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Handball Neben dem sportlichen Existenzkampf in der Bundesliga müssen die Ludwigshafener nun auch gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise bestehen

Saisonpause erschüttert den Eulen-Horst

Archivartikel

Ludwigshafen.Die meisten Eulen-Fans dürften sich noch gerne an das vergangene Jahr erinnern. Anfang Juni 2019 feierten die Ludwigshafener Bundesliga-Handballer in einem dramatischen Finale den Klassenerhalt. Es war ein kleines Handball-Wunder – Zuschauer, Spieler, Offizielle der Eulen lagen sich in den Armen. Es waren fantastische Freudenszenen, die sich auf dem Spielfeld der Friedrich-Ebert-Halle abspielten. Neun Monate später ist die Partystimmung nur noch schöne Vergangenheit. In der Ebert-Halle ist noch Betrieb, doch angesichts der Szenerie kann einem mulmig werden: Auf dem Spielfeld hat die Stadt ein Notquartier eingerichtet, falls die Patientenanzahl infolge der Corona-Pandemie die Kapazitäten im städtischen Klinikum sprengen sollte. „Das zeigt, wie ernst die Situation ist“, erklärt Lisa Heßler, die Geschäftsführerin der Eulen.

Die 30-Jährige arbeitet derzeit wie alle Mitarbeiter der Geschäftsstelle im Homeoffice. „Das Wichtigste ist aktuell, dass alle zu Hause bleiben. Die Spieler sollen versuchen, so gut es geht, sich daheim alleine fit zu halten.“ Alle bei den Eulen wollen ihren Teil dazu beitragen, damit bald wieder solche Szenen wie im vergangenen Juni zu sehen sind. „Wir haben als Verein eine Verantwortung“, macht Heßler klar.

Klar ist aber auch: Die Corona-Krise trifft den Bundesligisten selbst ganz hart und lässt ihn in seinen Grundsäulen erbeben. Die Saisonaussetzung bedeutet viele Ausgaben, aber viel weniger Einnahmen als geplant. „Normalerweise stehen zu dieser Zeit viele Gespräche an“, sagt Heßler und betont: „Wir sind ein Club mit knapp 30 Mitarbeitern, über 100 Partner-Unternehmen und tausenden von Fans, für die wir eine Verantwortung tragen. Daher sind wir mehr denn je auf die Solidarität aller angewiesen und müssen, wenigstens bildlich gesprochen, noch enger zusammenstehen.“

Und die Eulen haben bereits ein Zeichen gesetzt: Spieler und Mitarbeiter der GmbH verzichten wie berichtet geschlossen auf einen Teil ihres Gehalts, um den Verein zu entlasten. Kapitän Gunnar Dietrich sagt: „Wir als Mannschaft stehen geschlossen hinter dem Club und daher war es für uns selbstverständlich, dass wir unseren Beitrag leisten werden und auch ein Zeichen setzen.“ Geschäftsführerin Heßler macht klar: „Wie alle hier bereit sind, einen ersten wesentlichen Schritt zu gehen und ihren Teil beizutragen – immer vor dem Hintergrund, dass jeder weiß, dass wir ohnehin ein geringeres Lohnniveau haben – das ist schon sehr speziell.“

Die Planungen für die nächste Saison, die Suche nach Spielern und die Kommunikation mit den Sponsoren und Partnern – diese Dinge stehen weiter auf dem Tagesplan. „Allerdings weiß natürlich keiner, wie die Zukunft wird. Das macht das alles natürlich sehr, sehr schwierig“, sagt Heßler.

Mit Christian Klimek haben die Eulen schon einen Transfer vermeldet. Der 30-jährige Kreisläufer kommt im Sommer vom TBV Lemgo-Lippe und hat einen ligaunabhängigen Vertrag bis zum Juni 2022 unterschrieben. Und bei den Eulen hoffen alle, dass dieser Vertrag auch Bestand hat.

Einige Bundesligaklubs wie zum Beispiel der SC Magdeburg haben ihre Spieler unterdessen in Kurzarbeit geschickt. Staatliche Hilfe zu beantragen, schließt auch Heßler derzeit nicht aus.

Das Prinzip Hoffnung regiert

Das Wort Kurzarbeit nimmt sie zwar nicht in den Mund, betont aber: „Wir führen derzeit ganz viele Gespräche. Da werden auch solche Dinge diskutiert.“ Von der Handball-Bundesliga fühlt sich die Eulen-Geschäftsführerin gut unterstützt. „Die Kommunikation zwischen den Klubs der Ersten und Zweiten Liga ist toll. Ich würde schon sagen, dass sich die Vereine sehr gut unterstützen.“

Momentan gilt aber auch bei den Eulen: Abwarten und Hoffen. Etwa dass in der Ebert-Halle bald wieder über Tore gejubelt werden darf und das Notlager nicht gebraucht wird. „Der Sport hat eine ganz wichtige Funktion“, betont Heßler, die wie alle bei den Ludwigshafenern optimistisch bleiben will. Der Zusammenhalt sei die große Stärke des Vereins. Wie man große Spiele gewinnen kann, wissen die Pfälzer. Und vielleicht dürfen sie im Juni auch wieder jubeln – selbst wenn die Prognosen schlechtstehen. Der Bundesligist ist der beste Beweis: Manchmal werden wie vor einem Jahr auch (Handball-)Wunder wahr.

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