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Nachruf Das Mannheimer Eishockey trauert um Werner „Patschek“ Lorenz, der am Freitag im Alter von 83 Jahren gestorben ist

Trauer um MERC-Legende Werner Lorenz

Archivartikel

Mannheim.Tränen der Rührung stehen ihm in den Augen. Als die Adler bei der „Banner Night“ am 23. November 2012 auch das Trikot mit der Nummer 2 von Werner Lorenz unter das Hallendach der SAP Arena ziehen, geht das „Patschek“, wie er nicht nur im Friedrichspark gerufen wird, sehr nahe: „Mir wurde das Herz schwer“, sagt der Mann vor drei Jahren. Von 1952 bis 1971 gibt er auf dem Eis alles für seinen MERC, später übernimmt er in anderen Funktionen Verantwortung - sei es als Jugendtrainer oder langjähriger Vorsitzender des Vereins. Bis zuletzt zieht es Lorenz in die SAP Arena - zu seinem Sport, seinem Club. Am Wochenende vermelden die Adler voller Trauer, dass „Patschek“ am Freitag im Alter von 83 Jahren gestorben ist.

„Werner war ein sehr bescheidener Mensch, der viel für unseren Verein geleistet hat. Nicht umsonst wird seine Rückennummer aufgrund seiner Verdienste nicht mehr vergeben. Ließ es sein Gesundheitszustand zu, saß er in der Arena und drückte ‚seinen‘ Adlern die Daumen. Im Namen des Clubs spreche ich seiner Frau und seiner Familie unser tief empfundenes Beileid aus“, sagt Adler-Geschäftsführer Matthias Binder.

Es zeichnet den Charakter von Lorenz aus, wie er auf seine Karriere blickte. Obwohl er viele große Siege gefeiert hat, erwähnt er im Jahr 2017 zunächst eine bittere Stunde des Mannheimer Eishockeys, als er nach seinen Erinnerungen gefragt wird: „Das war, als wir erst in die Oberliga auf- und dann gleich wieder abgestiegen sind. Wir haben in Krefeld mit 1:22 auf die Mütze bekommen. Jungs wie Bruno Guttowski, die später zu uns wechseln sollten, standen damals noch auf der anderen Seite.“

Ein Kind des Friedrichsparks

In der Spielzeit 1953/54 haben sich die Mannheimer in der Aufstiegsrunde nur wegen der besseren Tordifferenz gegen den EV Rosenheim durchgesetzt. Die Oberliga ist dann aber eine andere Kragenweite, nur ein Punkt aus 14 Partien stehen nach der Saison 1954/55 zu Buche. Am zweiten Spieltag, dem 27. November 1954, setzt es die üble Klatsche in Krefeld. Das nagt sehr am Ehrgeiz des gebürtigen Ludwigshafeners.

Trotz dieses Desasters überwiegen die positiven Erinnerungen. Eishockey hat Lorenz viel gegeben, und Lorenz hat sich für seinen Sport aufgeopfert. Er hat die Zeit im Friedrichspark mitgeprägt. 1953 ersteigert die Stadt das Eisstadion, es wird auf Vordermann gebracht. Während des Umbaus ziehen sich die Mannschaften im ehemaligen Militärgefängnis im Schloss um. „Dort, wo die Sträflinge duschten. Wir sind dann über eine Holzplanke ins Stadion marschiert. Ich habe mich wie ein Gladiator gefühlt, der zum Kampf gegen die Löwen in die Arena musste“, erinnert sich Lorenz im Jahr 2017.

Zusammen mit seinen Mitstreitern - Hans Schneiders, Toni Kartak und wie sie alle hießen - macht sich Lorenz als „Kleiderschrank mit raschem Antritt“ einen Namen. „Einmal“, erzählt er, der Friedrichspark war da längst noch nicht überdacht, „hat es in einem Spiel gegen die DEG stark geschneit. Die Schneedecke auf der Eisfläche war so hoch, dass ich mir einen Jux erlaubt habe: Ich habe so getan, als hätte ich den Puck auf dem Schläger, alle DEG-Spieler sind mir nach - dabei war die Scheibe ganz woanders!“

30 Pfennig Eintritt

Lorenz kommt erst relativ spät in Kontakt mit dem Eishockey-Sport, bei einem Schulausflug in den Friedrichspark. „Das war als Elfjähriger unter Lehrer Schnabel“, erinnert er sich, „wir haben 30 Pfennig Eintritt bezahlt“. Zuvor hat er seine Stocktechnik beim Spiel auf dem Rasen verfeinert. Die Schläger basteln sich die Jungs aus Ästen zusammen. „Um einen Puck zu bekommen, haben wir eine Milchdose mit Sand gefüllt und so lange auf sie eingeschlagen, bis sie die gewünschte Form hatte.“

Als Aufnahmegebühr beim MERC muss die Familie Lorenz drei Mark bezahlen. Um mit 15 Jahren in die erste Mannschaft zu kommen, ist eine Notlüge fällig - das Alter wird leicht nach oben „korrigiert“. Der Startschuss für eine erfolgreiche Karriere ist gefallen. „Unser erster Sieg gegen die Füssener ist besonders positiv hängengeblieben“, sagt Lorenz, der stolz ergänzt: „Ich habe fast in jedem Spiel mein Tor geschossen.“ Das Erfolgsgeheimnis für seine Knaller von der blauen Linie liest sich einfach: „Ich habe viel Zeit damit verbracht, meine Schüsse zu perfektionieren. Sie durften nicht zu hoch, aber auch nicht zu flach sein.“

Die blauen Flecken, die seinen Körper und die seiner Gegenspieler übersäen, zählt Lorenz irgendwann nicht mehr. Mit seinem Spitznamen „Patschek Blut“ kann er sich kaum anfreunden. „Ich habe ausgeteilt und eingesteckt.“ Jedenfalls hinterlässt er bei seinen Gegnern Eindruck. Der ehemalige Bundestrainer und Kurzzeit-Adler-Coach Hans Zach hat ihn so in Erinnerung: „Als ich mit meinen 70 Kilo aufs Eis kam und diesen Riesenverteidiger sah und durch das ganze Stadion ,Patschek Blut’ hallte, da wurde mir ein wenig anders. Ich dachte, das sei ein völlig Wahnsinniger, der gleich alles über den Haufen rennt. Dem war aber glücklicherweise nicht so.“

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