Lokalsport Mannheim

Fußball Landesligist VfL Kurpfalz will den Aktiven-Bereich besser mit dem Unterbau verzahnen und wieder zur Talentschmiede im Mannheimer Süden werden

Trainer-Trio soll Neckarau beflügeln

Mannheim.Der VfL Kurpfalz Neckarau stellt sich in seiner Fußball-Abteilung neu auf: Die Aktiven in der Landesliga werden ab der kommenden Saison von gleich drei Trainern betreut, die U 23 soll eine echte Perspektivmannschaft werden und alle 15 Jugendteams werden fortan von Lizenz-Übungsleitern gecoacht. Das gaben nun Ludwig Groß, der 1.Vorsitzende des VfL Kurpfalz, und der Chef der Fußball-Abteilung, Lacky Paschaloglou, im Gespräch mit dieser Zeitung bekannt.

Richard Weber war eigens aus Madrid nach Mannheim gereist. „Wir stellen das neue Konzepte vor, da musste ich kommen“, sagte der Coach des Landesligisten, der bei der anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft in Russland wieder im Trainerstab des spanischen Nationalteams arbeiten wird. Weber, der seit dem 1. November 2009 die erste Mannschaft der Neckarauer betreut, wird auch in der kommenden Spielzeit Chefcoach des Landesligisten bleiben. Doch, und das ist vielleicht einzigartig im Fußballkreis Mannheim, soll er zwei gleichberechtige Partner neben sich haben: Feytullah Genc, der bis Anfang April noch den Neckarauer Liga-Konkurrenten FC Türkspor Mannheim trainierte, und Bernd Wigand, der nicht zuletzt in der Oberliga Baden-Württemberg bei der SpVgg Neckarelz Erfahrungen sammelte.

Lacky Paschaloglou wird sich weiter verantwortlich um das Sportliche in der Abteilung kümmern. Doch auch er erhält nun einen Unterstützer: Sefa Öztürk, der mit Genc fünf Jahre lang die Geschicke beim FC Türkspor leitete und dort die Aktiven von der A-Klasse bis in die Landesliga lotste.

„Er wird sich um alles Administrative kümmern. Er ist ein Organisationstalent“, sagte Paschaloglou und betonte: „Als wir gehört haben, dass der FC Türkspor Feytullah und Sefa vor die Tür gesetzt hat, haben wir gleich zugeschlagen. Die sind mit ihrer Qualität doch für jeden Club Gold wert.“

Mit dem Klassenerhalt erreichten die Südstädter ihr Minimalziel. „Aber es war keine gute Saison“, urteilte Paschaloglou. „Wir hatten das Gefühl, wir treten auf der Stelle. Finanziell haben andere Clubs mehr Möglichkeiten. Also mussten wir ein neues Konzept erarbeiten. Vor allem wollen wir wieder zur Talentschmiede werden, für die der Verein einst stand“, betonte der Neckarauer Funktionär. „Wir haben alle Jugendteams mit Lizenztrainern ausgestattet, und das Tolle ist – alle arbeiten ehrenamtlich.“ Langfristig wollen die Neckarauer ihre Nachwuchsteams – 350 Jugendliche sind beim VfL Kurpfalz am Ball – wieder in den höchsten Spielklassen der Region sehen. „Davon profitiert dann langfristig auch der Aktiven-Bereich. Oben sollen unterdessen unsere Trainer mit jungen Spielern arbeiten und eine Verzahnung mit den Jugendteams anstreben.“ Auch die U23 wird ein ganz anderes Gesicht bekommen. Dort sollen nur noch Akteure, die gerade aus der A-Jugend gekommen sind, spielen. „Die neue Sportliche Leitung kümmert sich darum. Wer die neuen Trainer des Teams werden, ist noch offen“, so Paschaloglou. Für die Leitung der Jugendteams konnte der Club mit Jens van der Veen ebenfalls einen in der Region bekannten Coach gewinnen.

Weber als der vielleicht erfahrenste und qualifizierteste Übungsleiter im neuen Trainertriumvirat bei den Aktiven wollten Paschaloglou und der Erste Vorsitzende Groß unbedingt in Neckarau halten. „Richard ist für die Fußballabteilung unglaublich wichtig. Seine Expertise brauchen wir weiter unbedingt“, sagt Paschaloglou.

Mittelfristig in die Verbandsliga

Für Groß war unterdessen die Fertigstellung des neuen Sportzentrums mit zwei Kunstrasenplätzen und einem neuen großen Rasenspielfeld im Frühjahr „nach sechs Jahren harter Arbeit“ ausschlaggebend für den Startschuss des neuen Konzeptes bei den Fußballern. „Der Fußball ist ein versautes Geschäft, viele Spieler halten nur die Hand auf. Das können wir hier nicht mitmachen. Wir wollen uns in der Fußball-Abteilung gesund weiterentwickeln. Die anderen Mitglieder dürfen nicht ausgenutzt werden. Der Etat für die Fußballer wurde jedenfalls für die nächste Spielzeit nicht erhöht“, macht der Vereinschef klar.

Lacky Paschaloglou hat sich und seiner neuen Sportlichen Leitung als mittelfristiges sportliches Ziel den Aufstieg der ersten Mannschaft in die Verbandsliga gesetzt. „Da gehört der Verein mit seiner großen Tradition auf jeden Fall hin“, sagt er und findet: „Alle drei Trainer haben in unseren Gesprächen zugesagt, ihr Ego nach hinten zu stellen. Ich glaube, das klappt und ich bin zudem überzeugt: Diese Sportliche Leitung ist keine Sache, die nur eine halbe Saison hält.“