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Eishockey Beim Robert-Müller-Gedächtnisturnier stehen für den Mannheimer Nachwuchs die internationalen Partien im Mittelpunkt

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Archivartikel

Mannheim.Um 8.45 Uhr morgens, nur einen Tag nach den Weihnachtsfeiertagen, betreten 18 Spieler der U-15-Mannschaft des Mannheimer ERC das Eis in den Nebenhallen der SAP Arena, um sich aufzuwärmen. Ihre Gegner sind die 13- und 14-Jährigen des EHC Bad Aibling aus Rosenheim. Nach dem folgenden 16:1-Erfolg im Eröffnungsspiel lautet das große Ziel des MERC, als Heimteam auch den Gesamtsieg im siebten Robert-Müller-Gedächtnisturnier zu holen und sich vor allem gegen die internationalen Mannschaften durchzusetzen. Am Ende reicht es jedoch nur für Platz vier und neuen Erkenntnissen zu bislang unbekannten Eishockey-Gegnern.

„Für uns ist das Turnier spannend, weil wir keine der Mannschaften einschätzen können. In unserer Liga spielen wir immer gegen die gleichen Teams“, sagt Lennart Sölch. Der 14-jährige Mannheimer Verteidiger und Kapitän war nach dem überraschend hohen Sieg in der ersten Partie mehr als zufrieden und auch MERC-Goalie Martin Enghofer war sich sicher: „Da geht noch mehr. Ich glaube, dass wir gegen alle Teams eine Chance haben.“

Insgesamt 14 internationale Teams

Drei Gruppenspiele am Freitag und dann die Zwischen- und Endrunden am Samstag galt es zu meistern, um sich gegen insgesamt acht U-15-Teams durchzusetzen. Beim U-17-Turnier am Samstag und Sonntag kämpften sechs Mannschaften um den Titel. Mit dabei waren unter anderem die ebenfalls in den SAP Nebenhallen heimischen EKU Mad Dogs, die Alcmaria Flames aus den Niederlanden und der Schweizer Hockey Club La Chaux-de-Fonds. Dadurch versprach der Ausrichter MERC auch in diesem Jahr ein internationales Turnier auf hohem Niveau mit harten Zweikämpfen und schnellen Spielzügen.

„Bei uns ist das Teilnehmerfeld bunt gemischt. Das grenzt uns ab von den institutionalisierten Turnieren der Jungadler, in denen nur die Top-Teams zum Zuge kommen“, betonte Wolff-Heinrich Fleischer, Vorsitzender des Mannheimer ERC. Es sei vor allem für den Nachwuchs extrem wichtig, über den eigenen Landesverband hinauszuschauen, meint er. Und wie ginge das besser, als zu Ehren des 2009 an Krebs verstorbenen ehemaligen Adler-Goalies und langjährigen deutschen Nationaltorhüters Robert Müller, der durch seine mitreißende und bewegende Karriere viele Ecken Deutschlands miteinander verband? „Der Nachwuchs von Bad Aibling aus Müllers Heimat bei Rosenheim reist beispielsweise jedes Jahr nach Mannheim und auch Mannschaften seiner früheren Vereine Köln und Klostersee waren schon dabei“, sagte Fleischer, der das Gedächtnisturnier seit sieben Jahren begleitet.

Marcus Kuhl, langjähriger Adler-Manager und jetziger Geschäftsführer des Nachwuchsleistungszentrums, hatte Müller im Jahr 2006 nach Mannheim geholt. „Er war einer der besten Torhüter in der DEL und wurde damals mit Krefeld Meister. Für uns war Robert die erste Wahl“, erinnerte sich Kuhl. „Robert war unheimlich ehrgeizig, immer topfit, ein Teamplayer und sehr umgänglich.“ Nachdem Müller im November 2006 an einem Hirntumor erkrankt war, kämpfte er sich nur zwei Monate später zurück aufs Eis. Beim Saisonfinale in der SAP Arena forderten die Adler-Fans in den letzten Minuten lautstark seinen Einsatz. „Das war für uns alle unheimlich emotional“, sagte Kuhl. Das Gedächtnisturnier sei eine schöne Erinnerung an den Ausnahmetorwart, meinte der Geschäftsführer des Adler-Nachwuchsleistungszentrums.

Ein Turnier als Erinnerung

Für diese Erinnerung fuhren Ron Berteling, Trainer der Alcmaria Flames, und seine Mannschaft von Alkmaar in Nordholland fünf Stunden bis nach Mannheim. „Wir haben auch schon in Frankreich oder Belgien Turniere gespielt, weil wir in Holland sonst auch immer auf dieselben Teams treffen würden. Außerdem wird hier in Mannheim zweimal 20 Minuten gespielt, das ist länger als bei Turnieren zuhause und fordert meine Jungs mehr“, sagte Berteling. Gegen die deutschen Teams rechnete sich der Coach jedoch schon vor Turnierbeginn keine hohen Chancen aus: „In Deutschland wird auf höherem Niveau gespielt.“

Auch gegen La Chaux-de-Fonds aus der Schweiz gab es nichts zu holen. Der 14-jährige Eino Nijboer schoss Alkmaar im ersten Gruppenspiel zwar zunächst in Führung, musste mit seinen Kameraden dann jedoch eine 1:12-Niederlage hinnehmen. „Wir hatten wenigstens auf Platz zwei oder drei gehofft“, sagte der Torschütze der Flames, die sich mit einem 7:4 gegen die Mad Dogs am Samstagvormittag schließlich Rang fünf im U-15-Robert-Müller-Gedächtnisturnier sicherten. Platz eins belegten die Wanderers Germering aus Bayern.

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