Lokalsport Mannheim

Nachruf Judo-Legende stirbt bei Senioren-WM in Mexiko

Schnabel verliert letzten Kampf

Archivartikel

Mannheim.Im September feierte er seinen 71. Geburtstag und freute sich auf die Reise nach Mexiko zu den Veteranen-Weltmeisterschaften, für er sich als Europameister qualifiziert hatte. Judo-Altmeister Arthur Schnabel (Bild) erfüllte sich in Cancun am vergangenen Wochenende den Traum von einer Medaille und musste sich erst im Finale geschlagen geben. Doch es war sein letzter Fight. Wie erst jetzt bekannt wurde, brach er am Montagabend (Ortszeit) in Mexiko in seinem Hotel zusammen und konnte nicht mehr wiederbelebt werden.

Doch Arthur Schnabel hat Spuren hinterlassen. Nicht nur, weil sich der unermüdliche Kämpfer immer für den Judosport stark machte und selbst das beste Vorbild war, sondern weil er trotz professionellen Trainings immer auch seinem Beruf als Bäcker- und Konditormeister nachging – und dafür auf viele Trainingslager, Lehrgänge oder Meisterschaften verzichtete. Doch er machte das Beste aus der Situation, als er im Untergeschoss seines eigenen Cafés mit Bäckerladen ein Fitnessstudio einrichtete und dort Kinder und Senioren trainierte.

Dass er Café und Judo-Club „Olympia“ nannte, spricht Bände, denn Olympische Spiele waren für ihn das Größte. Dreimal war er qualifiziert (1976, 1980, 1984), in Moskau – auf dem Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit – fiel der Start wegen des Boykotts ins Wasser. In Los Angeles erfüllte sich dann aber sein Traum von einer Medaille. Er holte Bronze und gewann damit die erste deutsche olympische Judo-Medaille nach dem Krieg. Ein Riesenerfolg für den am 16. September 1947 in Schweigern geborenen, in Mannheim aufgewachsenen Späteinsteiger, der erst mit 22 Jahren zum Judo fand. Für den 1. Mannheimer Judoclub gewann er 1979 den ersten seiner sieben DM-Titel, schon 1975 wurde er in den Nationalkader aufgenommen. Bis zu seinem Rücktritt 1988 wurde das Ehrenmitglied des 1. MJC siebenmal Europameister (viermal im Einzel, dreimal mit dem Team) und holte mit dem JC Rüsselsheim zweimal den Europapokal.

Zahllose Veteranen-Titel

Da er auch noch mit 40 Jahren bei den Aktiven vorne mitmischte, ist es kein Wunder, dass er – nach einem national und international erfolgreichen Ausflug in das Ringen und den Sumo-Sport – bei den Judo-Senioren weitermachte und dort die Szene aufmischte. Er selbst hatte den Überblick über seine Veteranen-Titel verloren, doch vor einem Jahr bejubelte er seinen sechsten WM-Titel als „vorläufigen Höhepunkt“. Im Juni holte der 15-fache Deutsche Meister sein siebtes EM-Gold. „Ich kämpfe, solange ich fit bin“, hatte er da gesagt. Umso überraschender kam nun sein Tod. (Bild: Rittelmann)