Lokalsport Mannheim

Spieler der Woche Torjäger Yigzaw Tesfagaber fühlt sich nach schwierigen Jahren beim VfR Mannheim angekommen

Zwischen Genie und Wahnsinn

Archivartikel

Mannheim.„Du gehst jetzt rein und entscheidest das Spiel. Ich glaube an dich“, flüsterte Serkan Secerli seinem Schützling vor der Einwechslung ins Ohr. Der Trainer des VfR Mannheim brachte seinen Neuzugang Yigzaw Tesfagaber in die Partie, die Rasenspieler lagen zu diesem Zeitpunkt mit 2:3 gegen den ATSV Mutschelbach zurück. Es dauerte genau eine Minute, da klingelte es zum ersten Mal. Der 21-jährige Offensivmann erzielte den viel umjubelten Ausgleich. Noch einmal vier Minuten später zappelte der Ball erneut im Netz von Mutschelbach, wieder war Tesfagaber zur Stelle – 4:3. Der Goalgetter rettete den Fußball-Verbandsligisten und hielt den VfR auf Kurs.

„Das war ein wahnsinniges Gefühl. Ich habe auf diese Chance gebrannt, wollte es allen beweisen. Jetzt bin ich beim neuen Verein angekommen und will weiter Tore für mich sprechen lassen“, bejubelt Tesfagaber seinen blitzschnellen Doppelpack. Der Neuzugang des Mannheimer Traditionsvereins bewegt sich seit vielen Jahren zwischen Genie und Wahnsinn. Der pfeilschnelle Torjäger hat das Potenzial für eine große Karriere im Profifußball, seine Einstellung und Disziplin verhinderte bisher jedoch den ganz großen Sprung.

Probleme mit der Disziplin

„Angefangen habe ich mit drei Jahren bei Pfingstberg-Hochstätt. Schon mit vier Jahren wurde ich zum Waldhof in die Jugend geholt. Mit zwei weiteren Spielern bin ich dann nach Kaiserslautern gewechselt und hatte alles: eine gute Betreuung, gutes Training, ein gutes Umfeld. Ich wusste aber nicht damit umzugehen“, blickt der 21-Jährige auf seinen steinigen Weg zurück. Statt Training ging er lieber ins Kino, nahm seinen Traum vom Profifußballer auf die leichte Schulter und geriet nach wenigen Jahren beim FCK auf das Abstellgleis. „Ich habe zugenommen, mir fehlten komplett Disziplin und Motivation. Mein Talent war schon immer groß, nur ich habe nie wirklich an mich selbst geglaubt. Von Kaiserslautern bin ich dann erstmals zum VfR gekommen. Für mich die erste große Wende“.

In der U 23 der Rasenspieler sollte Tesfagaber wieder in Form kommen, doch auch im damaligen Kreisklasse-Team ging der Stürmer unter. „Dann kam Michael Eisenhauer zu mir, er war damals Trainer in der VfR-Jugend. Er hat mir gesagt, dass ich mein ganzes Talent wegschmeiße, alles aufs Spiel setze. Da hat es Klick gemacht“, gibt der 21-Jährige einen tiefen Einblick. Er nahm fast zwanzig Kilo ab und kam wieder in Form. Sein Onkel holte ihn nach England zu einem Talenttraining. Die heutigen Premiere-League-Vereine FC Burnsley und Huddersfield Town nahmen den Mannheimer ins Visier. Sein Stern ging auf der Insel jedoch nicht auf, er heuerte bei der TSG Weinheim an und machte sich in der Oberliga einen Namen. Sieben Tore erzielte er für die TSG, zeigte starke Leistungen und doch geriet er wieder auf die schiefe Bahn, musste Weinheim am Ende der Saison verlassen. Der VfR Mannheim ist nun seine letzte Chance.

„VfR-Manager Jener Külbag hat zu mir vor der Saison Kontakt aufgenommen. Er hat mir erklärt, dass der Verein mir fußballerisch aber auch privat unter die Arme greifen könne. Da musste ich nicht lange überlegen“, erklärt Tesfagaber seine Wechselgründe. „Mittlerweile fühle ich mich fitter und stärker denn je, habe eine gute Vorbereitung gespielt und konzentriere mich jetzt komplett auf den Sport.“ Der Stürmer wirkt geläutert, seine bisherigen Fehler bereut er aber nicht: „Die spornen mich nur noch mehr an. Ich weiß mittlerweile, was ich kann und wohin die Reise gehen könnte. Jetzt heißt es für mich, am Ball bleiben und meine Ziele erreichen.“ Eines davon: der Aufstieg mit dem VfR. „Der Verein gehört nicht in die Verbandsliga, dabei will ich helfen. Außerdem hoffe ich jetzt auf mehr Spielzeit. Wenn der Trainer mir meine Startelf-Chance gibt, dann werde ich bereit sein“, wirkt der 21-Jähige bis in die Haarspitzen motiviert.

Trotz seiner jungen Jahre hat Tesfagaber schon bei sieben verschiedenen Vereinen gespielt, jetzt will er endlich länger bleiben: „Hier will ich mich durchsetzen und mein volles Potenzial abrufen. Ich spüre großes Vertrauen vom Trainerteam und will das alles schnellstmöglich zurückzahlen.“