Ludwigshafen

Kultur Chöre bringen beim evangelischen Landesposaunentag Musik auf Plätze und in Kirchen

400 Bläser in der ganzen Stadt

Ludwigshafen.Wenn 250 Blechbläser laut werden, dann ist einer in seinem Element. „Vor so vielen Bläsern zu stehen, ist einzigartig. Genauso wie der eindrucksvolle Klang, den sie zusammen liefern“, sagt Dirigent und Landesposaunenwart Christian Syperek. Der Großauftritt ist am vergangenen Samstag der Höhepunkt des Landesposaunentags in Ludwigshafen, den die Landeskirche alle vier Jahre in einer anderen Stadt in der Pfalz abhält.

Das ganze Wochenende läuft das Programm in der Innenstadt. Auf dem Lutherplatz, vor dem Rathaus, im Ebertpark und im Klinikum: 400 Blechbläser und 100 Flötisten sind angereist. Am Vormittag nehmen die Bläser an Kursen teil, die Landesposaunenwart Werner Petersen leitet, am Samstagabend geben die Ensembles ein fünfstündiges Konzert in der Apostelkirche. Den absoluten Höhepunkt liefert der gemeinsame Auftritt von 250 Bläsern beim Festgottesdienst am Sonntagnachmittag in der Friedenskirche, zu dem auch Kirchenpräsident Christian Schad anreist.

„Rausposaunen“ und mit Popsongs und alten Chorälen gute Laune machen – das wollen die Bläser, die in Ludwigshafen zu Gast sind. Loben und Ehren, das ist Plan und Zweck der Posaunenchöre der Evangelischen Kirche. Denn „Lobet den Herrn mit Posaunen“ heißt es schon in den Psalmen.

Posaunenchöre haben in den Evangelischen Kirchen eine lange Tradition. Die ersten Formationen, die um 1850 in Westfalen entstanden, sollten die Amtskirche modernisieren. „Den ausschlaggebenden Anteil daran hatte die Erweckungsbewegung der Evangelischen Kirche“, erklärt Kirchenposaunenwart Werner Petersen aus Schleswig Holstein: „Im Laufe der Bewegung hielt man Gottesdienste an öffentlichen Plätzen und unter freiem Himmel. Mit den Bläserensembles hatte man ein mobiles Instrumentarium, das die Messen statt einer Orgel begleiten konnte.“ Die Tradition verbreitete sich in ganz Deutschland. 1885 gründete sich der erste pfälzische Posaunenchor in Zeiskam.

Die Landeskirche pflegt die Tradition. In der Pfalz gibt es 40 Chöre mit insgesamt 800 Musikern. Bundesweit sind 100 000 Bläser in Kirchensembles ehrenamtlich aktiv. Die Tradition wird in ganz Europa und in den Evangelischen Kirchen in Afrika gelebt. „Auf meiner Reise nach Tansania erlebte ich, wie das deutsche romantische Volksliedgut und die europäischen Bachchoräle aufgegriffen und improvisiert wurden“, erzählt Werner Petersen.

„Mich erinnert das ,Rausposaunen’ an das Adventssingen in den Straßen und vom Kirchturm, das es bis in die späten 60er Jahre noch gab“, sagt ein Konzertbesucher: „Draußen liefen die Bläser durch die Straßen, vermittelten und verkündeten christliche Botschaften mit Musik. Um etwas hörbar zu machen und weiterzugeben, ist der Posaunenchor wie gemacht.“ 

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