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Breitensport Landessportbünde sorgen sich um die Basis – und schauen am Mittwoch gespannt nach Berlin

Sportvereine: Es drohen Insolvenzen

Archivartikel

Frankfurt.Der Ball ruht, die Sportstätten sind gesperrt. Die Coronavirus-Pandemie hat den deutschen Breitensport Mitte März flächendeckend gestoppt, vielen Sportarten drohen auch nach den ersten sechs Wochen noch immer monatelange Pausen. Alle blicken gespannt auf den Mittwoch, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei einem Treffen mit den Ministerpräsidenten auch über den Sport reden will. Die Deutsche Presse-Agentur hat die Präsidenten der Landessportbünde zum aktuellen Stand befragt und beantwortet die wichtigsten Fragen zu den gegenwärtigen Sorgen des Amateursports.

Welche finanziellen Schäden drohen den Clubs?

Die Zahlen differieren, weil das Krisenende noch nicht absehbar ist und jeder Landessportbund anders rechnet. Mancher mit Proficlubs, mancher ohne. Hessen geht schon jetzt von „einem hohen zweistelligen Millionenbetrag“ aus, in Berlin ergeben alleine die bisherigen Rückmeldungen von Vereinen aus dem Breiten-, Gesundheits- und Rehasport eine Summe von sechs Millionen Euro. In digitalen Meldesystemen haben bereits tausende Vereine ihre erwarteten Einbußen beziffert. Der Württembergische Landessportbund stuft die finanziellen Ausfälle allein für den Zeitraum seit Mitte März als „Besorgnis erregend“ ein.

Welche Sportarten sind besonders betroffen?

Es gibt sportartenspezifische Unterschiede. Manche hätten noch nichts angemeldet, bei anderen geht es schon jetzt um die Existenz. Der LSB Bremen wies vor allem bei Reitvereinen auf große Probleme hin: Fehlt das Geld fürs Futter, wäre die Alternative das Schlachten. Besonders betroffen sind mittelgroße und große Vereine, Vereine mit eigenen Sportanlagen, mit Kursangeboten und festangestellten Mitarbeitern. Darüber hinaus sind diejenigen Clubs mit erheblichen Risiken konfrontiert, die professionellen und semiprofessionellen Sport anbieten und auf Zuschauer angewiesen sind.

Welche Maßnahmen ergreift die Politik, um zu helfen?

Einige Länder haben schon Hilfen angekündigt. So wurde in Hamburg mit den Behörden ein „Nothilfefonds Sport“ in Höhe von fünf Millionen Euro verhandelt, der den Vereinen nicht rückzahlbare Zuschüsse bis zu 25 000 Euro zur Verfügung stellt. Mecklenburg-Vorpommern stellt existenzbedrohten Vereinen bis zu 3,5 Millionen Euro in Aussicht. Der Landessportbund Sachsen hat seinen Vereinen Unterstützung in Form einer einmaligen Soforthilfe-Zahlung von bis zu 10 000 Euro und Liquiditätsdarlehen von bis zu 350 000 Euro angeboten. Viele Funktionäre hoffen sehr auf die Einrichtung eines Solidarfonds für den Sport, insbesondere für den Vereinssport.

Welche Spätfolgen könnte die derzeitige Lage haben?

Bei noch längerem Stillstand drohen Mitgliederaustritte und zahlreiche Insolvenzen. Zudem ist die Frage, ob und wie hauptamtliche Mitarbeiter und Trainer gehalten werden können – auch mit Blick auf die olympischen Spitzensportler. Der Sport und seine Vereine sind nicht nur ein wirtschaftlicher, sondern vor allem auch sozialer Pfeiler der Gesellschaft. Nicht absehbar sind die physischen und psychischen Schäden, die durch Nichtbewegung und Wegfall der Sozialkontakte entstehen – da geht es um Integration, Inklusion, Gesundheitsförderung oder Rehabilitation. Auch viele Kinder und Jugendlichen sind vom Sport-Stopp massiv betroffen.

Was sind die größten Herausforderungen für die Vereine?

Die Sicherung der Vereinsstruktur und der Mitgliedsbestände steht im Mittelpunkt wie auch die Sicherung von Arbeitsplätzen für Angestellte und Trainer sowie die Milderung der finanziellen Risiken. „Die Einstellung des kompletten Sportbetriebs ist ein bislang einmaliger Vorgang, der eine Vielzahl von Konsequenzen hat. Je länger der Zustand anhält, umso schwieriger wird es“, hieß es vom Hamburger Landessportbund. Sollte Sport wieder erlaubt sein, gilt es natürlich auch dort, die notwendigen Hygieneregeln umzusetzen, das wird von Sportart zu Sportart unterschiedlich schwierig umzusetzen sein. dpa

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