Ludwigshafen

Stadtbibliothek Lesung gedenkt der Bücherverbrennung 1933 / Schüler beteiligen sich

An verfolgte Autoren erinnert

Ludwigshafen.Eine ungewöhnliche Lesung erlebten 60 Besucher in der Stadtbibliothek. Mit einem flammenden Plädoyer „Wiederholung abgelehnt… wie 1933 eine Demokratie zerstört wurde“ eröffnete Monika Kleinschnitger die Veranstaltung „Ludwigshafen liest aus verbotenen Büchern“. Anlass war der Jahrestag der Bücherverbrennung in der Chemiestadt 1933, an den die Vorsitzende des Vereins „Ludwigshafen setzt Stolpersteine“ erinnerte. Damals, nur wenige Wochen nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, waren bei einer öffentlichen Kundgebung 56 Bücher systemkritischer Autoren auf dem Scheiterhaufen gelandet.

Aktion mitten in der Stadt

Um den verbotenen Schriften weltbekannter Autoren wie Thomas Mann, Kurt Tucholsky, Lion Feuchtwanger und Erich Kästner Raum zu geben und gleichzeitig den Bogen zur Gegenwart zu spannen, hat der Verein zusammen mit der Stadtbibliothek mehrere Institutionen und Schulen für das Projekt gewinnen können. So trugen Jugendliche der Berufsbildenden Schule (BBS) Wirtschaft 2, des Theodor-Heuss-Gymnasiums sowie des Carl-Bosch-Gymnasiums Texte der verfolgten Schriftsteller vor. Dass die Lesung inmitten der Bibliothek abgehalten wurde, begleitet von regem Treiben, war Absicht: „Auch damals erfolgte die Verbrennung mitten in unserer Stadt“, erklärte Kleinschnitger.

Für Kultur- und Medienschaffende sei es weltweit zunehmend schwieriger, ihrer Arbeit nachzugehen. Die Pressefreiheit werde wieder bedroht – und das „gar nicht so weit vor unserer Haustür“, mahnten die Organisatoren mit Verweis auf die Situation in Österreich.

Die Lesung geriet zum Streifzug durch teils bekannte Werke, teils versteckte Schätze der deutschsprachigen Literatur. Anneliese Sahin las die „Gespräche mit dem Ewigen Juden“, in denen Feuchtwanger Antisemitismus-Klischees aufgreift. Renate Bauer präsentierte Tucholskys Gedicht „Deutschland erwache“.

Die Mehrzahl der 20 Texte trugen indes die Schüler vor. Neben der „Moritat von Mackie Messer“ und dem „Fliegenden Klassenzimmer“ hinterließ ein weniger bekanntes Gedicht von Bertolt Brecht den wohl nachhaltigsten Eindruck: „Verbrennt mich!“, dargeboten von der Berufsschülerin Liridona Kurshumliu, hat seinen Ursprung in einem Protestbrief von Oskar Maria Graf an die NS-Machthaber. Diesen hatte der Schriftsteller mit der Bitte um Abdruck „in allen anständigen Zeitungen“ verfasst, nachdem er herausgefunden hatte, dass ausgerechnet seine Werke nicht dem Feuer übergeben worden waren. Wutentbrannt verlangte der Autor, dass seine Schriften, bevor sie den „blutigen Händen der braunen Mordbanden“ in die Hände fielen, ebenso verbrannt würden – was ein Jahr später tatsächlich geschah.

Damit eine Wiederholung ausgeschlossen bleibt, heißt die Devise für den Verein Stolpersteine: „Wir erinnern an Menschen, die gedemütigt, entrechtet, verfolgt und ermordet wurden.“