Ludwigshafen

Jubiläum Verein Haus & Grund feiert 125-jähriges Bestehen / Bundesvorsitzender Warnecke kritisiert Vorschläge zur Enteignung

Absage an Mietpreisbremse

Ludwigshafen.Die Bedeutung des Wohneigentums in unsicheren Zeiten stand im Mittelpunkt einer Festveranstaltung im Pfalzbau. Eingeladen hatte der Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümerverein Ludwigshafen anlässlich seines 125-jährigen Bestehens. Vor allem auf einen Mann richteten sich die Blicke der knapp 200 Besucher: Karlheinz Glogger ist seit 1977 Vorsitzender von Haus & Grund. Seitdem hat der mittlerweile 75-jährige Rechtsanwalt – als einziger – an sämtlichen Mietspiegeln in Ludwigshafen mitgearbeitet. Währenddessen ist der Verein zur zentralen Anlaufstelle für Immobilienbesitzer gereift: Für Mitglieder übernimmt Haus & Grund die Verwaltung von Häusern und Eigentümergemeinschaften, erstellt Nebenkostenabrechnungen und leistet rechtliche Beratung in Immobilienfragen.

„Eigentum schützen“

Allein in Ludwigshafen zählt die Organisation 2775 Mitglieder, bundesweit mehr als 900 000. „Wir sind einer der wenigen Vereine, die noch wachsen, doch wir würden uns gerne verjüngen“, erklärte Glogger mit Blick auf ein Foto des Woodstock-Festivals, das sich in diesen Tagen ebenfalls jährt. In seiner Eröffnungsrede unternahm der Vorsitzende einen Streifzug durch die bewegte Geschichte des Vereins sowie der Stadt Ludwigshafen – von den Anfängen der Rheinschanze und der BASF bis hin zu den Zerstörungen durch die Luftangriffe von 1944.

Dass das vergangene Jahrhundert für Grundbesitzer in der Tat kein leichtes war, unterstrich Manfred Leyendecker. Der Vorsitzende von Haus & Grund Rheinland-Pfalz erinnerte an die Hyperinflation von 1923, die Unterbringung der Heimatvertriebenen ab 1945 sowie die Zwangshypotheken aus dem Jahr 1948, als 20 Prozent des Immobilienwertes veranschlagt worden seien. Doch gelte es auch heute, das Eigentum zu schützen, wenngleich es längst nicht mehr so „geheiligt“ sei, wie es noch die Gründerväter des Bürgerlichen Gesetzbuchs formuliert hätten.

Nach einem musikalischen Intermezzo durch Lehrkräfte der Musikschule Ludwigshafen referierte Kai Warnecke zu aktuellen wohnungspolitischen Fragen. Dabei beklagte der Bundesvorsitzende die aus seiner Sicht vielmals unzutreffenden Darstellungen seitens Politik und Medien. Das emotionale Thema Wohnen werde bisweilen falsch dargestellt. Laut Warnecke betreffe etwa der starke Mietanstieg vorrangig Neuverträge, die Mietpreisbremse habe sich nicht bewährt, und Enteignungen, wie in Berlin aktuell diskutiert, seien inakzeptabel.

„Eigentum schützen, um die Demokratie zu schützen“, laute das Gebot der Stunde. Haus & Grund werde daher Politiker unterstützen, die sich an Fakten anstelle von Emotionen orientieren.

Inwieweit Eigentum als „universelles Menschenrecht“ gesehen werden kann, machten die Vertreter des Vereins mit Hinweis auf ein Hilfsprojekt in Ecuador deutlich. Die von Manfred Leyendecker gegründete Initiative fördert den Grundstückserwerb und die Errichtung von Gebäuden für Notleidende.

Dass auch in Ludwigshafen Menschen aller Einkommensschichten ein Zuhause finden, wünschte sich Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD). Dazu brauche man gerade die Besitzer von Häusern, nicht zuletzt, „um diese schöner zu machen“. Willibrord Zunker vom Mieterverein Ludwigshafen würdigte die Zusammenarbeit mit dem „Gegenspieler“ mit folgenden Worten: „Schwierige Vermieter verschaffen uns neue Mitglieder, querulatorische Mieter Ihnen.“

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