Ludwigshafen

Panik-Pauken Kurz vor den ersten Prüfungen am heutigen Donnerstag trafen sich Schüler in der Stadtbibliothek zum gemeinsamen Lernen

Abitur-Stoff in letzter Minute gepaukt

Ludwigshafen.Es geht wieder los – die Abiturienten sind mit Merkzetteln, Schreibblöcken und Textmarkern bewaffnet in den Startlöchern für das große Finale. Die Stadtbibliothek öffnete nun ihre Pforten zum sogenannten Panik-Pauken. Was sich erst einmal nach Aufruhr und Hektik anhört, sieht in Wirklichkeit ganz anders aus: Es herrscht absolute Stille. Nur im Gruppenraum wird diskutiert.

An diesem Donnerstag beginnen in Rheinland-Pfalz die Abiturprüfungen. Die schriftliche Phase dauert bis zum 29. Januar. Im März sind die mündlichen Prüfungen dran. „Die Idee des Panik-Paukens ist relativ neu. Letztes Jahr fand die Tagung des Deutschen Bibliotheksverbands in Ludwigshafen statt, bei dem andere ihre Projekte vorstellten. Eines davon war eben das“, sagt Leiterin Tanja Weißmann. „Die berufsbildenden Schulen haben eine andere Abi-Phase, dann öffnen wir noch einmal exklusiv für die Schüler“, kündigt sie an.

Gute technische Bedingungen

Der Exklusiv-Tag für Abiturienten ist augenscheinlich ein Selbstläufer. Die Bibliothek feiert ein unerwartetes Comeback. Viele finden, dass es besser ist, außerhalb ihres Zuhauses zu lernen. Außerdem ist die modernisierte Stadtbibliothekmit ihren hellen, großzügige Räumen ein idealer Ort zum Lernen – auch in technischer Hinsicht. Es gibt hier ein digitales Whiteboard, Flipcharts, freies WLAN und Arbeitslaptops. Man kann im Internet recherchieren und den Abiturienten steht die große Lehrbuchsammlung zur Verfügung. Im Gruppenraum lassen sich einige Schüler zur Diskussion nieder, während sich Sheren Mohammed vom Carl-Bosch-Gymnasium auf die Deutsch-Prüfung vorbereitet.

„Man weiß nicht genau, welche Lektüre drankommt, aber ich rechne mit ,Geschlossene Gesellschaft’, ,Traumnovelle’ oder ,Effi Briest’. Ich kann mich hier in der Bibliothek besser konzentrieren und bin umgeben von Quellen, die ich nicht im Internet finde“, so die Schülerin. Sie sei mit sechs anderen Mädels hier. Die Bibliothek sei ein sehr guter Ort, um sich zu treffen. „Bei mir zu Hause würden wir eh nichts machen “, gesteht sie. Ein Stockwerk darüber haben sich weitere Kandidaten mit Büchern und Blöcken zusammengefunden. „Wenn ich merke, dass andere Menschen mir beim Arbeiten zuschauen, motiviert mich das“, sagt Marc Scharf vom Max-Planck-Gymnasium.

Neben ihm sitzt Melanie Bista, die sich mit dem Thema Kunststoffe herumschlägt – Leistungsfach Chemie. „Zu Hause werde ich schnell abgelenkt, wenn die Familie ins Zimmer reinplatzt“, findet sie. Auf die Frage, wie man denn zusammen lernen kann, wenn der eine Kunst und die andere Chemie lernt, sagt Marc: „Wenn wir das gleiche Thema lernen, driften wir schnell ab. So beantwortet man sich nur kurz die aufkommenden Fragen.“