Ludwigshafen

Gewerkschaft IG BCE ehrt langjährige Mitglieder / Bundeschef Michael Vassiliadis als Hauptredner

Absage an Niedriglohn in einem Sozialstaat

Ludwigshafen.Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE) ehrte in diesem Jahr 1251 Jubilare für ihre Mitgliedschaft von 40, 50, 60 oder 70 Jahren. „Das Jahr 1949 kenne ich nur aus Geschichtsbüchern, aber da waren manche von euch schon dabei“, sagte Gunther Kollmuß, Bezirksleiter Ludwigshafen, bei einer Feier im Pfalzbau. Im Bereich der Verwaltungsstelle gibt es 19 Gewerkschaftsmitglieder, die bereits seit 70 Jahren Mitglied sind – vier davon waren auf der Feier anwesend.

Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) sprach von einer „Sozialpartnerschaft auf Augenhöhe“ zwischen Gewerkschaften und Arbeitnehmern, die wirtschaftliche Stärke der Unternehmen sei ebenfalls wichtig. Landtagsabgeordnete Anke Simon (SPD) lobte, dass Mitglieder auch lange Jahre nach der Verrentung in der Gewerkschaft blieben.

Die Festrede hielt Vorsitzender Michael Vassiliadis. „Die Gewerkschaft gibt es schon seit 129 Jahren, warum sind wir jünger als die BASF? Weil wir verboten waren“, sagte der BCE-Bundesvorsitzende. Während der Weimarer Republik (1918-1933) seien die Gewerkschaften gespalten gewesen, dies habe es den Nazis leichter gemacht, sie zu zerschlagen. Der Neubeginn war schließlich im Oktober 1949, als der Deutsche Gewerkschaftsbund gegründet wurde. „Konfessionelle und politische Unterschiede der Mitglieder wurden überwunden. Es ist eine Einheit geschaffen worden. Doch heute sollte man darauf achten, dass die Einheit nicht gefährdet wird.“

Kompromisse wichtig

Auch auf die Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs in den 1950er und 1960er Jahren, die Krise von Kohle und Stahl und die erste Massenarbeitslosigkeit in den 1970er Jahren ging Vassiliadis ein. Damit führte er vor Augen, wie lange einige der Jubilare schon bei der IG BCE Mitglied sind, denn sie sind Zeitzeugen.

Aktuelle Probleme sprach Vassiliadis ebenfalls an: „Ist der Niedriglohn kompatibel mit dem Sozialstaat?“, fragte er. Für 9,50 Euro pro Stunde könne man in Deutschland nicht produktiv arbeiten. Was den Kohleausstieg betrifft, sollten zuerst die Voraussetzungen dafür geschaffen werden.

„Die Gewerkschaften wollen Ziele in Kompromissen nach vorne bringen. Der Klimawandel ist unbestritten, vieles muss sich ändern. Die Gewerkschaft fragt immer: Wie?“, sagte der Bundesvorsitzende weiter. Die Arbeitnehmer sollten stets geschützt sein vor Konsequenzen aus politischen Entscheidungen. Danach ging Vassiliadis zum geselligen Teil der Veranstaltung mit Unterhaltungsprogramm über und gratulierte den anwesenden Jubilaren persönlich.

Zum Thema