerungen bei der EM und den Endspurt bis zum Startschuss am 7. August.

Herr Kowalski, wie ist der Stand der Vorbereitungen für die EM?

Frank Kowalski: Wir sind für die EM auf der Zielgeraden und werden noch den Feinschliff für das größte Sportereignis in Deutschland in diesem Jahr vornehmen.

Welche Ansprüche haben Sie?

Kowalski: Wir wollen mit einer kompakten Veranstaltung die Zuschauer für die Leichtathletik begeistern und neue Zielgruppen für die Sportart zurückgewinnen. Dies möchten wir mit einem straffen Zeitplan und einer engen Lenkung der Zuschauer erreichen. Dazu wird es erstmals fünf Videowände im Stadion geben sowie LED-Banden, mit denen wir auch über Zeitpläne, Zwischenstände informieren und sie für Zuschaueranimationen nutzen.

Leichtathletik-Veranstaltungen werden oft kritisiert, weil sie zu langatmig und deshalb nicht mehr zeitgemäß sind und dass die Übersichtlichkeit fehlt. Wird sich daran etwas ändern?

Kowalski: Wir haben den Zeitplan stark gestrafft und so gestaltet, dass jede Abendveranstaltung zwischen 18.30 und 22 Uhr wie ein Leichtathletikmeeting präsentiert wird. Bei den Weit- und Dreisprung-Wettbewerben kommt erstmals die Laser-Weitenlinie zum Einsatz, mit der wir den Zuschauern optische Orientierungshilfen geben wollen.

Inwieweit spielt die WM von 2009 bei den Vorbereitungen eine Rolle?

Kowalski: Wir sind keine WM und wollen sie auch nicht kopieren. Wir können aber Strukturen von damals übernehmen, was die Arbeit erleichtert.

Der Etat der EM liegt bei 34 Millionen Euro, Bei einer Fehlbedarfsfinanzierung von 13 Millionen durch den Berliner Etat müssen Sie einen Großteil durch Ticketing, Vermarktung und Merchandising finanzieren. Wie ist der Stand in Sachen Ticketverkauf?

Kowalski: Ich denke, dass wir unser Ziel, über 300 000 Zuschauer ins Stadion zu bringen, erreichen werden.

Die EM in Berlin ist Teil der European Championchips mit sechs fast gleichzeitig in Glasgow stattfindenden Europameisterschaften im Kunstturnen, Rudern, Radfahren, Schwimmen, Team-Golf und Triathlon. Was steckt dahinter?

Kowalski: Dies ist ein völlig neuer Ansatz, der in Richtung europäische Sommerspiele geht. Dahinter steckt vor allem eine neue mediale Begleitung dieser Sportarten. Für die Leichtathletik wird in diesem Konzept eine Erhöhung der TV-Präsenz um rund 20 Prozent erwartet.

Der Erfolg der EM hängt sicher auch vom sportlichen Abschneiden des deutschen Teams ab.

Kowalski: Wir Deutschen sind ein weltoffenes faires Publikum, aber natürlich wollen wir auch deutsche Erfolge sehen. Bei einer EM haben wir sicherlich auch in Disziplinen Medaillenchancen, in denen wir nicht Weltspitze sind. Wir haben den Zeitplan so gestaltet, dass pro Tag eine Goldmedaille für das deutsche Team möglich ist.

Worin liegt die Ausstrahlungskraft dieser EM?

Kowalski: Dass sie im schönsten Leichtathletik-Stadion der Welt stattfindet. Wir kämpfen mit dieser EM auch für den Erhalt der blauen Laufbahn im Olympiastadion und der Erkenntnis: Die Leichtathletik gehört in dieses Stadion.

Ein Teil der Veranstaltung findet aber auch außerhalb des Stadions in der Stadt statt. Warum diese Auslagerung?

Kowalski: Mit der Europäischen Meile am Breitscheidplatz und der Gedächtniskirche wollen wir ein spürbares und werthaltiges Europafest initiieren. Der Breitscheidplatz besitzt seit dem schrecklichen Attentat 2016 eine noch größere hohe Symbolkraft. Die Sicherheitsvorkehrungen sind auch nicht zuletzt deshalb deutlich gestiegen. Diese im Olympiastadion und in der Stadt zu gewährleisten, ist eine unserer größten Herausforderungen.

Welche Inhalte stehen in der Stadt auf dem Programm?

Kowalski: Neben Start und Ziel der Straßenwettbewerbe wird es erstmals bei einer Leichtathletik-EM Siegerehrungen in einer eigenen Arena am Breitscheidplatz geben, die wir am Tag nach den Entscheidungen im Olympiastadion dort durchführen werden.

Welches Ziel haben Sie?

Kowalski: Dass wir uns mit der EM 2018 in Berlin in den Reigen der außergewöhnlichen Leichtathletik-Großveranstaltungen in Deutschland von EM und WM in Stuttgart 1986 und 1993, der EM 2002 in München der WM 2009 in Berlin einreihen können.