Lokalsport Mannheim

Golf Goldmedaillengewinner Allen John steht im Gehörlosensport ganz oben und strebt auch bei den Hörenden in die Profiliga

Zwischen zwei Welten

St. Leon-Rot.Allen John lebt in zwei Welten - in der Welt der Hörenden und in der Welt der Gehörlosen. In beiden hat der Golfer mit Handicap +4 viel erreicht und in beiden hat er noch große Ziele. Bei den Hörenden möchte er nach einer Verletzungspause zurück ins Profilager. In der Gehörlosenwelt steht er sportlich schon ganz oben, siegte vergangenes Jahr bei den deutschen Meisterschaften, wurde Europameister und holte dieses Jahr holte Gold bei den Deaflympics. Nun kämpft er für mehr Anerkennung des Sports.

Als wir uns im Clubhaus seines Heimatvereins in St. Leon-Rot treffen, liegt die Goldmedaille vor ihm auf dem Tisch. Es ist die erste Medaille die je ein deutscher Golfer bei den Spielen für Gehörlose gewonnen hat. Erst seit 2016, seit Rio, ist der Sport olympisch, diesen Juni legten die Gehörlosen bei den Deaflympics im türkischen Samsun nach.

"Ich kann erreichen, was ich will"

John trägt Jeans, dazu ein schwarzes T-Shirt mit Star-Wars-Motiv, über das er nur für das Pressefoto kurz seine Golfjacke streift. Er fällt auf zwischen den Clubmitgliedern in Golfmontur. Nicht etwa unangenehm; es ist eher, als besuche man den sympathischen 29-Jährigen zu Hause. Und irgendwie ist der Club auch seine Heimat. Jeden Tag verbringt er dort. Morgens und abends trainiert er, dazwischen arbeitet er als Sport- und Fitnesskaufmann im Club. Die Ausbildung dazu schloss er im Februar ab. Das ist sein Plan B, Plan A bleibt die Profikarriere. Profi war John bereits, 2011 spielte er in der dritten Liga und arbeitete sich ein Jahr später in die Challenge-Tour, die Zweite Liga, hoch.

Ohne Hilfsmittel liegt seine Hörleistung von Geburt an bei fünf Prozent, mit Hörgeräten kommt er auf 75. Bei verregneten Turnieren tritt er ohne an - so auch im Gehörlosensport, der grundsätzlich Hilfsmittel verbietet, um Chancengleichheit zu gewährleisten. Dann bleibt ihm nur sein Gefühl. Trotzdem mied er es als Profi, über seine Behinderung zu sprechen. Er wollte kein Mitleid.

Geboren ist John in Ludwigshafen, aufgewachsen in Mannheim. Dort ging er auch aufs Gymnasium. Auf einer Gehörlosenschule war er nur kurz. Obwohl Ärzte abrieten, wollte er es in der Welt der Hörenden schaffen und es gelang ihm, Nachteile zu kompensieren. "Ich habe versucht, das Beste daraus zu machen," sagt er.

Mit zehn Jahren fing er an, Golf zu spielen und erzielte bald Erfolge. Von 2004 bis 2010 spielte er in der Nationalmannschaft. Daran schloss sich die Profizeit an. Eine schwere Verletzung des Schambeins durchkreuzte seine Pläne und setzte ihn zwei Jahre außer Gefecht. Doch der Rückschlag hatte auch sein Gutes. Als er sich zurückkämpfte, ging er auf Anfragen des Gehörlosensportverbandes (DGS) ein, die ihn als Sportler gewinnen wollten. Zunächst zögerte er. "Ich empfand es als ungerecht dort anzutreten, weil die Leistungsdichte geringer ist und ich dachte, dass mein Niveau zu hoch ist." Mittlerweile sieht er sich auch als Botschafter, der durch seine Erfolge den Gehörlosensport bekannter machen kann.

John hofft, dass die Community in den nächsten Jahren weiter wächst und der Sport mehr Anerkennung erfährt - und er möchte Sponsoren finden. Während bei Olympia und den Paralympics gute Unterstützung besteht, ist die Förderung im Gehörlosensport mau. Vieles muss aus eigener Tasche bezahlt werden.

Sein großer Traum ist es, sich dieses Jahr eine Tourkarte fürs Profilager zu erspielen. Damit wäre er deutschlandweit der einzige hörbehinderte Profi. Für 2020 peilt er die Teilnahme an den "richtigen" Olympischen Spielen an, auch bei den Deaflympics 2021 will er dabei sein. Geheimhalten würde er seine Behinderung heute nicht mehr. "Ich weiß mittlerweile, dass es ein besonderes Merkmal ist, das mich auszeichnet. Ich möchte anderen Gehörlosen ein Vorbild sein und zeigen, ich kann erreichen, was ich will."